Stark bergauf, stark bergab. Weder unruhig noch behäbig. Das E-Inception ist ein echter, aber sportlicher Alleskönner zum fairen Preis! Kling gut, oder? Das Fazit zum bisherigen E-Inception AM mit Shimano-Motor fiel in unseren Tests gleich zweimal richtig positiv aus. Und die Eckdaten des Allrounders überzeugen bis heute. Ausgewogene Geometrie, deutlich unter 23 Kilogramm und für 8000 Euro eine Ausstattung, bei der selbst Tuner kaum noch Potential finden.
Klar, nüchtern betrachtet ist das sehr viel Geld für ein E-MTB. Doch wenn manche Hersteller für ihre Topmodelle mit Edel-Parts mittlerweile fast das Doppelte aufrufen, relativiert sich der Preis des alten All-Mountain-Königs. Zur Wahrheit gehört aber auch: Der Bruder des bisherigen E-Inception mit festem Akku und Bosch-Motor konnte nie in dem Maß überzeugen wie der doppelte Testsieger mit Shimano. Das neue E-Inception von Stevens soll beide Talente – den besten Motor und ein geringes Gewicht bei entnehmbarer Batterie – ideal miteinander vereinen.
A propos Motor: Im Stevens E-Inception steckt natürlich der aktuelle Bosch CX (hier im Test) mit der großen 800er Batterie für satte Reichweite. Dank Firmware-Update liefert der Motor bis zu 750 Watt und 100 Newtonmeter in der Spitze. Gerade im EMTB+ Modus bringt man die Leistung auch unter schwierigen Bedingungen noch wohldosiert auf den Trail.
Der lange Nachlauf ist fast schon zu krass für normale Touren, aber hier hat der Bosch-Pilot ohnehin die Qual der Wahl. Für den Antrieb gibt’s also massig Punkte im Test. Nur das frische Kiox 400 C Display auf dem Oberrohr mit mehr Funktionen würde dem tourenorientierten E-Inception noch besser stehen.
Allerdings: Auch bei der sonstigen Ausstattung macht sich mittlerweile etwas der Preisdruck bemerkbar. Statt lupenreiner Top-Parts gibt’s beim hochwertigsten Modell der aktuellen Baureihe eher ein Preis-Leistungs-Menü. Das ist aber meckern auf hohem Niveau. Das Performance Elite Fahrwerk von Fox liegt funktional auf Factory-Level, die GX AXS Transmission sortiert die zwölf Gänge vorbildlich. Mit schweren Alu-Laufrädern und Alu-Eigenmarken-Teilen beim Cockpit trauern wir dem Vorgänger mit edlen Raceface-Carbon-Teilen trotzdem etwas hinterher. Dafür bleibt der Preis des neuen Bikes fast wie gehabt, dem großen Bosch-System und der allgemeinen Teuerung zum Trotz.
Bei der Geometrie des Bikes hat Stevens ebenfalls Hand angelegt. Ein steilerer Sitzwinkel soll die Klettereigenschaften verbessern, während ein flacherer Lenkwinkel mehr Laufruhe bringen soll. Außerdem spendiert Stevens dem E-Inception sein neues Größenkonzept. Hier werden die Bikes nicht mehr in S bis XL angegeben, sondern in R1 bis R5. Kurze Sitzrohre sollen Biker ermutigen das Rad nach der gewünschten Länge zu wählen. Unser Testbike mit langem Reach und üppigem Radstand in R4 entspricht fast schon einem Rad klassischen XL.
Ein besserer Motor, eine modernere Geometrie und eine funktionale Ausstattung: Heißt das, dass das E-Inception seinen Vorgänger auch in der Praxis noch übertrumpfen kann? Mit der hohen Front sitzt man betont aufrecht auf dem Rad. In Kletterpassagen lässt das Stevens mit gutem Bosch-Motor und Schwalbes Radial-Reifen wenig anbrennen. Die hohe Front und der lange Radstand müssen in steilen engen Kurven aber bewusst gemanagt werden. Das Fahrwerk setzt auf Gegenhalt und überlässt die Suche nach Grip den griffigen Schwalbe-Reifen. Die Reichweite lässt mit 800er Batterie keine Wünsche offen – damit kann man gut auch mal Touren bis 2000 Höhenmeter angehen. Für noch mehr gibt’s Boschs Range Extender.
Bergab dominiert das Stevens mit viel Fahrsicherheit. Gut integriert steht man hinter der langen und hohen Front unseres Testbikes und kann die Schläge auf die hochwertigen Federelemente einprasseln lassen. Leider verpasst das E-Inception sowohl bei der Sensibilität als auch beim Schluckvermögen Bestwerte. Speziell die Heckfederung ist eher einfach gehalten. Große Brocken gleicht sie ordentlich aus. Das Gefühl vom sprichwörtlichen fliegenden Teppich will in unserem Test aber nicht aufkommen. Auch klapperte unser Testrad mit der Zeit aus dem Unterrohr. Möglicherweise sind Toleranzen beim Akkuschloss verantwortlich, die schon im Test von Ghosts neuem E-Riot ähnliche Probleme verursacht hatten. Mit dem flachen Lenkwinkel muss man das E-Inception aktiv über die Front fahren. Und wirklich verspielt fährt sich das E-Inception leider nicht. Den Vorgänger mit seiner etwas moderateren Geometrie empfanden wir hier als vielseitiger.
Die BIKE-Note setzt sich aus Praxiseindrücken der Tester und Labormesswerten zusammen. Die Note ist preisunabhängig. Notenspektrum analog zum Schulnotensystem. Für eine solide Leistung vergeben wir die Note 3,0.
Das Stevens ist leicht für ein Bosch-Bike mit robusten Parts und entnehmbarer Batterie. Der neue Motor und die modernisierte Geometrie versprechen eine hohe Performance. Fahrstark und sicher auch in schwerem Gelände wird das Bike diesem Anspruch auch gerecht, den Preis-Leistungstrumpf kann Stevens aber nicht mehr im früheren Maß ausspielen. Bei der Geräuschkulisse, beim Fahrwerk und auch beim Fahrspaß auf gemäßigten Trails bleibt noch Luft nach oben. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik
| Gewicht (kg) | 23.6 |
| Zulässiges Gesamtgewicht (kg) | 140 |
| Gabel | Fox 36 Float Performance Elite |
| Dämpfer | Fox Float X Performance Elite |
| Schaltung | SRAM GX Eagle Transmission AXS |
| Motor / Akku | Bosch Performance Line CX |
| Bremsen vorne | Shimano XT BR-M 8220 |
| Bremsen hinten | Shimano XT BR-M 8220 |
| Reifen vorne / hinten | Schwalbe Magic Mary Trail Pro Ultra Soft Radial 29 x 2,50 |
Alle Daten findest du hier
| Eigenschaft | Note |
|---|---|
| Fahrverhalten | 3,03 |
| Labor | 1,82 |
| Ausstattung | 2,38 |
| Endnote | 2,59 |
Die Gesamtbewertung des Bikes findest du hier