Das Cube AMS Zero99 C:68 SLX 29 ist ein regelrechter Klassiker unter den Racebikes. Während andere Marken, wie etwa Canyon, Orbea, Scott oder Specialized teils erst vor wenigen Tagen neue Cross-Country-Raketen vorgestellt haben, sitzt Cube ein Update bislang aus. Das AMS Zero99 schlägt mit verhältnismäßig knappem Federweg und einer klassischen Race-Geometrie konservative Klänge an, rollt dafür mit einer Top-Ausstattung und geringen Gewichten ins Rennen. Gerade in den Rängen der Vollblut-Rennfahrer sind das alte Werte, die stets hoch geschätzt wurden. Kann das Cube AMS Zero99 C:68 SLX 29 in der Saison 2026 noch dranbleiben?
Ein leichter und schneller Antritt gilt unter Racebikes als Kernkompetenz. Das Cube AMS Zero99 C:68 SLX 29 sichert sich mit schnellen Schwalbe-Reifen und einem leichten Carbon-Laufradsatz von Newmen hier einen satten Vorteil. Die schmalen Gummis in der harten Super-Race-Gummimischung versprechen eine flotte Beschleunigung. Den Newmen-Laufrädern können wir aus BIKE-Tests eine geringe Trägheit bescheinigen. So dürfte das Cube von der Startlinie weg nach vorne gehen, wie der geölte Blitz.
Auch der Rest der Ausstattung kann sich absolut sehen lassen. Nur vom Antrieb dürfen sich Kaufinteressenten nicht allzu sehr blenden lassen. Das Sram X0 Eagle AXS Transmission Schaltwerk wechselt die Gänge zuverlässig auch unter Last via Funkbefehl, die Verschleißteile bei Kassette und Kette stammen jedoch aus der deutlich günstigeren GX-Klasse. Obwohl sich Cube entgegen des aktuellen Klassen-Standards gegen einen Flex-Pivot und für ein zusätzliches Hinterbaulager entscheidet, landet auch das Komplettbike-Gewicht (gemessen am Preis) auf einem gutem Niveau.
Bei der Sitzposition gibt sich das Cube AMS Zero99 C:68 SLX 29 ziemlich klassisch. Spätestens hier ist zu bemerken, dass das letzte Geometrie-Update auf den Sommer 2021 zurückgeht. Der Sitzwinkel fällt im Vergleich zu den neusten Racebikes am Markt flach, die Oberrohrlänge kompakt aus. Ein langes, flaches Cockpit sorgt für eine gestreckte Position Für lange, wellige Strecken kann das ideal sein. An sehr steilen Rampen helfen die langen Kettenstreben beim Klettern. Ein dreistufiger Lenker-Remot zum Fahrwerkslockout kann in Sprints zum Einsatz kommen. Dessen rechtsseitige Platzierung weit oberhalb des Griffes ist unserer Test-Erfahrung nach leider nicht unbedingt ergonomisch.
Es ist kein Geheimnis, dass sich Cross Country Bikes in den letzten Jahren vor allem zugunsten der Abfahr-Performance entwickelt haben. Auch das Cube AMS Zero 99 versucht mit einem 66,1 flachen Lenkwinkel in dieser Richtung mitzuhalten. Mittels der Steuersatzschalen lässt sich dieser Wert zugunsten einer noch direkteren Steuerung um 0,6 Grad erhöhen. Leider hört der Aktualitäts-Status an dieser Stelle beim Racebike von Cube auf. Der Reach-Wert fällt sehr kurz, das Sattelrohr hoch aus. In anspruchsvollem Gelände bremst diese Kombination vor allem bei hohen Geschwindigkeiten mit einem stelzigen Handling aus. Mit der Trailbike-Souveränität der neusten Generation Cross-Country-Fullys hat das leider nichts zu tun. Auch die 110 Millimeter Federweg und die eher schmalen Reifen kommen früher an ihre Grenzen als bei den Mitbewerbern. Obwohl Richtungswechsel dank leichter Laufräder easy von der Hand gehen, drücken das lange Heck und der lange Vorbau auf die Spaßbremse. Das Cube AMS 29 will lieber bergauf Rennen gewinnen als verspielt und sicher über den Trail flitzen.
Für das richtige Streckenprofil ist das Cube AMS Zero 99 ein Oldie aber ein Goldie. Leichte Laufräder und eine klassisch-racige-Sitzposition prädestinieren das Bike für Sprints. Ein attraktives Preis-Ausstattungs-Verhältnis spricht für Cube. Im anspruchsvollem Gelände eines modernen Cross-Country-Rennkurses kann die fünf Jahre alte Geometrie aber nicht mehr punkten und das AMS Zero99 fällt hinter die Konkurrenz zurück. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

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