Mountainbikes von der Stange knacken nur in den seltensten Fällen die magische Zehn-Kilo-Marke. Das war BIKE-Leser Timo Waldschik aber noch lange nicht genug. Sein Specialized S-Works Epic Worldcup bringt es auf sagenhaft leichte 7,4 Kilo. Durch seinen Job in der KFZ-Branche kommt Timo regelmäßig in Kontakt mit den Carbonteilen schneller Sportwagen. Er fasziniert sich für filigrane Details und liebevoll designte Bauteile. Für den Traum von einem richtig leichten Cross-Country-Fully ging er in die Vollen.
Nach 29 Jahren als Fußballspieler kam Timo erst vor wenigen Jahren zum Mountainbike-Sport. In der Szene stieß er bald auf die krassen Projekte von Tuning-Influencer Gustav Gullholm aka Dangerholm, welche bei ihm die Faszination für Leichtbau entfachten. Mit Dangerholm steht er weiterhin in Kontakt und profitierte auch an seinem persönlichen Projekt von den Tipps des Profis. Auch Leichtbau-Experte Marco B. stand immer wieder mit Rat zur Seite.
Am Feldberg im Taunus fährt Timo überwiegend Gravel-Strecken und Flowtrails. Dafür baute er sich zunächst ein Bike Ahead The Frame Hardtail auf. Mit Carbon-Starrgabel landete das Bike bei unglaublichen 5,9 Kilo Gesamtgewicht. Im Race-Aufbau mit Federgabel erhöhte sich der Wert auf immer noch beachtliche 6,6 Kilo.
Für sein Specialized-Fully aktivierte Timo weitere Kontakte in der Leichtbau-Szene. Der BIKE-Leser ist gut vernetzt und konnte zum Beispiel auf einen Freund beim Schweizer Laufradbauer Lightwheels vertrauen, welcher extra eine eigene Carbonfelge kreierte. Diese spart sich die inneren Speichenlöcher und kann so auf Tubeless-Felgenband verzichten. Laut Timo handelt es sich um die vermutlich leichteste Mountainbike-Felge mit 32 Millimetern Maulweite.
Um den Lack, beziehungsweise die Entfernung der Lackschicht, kümmerte sich sein Kumpel Axel Fabian. Dieser trug die Serienlackierung Schicht für Schicht mit dem Messer ab, um weitere Gramm zu sparen, und fertigte eigene Steckachsen aus Carbon.
Mit seinen 52 Kilo Körpergewicht bei 1,58 Metern Größe kann BIKE-Leser Timo auf einen leichten Rahmen in Größe S setzen und muss bei der Gewichtsbeschränkung selten Kompromisse eingehen. Die meisten Teile seines Specialized S-Works Epic World Cup sind vom Hersteller auf maximal 90 bis 100 Kilo beschränkt.
Laut Timo wäre es problemlos möglich, das Gewicht des Fullys auf sieben Kilo zu drücken, allerdings nicht ohne Einschränkungen im Geländeeinsatz in Kauf zu nehmen. Zum Beispiel stellte Specialized extra zwei ihrer leichtesten Air Trak und Fast Trak Reifen in 2,35 Zoll Breite zur Verfügung. Durch den Wechsel auf nur 2,1 Zoll breite Schwalbe Thunder Burt seien nochmal rund 360 Gramm Ersparnis drin. Für Timo sollte Leichtbau immer bei der rotierenden Masse starten.
Aber auch mit passenden Kurbeln, Cockpit-Einheiten und einer leichten Sitzzone lässt sich Timos Erfahrung nach ordentlich Gewicht sparen. So setzt der Leichtbau-Fan unter anderem auf Tuning-Parts von Giocarbonio und Gemini. Gefallen sollten die Teile natürlich auch, und Details, wie eine limitierte Fox 32 Federgabel (Nummer 333 der auf 666 Stück limitierten Jubiläums-Modellreihe zum 50 jährigen Geburtstag von Fox), setzen emotionale Akzente.
Obwohl alle verbauten Teile nagelneu waren, lag der Anschaffungspreis Timos Angaben nach unter dem UVP des neuen, 8,3 Kilo leichten Specialized S-Works Epic 9 LTD (13.999 Euro). Zeitliche Ressourcen verschlang das Projekt selbstverständlich ebenfalls. Alleine auf die Carbon-Teile von Hopp, welche Timo verwendete um das Gewicht des Schaltwerks zu drücken, wartete er einen Monat lang.
Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie weit Leichtbau im Mountainbike-Bereich gehen kann. BIKE-Leser Timo hat mit seinem Specialized S-Works Epic Worldcup ein absolutes Traum-Fully für Weight-Weenies auf die Stollen gestellt. Dank guter Kontakte in die Szene finden sich an der federleichten Rakete so einige Spezial-Parts, welche das Projekt noch spannender machen. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

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