Jan Timmermann
· 10.06.2026
Beim Scott Spark RC denken eingeweihte Cross-Country-Fans unweigerlich an die Erfolge von Nino Schurter. Das 120 Millimeter Race-Fully etablierte gemeinsam mit Schurter ein Plus an Federweg und eine progressive Geometrie. Nun, kurz nach Karriereende der Rennsport-Legende, war es Zeit für einen Nachfolger und Scott präsentiert ein völlig neues Scott Spark. Schurters Geschichte mit dem Spark ist dabei noch lange nicht zu Ende erzählt. Beim diesjährigen BC Bike Race krönte sich der Altmeister an Bord eines seriennahen Prototypen schnell noch zum ersten europäischen Sieger in der Geschichte des prestigeträchtigen Events. Schnell auf Trails kann das neue Bike also - zumindest wenn man den Nachnamen Schurter trägt. Wir hatten bereits die Gelegenheit uns einen ersten Fahreindruck vom brandneuen Scott Spark RC Worldcup Evo zu verschaffen.
Die ersten Tests auf dem neuen Scott Spark RC habe ich noch gemacht. Mein Wunsch war vor allem wieder ein etwas agileres Handling. Ein Bike für den Rennsport zu entwickeln und dann zu sehen, wie jemand anderes damit unterwegs ist, ist schon etwas Spezielles. Ich werde aber noch beim ein oder anderen Rennen auf dem neuen Spark unterwegs sein. - Nino Schurter, Scott Sram MTB Racing Team
Ein Geometrie-Update war fürs Scott Spark RC längst überfällig. Die Neuauflage kommt mit deutlich längerem Hauptrahmen und steilerem Sitzwinkel. In sitzender Position wird der Pilot so sehr gut ins Bike integriert. Das einteilige, flache Syncros-Cockpit sorgt für ordentlich Druck auf dem Vorderrad. Im Vergleich zum Vorgänger fällt die Sitzposition merklich länger und gestreckter aus. In der Ebene hängt das Spark RC mächtig am Gas. Sehr effizient wird die Tretenergie in Vortrieb umgesetzt. Das elektronische Flight Attendant Fahrwerk des Topmodells schaltet das Fahrwerk derweil vollautomatisch in den Lockout. An günstigeren Modellen soll diese Funktion der bekannte, dreistufige TwinLoc-Hebel übernehmen.
Auch in steilen Uphills bringt das Scott seinen Fahrer in eine starke Kletterposition. Der Druck am Pedal ist Weltklasse und die leichten Syncros Laufräder ziehen geschmeidig gen Gipfel. Einzig in Spitzkehren bergauf wirkt unser Testbike in Größe XL etwas sperrig. Aus gutem Grund entscheiden sich auch die Profi-Athleten des Scott Sram MTB Racing Teams rund um Filippo Colombo und Bjorn Riley für das steilste der drei Lenkwinkel-Setups. Der Steuerrohrwinkel lässt sich nämlich über den Steuersatz anpassen und fällt in der flachsten Einstellung mit 65,4 Grad ziemlich extrem aus. In sehr engen Trail-Rampen kann da schon mal die Front abkippen.
Das Scott Spark RC bleibt seiner Linie treu und kehrt als höchst durchdachtes, performantes Kraftpaket zurück auf die Cross-Country-Bühne. Im ersten Test lechzt das neue Spark förmlich nach Speed und belohnt schnelle, trainierte Fahrer. Wie sich das Leben mit all den integrierten Features gestaltet, kann jedoch erst ein Langzeit-Test zeigen. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Im Downhill wiederum bringt der flache Lenkwinkel eine willkommene Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten mit. Das laufruhige und gleichzeitig leichte Spark RC lässt sich problemlos mit Vollgas in die Ideallinie hineinhalten und nimmt auch durch anspruchsvolle Passagen jede Menge Speed mit. Das kompakte Heck hilft mit der Agilität. Dank nur 434 Millimeter kurzer Kettenstreben können Spark-Piloten ihr Bike mit wenig Körpereinsatz zum Abheben bewegen oder flott durch enge Kurven wuseln. Auch auf der Jumpline macht das neue Racebike von Scott eine ausgesprochen gute Figur - ob das ein Verdienst von Style-Gott Nino Schurter ist? Unterstützt wird das aktive Fahrverhalten durch einen prominenten Gegenhalt im Fahrwerk. Dies macht es Racern leicht über Kuppen zu pushen und Momentum zu generieren. Auf flowigen, schnellen Rennkursen dürfte die neue Scott-Rakete so richtig zünden.
In ruppigen Trail-Sektionen hingegen steckt im straffen Fahrwerk für normalsterbliche Biker allerdings fast etwas viel Rennfahrer-Attitüde. Dass Scott gerade das mittlere Setting der Flight-Attendant-Automatik etwas aufgepumpt hat, ist definitiv spürbar. Komfort und war dabei offensichtlich nicht oberste Priorität und wer nicht fit ist, muss sich eventuell stärker mit dem Setup beschäftigen, um nicht frühzeitig zu ermüden. Unsere Empfehlung: Das Bias-Setting einen Klick in Richtung offen fahren. Mit der Federwegsausnutzung hatten wir beim ersten Tests auf den Trails rund ums toskanische Massa Marittima keine Probleme. Bei großen Schlägen macht das Fahrwerk souverän auf und schluckt auch dicke Brocken. In Steilabfahrten wünschten wir uns mehr Variohub, denn der Verstellbereich der Dropper-Post fällt bei üppigen 510 Millimetern Sitzrohrlänge mit 150 Millimetern knapp aus.
Nach nur einem Tag auf dem neuen Scott Spark RC bin ich bereits restlos davon überzeugt, dass es die Top-Fahrer des World Cups auf die vordersten Ränge tragen kann. Ein so schnelles Bike gab es mit diesem Maß an Systemintegration und Variabilität noch nicht. Etwas Fitness- und Fahrtechnik-Training sollte man zur Saisonvorbereitung einplanen, denn Normalos könnten das effizient-straffe Fahrwerk und die radikale Geo womöglich überfordern. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

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