Specialized präsentiert mit dem Levo R sein neues Trail-E-Bike. Die Zielgruppe ist breit gefächert: vom Otto Normalverbraucher über Einsteiger bis hin zu versierten Piloten, die einen motorisierten Ersatz für ihr spritziges Trailbike suchen. Oder anders herum: Die Amerikaner richten den Neuling an all jene, die das Abfahrtspotenzial des regulären Specialized Turbo Levo 4 (hier im Test) – und das vieler anderer vollgefederter E-Mountainbikes – nicht ausnutzen können oder wollen.
Gründe gibt es dafür viele: mangelnde Fahrtechnik oder Risikobereitschaft, das träge und mitunter mühsame Handling – oder schlicht Hometrails, die nicht anspruchsvoll genug sind und ihren Reiz verlieren, sobald man mit einem federwegsbepackten E-Boliden darüber hinwegschwebt. Doch ganz gleich, was den Ausschlag gibt: In der Praxis profitiert der Endverbraucher in jedem Fall mehr von einem leichten, spritzigen E-Bike als von maximalen Federwegsreserven, brachialem Reifengrip oder stoischer Laufruhe.
Vor allem das 29er-Hinterrad und das gewichtsoptimierte Setup würden auch dem Levo 4 gut zu Gesicht stehen. - Max Fuchs, BIKE-Redakteur
| Modell | Specialized Levo R |
| Gewicht | ab 21,3 kg |
| Federweg (v/h) | 140 / 130 mm |
| Laufradgröße | 29 Zoll |
| Preis | drei Modelle von 7.999 € bis 13.999 € |
| Rahmenmaterial | Carbon |
| Motor | Specialized 3.1 / Specialized 3.1 S-Works |
| Akku | 840 Wh, herausnehmbar |
| Garantie | lebenslang auf Rahmen und Hinterbaulager für den Erstbesitzer |
| Besonderheit | SWAT-Tasche im Unterrohr, dreifach verstellbare Geometrie |
Technisch ist das Levo R vielmehr eine gezielte Neuinterpretation des aktuellen Levo 4 als eine komplette Neuentwicklung. Die Levo-Rahmenplattform und bekannte Technologien bleiben erhalten, werden jedoch zu einem zahmeren und leichteren Gesamtpaket geschnürt. Um den Neuling passgenau auf den Trail-Alltag der breiten Masse zuzuschneidern, schrumpft der Federweg vorne und hinten um jeweils zwei Zentimeter auf 140 respektive 130 Millimeter. Selbstredend verändert sich damit auch die Geometrie: weniger lang, weniger flach, weniger laufruhig auf Vollgas-Passagen – dafür ausgewogener, direkter und handlicher. Zusätzlich verabschiedet sich Specialized von der Mullet-Bereifung. Das Levo R rollt vorne wie hinten auf 29-Zoll-Laufrädern. Das Bike gibt´s in drei Ausstattungsvarianten: das S-Works-Modell für 13.999 Euro, die Expert-Version für 9.999 Euro und die Comp-Ausführung für 7.999 Euro. Alle Modelle verfügen über einen Vollcarbon-Rahmen. Aluminium-Versionen sind zum Launch nicht verfügbar.
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Das Levo R S-Works bringt in Rahmengröße M gerade einmal 21,3 Kilogramm auf die Waage – trotz großem, herausnehmbarem 840 Wh Akku und kraftvollem S-Works-Motor. Zum Vergleich: Das S-Works Levo 4 wiegt 2,4 Kilo mehr. 530 Gramm davon entfallen laut Specialized allein auf den Rahmen. Wie ist das möglich? Denn optisch gleichen die beiden Chassis wie ein Ei dem anderen. Hinterbau, Dämpferanlenkung, Akku-Entnahme, selbst die Form des Hauptrahmens zeigen auf den ersten Blick kaum Abweichungen. Der Schlüssel liegt im Inneren: im Carbon-Layup.
Das Levo R ist mit seinem knapperen Federweg und der leichten Ausstattung weniger für wilde Downhill-Action ausgelegt als das Levo 4. Entsprechend rücken die Nehmerqualitäten etwas in den Hintergrund. Das gibt den Entwicklern Spielraum: geringere Wandstärken hier, eine gewichtsoptimierte Faseranordnung dort. Zusätzlich spart Specialized am Hinterbau Gewicht. Während beim Levo 4 lediglich die Anlenkung aus Carbon besteht, setzt das Levo R auch bei der Dämpferwippe auf Kohlefaser.
Die restlichen 1.870 Gramm spart das Levo R bei die Ausstattung. Statt der brachialen SRAM Maven verzögert die leichtere SRAM Motive. Die massive Fox 38 Factory weicht der deutlich schlankeren Fox 36 SL. Der Fox Float Genie-Dämpfer drückt ohne Ausgleichsbehälter die Gewichtsbilanz ebenfalls weiter nach unten. Den letzten Ausschlag an der Waage liefern die Lenker-Vorbau-Einheit und die Roval Traverse SL Laufräder aus Carbon sowie die leichtere Bereifung.
Im Topmodell Levo R S-Works arbeitet Specializeds hauseigener 3.1 S-Works Motor. Den eigens entwickelten Antrieb hat Specialized kürzlich per Over-the-Air-Update nachgeschärft. Die neuen Leistungsdaten: satte 850 Watt Spitzenleistung und 111 Nm Drehmoment. In den günstigeren Varianten Levo R Expert und Levo R Comp sorgt ebenfalls der 3.1 Motor für Schub, allerdings ohne S-Works-Zusatz und damit softwareseitig eingebremst. Analog zum Levo 4 gibt Specialized die volle Leistung nur beim S-Works-Modell frei. Wer nicht ganz so tief in die Tasche greift, muss sich mit 810 Watt Peakpower und 105 Nm Drehmoment zufrieden geben – immer noch kräftig genug, aber etwas schwächer als das Aggregat des Highend-Modells.
Serienmäßig rollt das Levo R mit einem 840-Wh-Akku vom Band. Wie beim Levo 4 sitzt der Energiespeicher per Schraube gesichert im Unterrohr und lässt sich seitlich ausklappen. Wer Gewicht sparen und das Handling schärfen will, rüstet den kleineren 600-Wh-Akku nach – Aufpreis: 999 Euro. Wer auf maximale Reichweite zielt, koppelt den 840-Wh-Akku mit Specializeds Range Extender. Die zusätzlichen 280 Wh kosten 699 Euro.
Mit 3,18 Kilo für den Motor und 4383 Gramm für den 840 Wh Akku gehört die Specialized-Kombo zu den schwereren Systemen am Markt. Sowohl DJI als auch Bosch bieten ein leichteres Gesamtpaket.
Auch bei der Geometrie zeigt sich das neue Levo R erfreulich variabel. Eine Offset-Buchse an der unteren Dämpferaufnahme hebt oder senkt das Tretlager um fünf Millimeter. Flipchips in den Horstlink-Lagern verlängern oder verkürzen die Kettenstreben um sechs Millimeter. Feintuning am Lenkwinkel ist ebenfalls möglich. Ab Werk steht er bei 65 Grad. Mit der mitgelieferten exzentrischen Steuersatzschale lässt sich der Lenkwinkel aber je nach Geschmack um ein Grad flacher oder steiler einstellen.
Das Levo R übernimmt das Staufach-System des Levo 4. Oberhalb des Akkus sitzt magnetisch gesichert eine SWAT-Tasche mit Platz für Werkzeug, Schlauch und CO₂-Kartuschen. Wer den kleineren 600-Wh-Akku verbaut, gewinnt zusätzlichen Stauraum – genug für eine Jacke oder Snacks. Kein anderer E-Bike-Rahmen bietet aktuell so viel “Kofferraum”. Pluspunkt für Vielfahrer: Specialized gewährt lebenslange Garantie auf den Rahmen und kostenlosen Ersatz für alle Hinterbaulager – gültig nur für den Erstbesitzer.
Analog zum Stumpjumper setzt Specialized auch beim Levo R auf seine patentierte Genie-Technologie auf Basis des Fox-Float-Dämpfers. Zur Wiederholung: Das Genie-Federbein besitzt zwei Luftkammern: Die innere Hauptkammer und ein kleine äußere Kammer. Das vergrößerte Luftvolumen verbessert das Ansprechverhalten und das Schluckvermögen im mittleren Federwegsbereich. Sind 70 Prozent des Federwegs aufgebraucht, schließt sich die äußere Kammer, das Luftvolumen schrumpft und die Progression nimmt dadurch stark zu – ein Genie-Streich, der maximalen Komfort und Traktion ermöglicht, ohne bei der Endprogression Abstriche zu machen.
Während des Presscamps Mitte Januar in Málaga hatte ich die Gelegenheit, das Levo R S-Works zwei Tage lang intensiv zu testen. Das Terrain: klassischer Tourenstil mit welligen Singletrails, längeren Schotter-Transfers, technischen Uphills und moderaten Abfahrten – also exakt jenes Gelände, für das Specialized das neue Levo R positioniert. Da ich aktuell ein Levo 4 im Dauertest fahre, war ich besonders gespannt, wie der gemäßigtere Anstrich dem Levo R zu Gesicht stehen würde.
Die erste Erkenntnis liefert das Bike bereits beim Draufsitzen: Die Abgrenzung zum Levo 4 ist Specialized gelungen. Trotz großer optischer Nähe trennen die beiden Bikes fahrerisch Welten – allen voran bei der Sitzposition. Während man im Sattel des regulären Levo mit der 160er-Gabel und dem 50 Millimeter hohen Riser-Lenker wie in einem Monstertruck entspannt durchs Gelände kutschiert, wirkt das sportliche Levo R zunächst so komfortabel wie ein VW Käfer im Rallye-Trimm. Das flache Monocoque-Cockpit mit 50 Millimetern Vorbaulänge und der niedrigere Stack positioniert den Fahrer vortriebsorientiert und mit viel Druck auf dem Vorderrad im Bike. Zu viel Druck für meinen Geschmack, denn auf langen Flachpassagen zwickt es in den Handflächen. Komfort? Fehlanzeige. Also habe ich am zweiten Testtag ein klassisches Cockpit und mehr Rise montiert. Das entspannt die Sitzposition spürbar. Bei den Nicht-S-Works-Modellen gehört diese Konfiguration ohnehin zum Serienumfang und entspricht dem Jedermanns-Anspruch des Levo R deutlich besser als das Race-Cockpit des Top-Modells.
Von da an geht es auf dem Levo R dank der leichten Traverse-SL-Carbonlaufräder und der vergleichsweise schnellen Bereifung zügig vorwärts. Langer Reach, steiler Sitzwinkel: Die Sitzposition bleibt sportlich, ist nach der kleinen Anpassung aber komfortabel genug, um auch lange Tage im Sattel entspannt zu überstehen. Die Dämpfercharakteristik fügt sich nahtlos ins vortriebsorientierte Gesamtbild. Das Genie-Federbein steht hoch im Federweg, bleibt im Wiegetritt ruhig und liefert reichlich Gegenhalt beim Pushen in Kurven oder über Bodenwellen. So beschleunigt das Levo R mühelos und kann das Tempo gut konservieren – genau so, wie man es von einem spritzigen Trailbike erwartet.
Wird der Untergrund rauer, spielt das 29er-Hinterrad seine Stärken aus. Besonders im Sitzen rollt das Levo R spürbar gleichmäßiger über Wurzeln und Steine als sein großer Bruder mit Mullet-Bereifung. Bergab rückt vor allem der Genie-Dämpfer in den Fokus. Das kompakte Federbein vermittelt deutlich mehr Federweg, als es die nominellen 130 Millimeter vermuten lassen. Das Ansprechverhalten auf feine Unebenheiten überzeugt ebenso wie die Traktion. Kleine Steinfelder oder Wurzelteppiche bügelt das Heck zuverlässig glatt. Sobald der Genie-Dämpfer bei harten Einschlägen die zweite Luftkammer schließt, steigt die Progression spürbar an. Durchschlag? Fehlanzeige. So entsteht nie das Gefühl als wäre man am Ende des Federwegs angelangt. Diese beeindruckende Fahrwerksqualität, kombiniert mit den 29er-Laufrädern und der langen Geometrie, erzeugt ein gesundes Maß an Laufruhe, ohne dem Levo R seinen Spieltrieb zu rauben. Ausgewogen und unkompliziert – das bringt das Handling des Neulings auf den Punkt. Dennoch: Zaubern kann das Levo R nicht. Mit nur 140 Millimetern Federweg an der Gabel und der sportlichen Fahrposition stößt man im steilen Enduro-Gelände Terrain früher oder später an seine Grenzen.
Ab Werk steht das Levo R auf der kurzen Kettenstrebe. Wer noch mehr Laufruhe will, kann auf die lange Einstellung wechseln. Klingt verlockend, aber Vorsicht: Das längere Heck schiebt den Schwerpunkt weiter nach vorn. Und da das sportliche Levo R ohnehin schon frontlastig fährt, geht das Plus an Geradeauslauf zulasten der Fahrposition.
Größtes Manko: der hohe Schwerpunkt des großen 840-Wh-Akkus. Um die seitliche Entnahme zu ermöglichen, sitzt der 4.383 Gramm schwere Energiespeicher über dem Motor vergleichsweise hoch im Unterrohr. Das verschlechtert die Gewichtsverteilung – und sorgt dafür, dass sich das nominell leichte Levo im Gelände schwerer anfühlt als manch schwereres E-Bike mit tieferem Schwerpunkt. Modelle wie das Canyon Spectral:ON oder das Moustache Clutch zeigen, wie es besser geht: Dort sitzt der Akku direkt vor dem Motor, maximal tief im Unterrohr. Die Entnahme nach unten ist zwar weniger komfortabel, zahlt aber auf das Handling ein. Daher mein Tipp fürs Levo R: Investiert in den kleineren und leichteren 600-Wh-Akku. Er senkt den Schwerpunkt und verbessert das Handling spürbar.
Ist das Levo R also das Levo, von dem niemand wusste, dass er es braucht? Leider nicht ganz. Zwar macht das Levo R einiges besser als sein hubstärkerer Bruder – vor allem das 29er-Hinterrad und das gewichtsoptimierte Setup würden auch dem Levo 4 gut zu Gesicht stehen – doch bleibt der Einsatzbereich aufgrund des knappen Federwegs spitz. Seine Stärken spielt das Konzept vor allem auf zahmen Trailrunden und beim zügigen Kilometerfressen aus. Wird das Gelände technischer, stößt das Bike mit seiner sportlichen Fahrposition und den begrenzten Federwegsreserven an seine Grenzen und verlangt ein geübtes Händchen am Lenker. Auch wenn die Fahrqualitäten den Anforderungen der meisten Tourenbiker gerecht werden: für einen vollkommenen Allrounder mangelt es dem Levo R etwas an Souveränität.
| Modell | Specialized Levo R Comp |
| Motor | Specialized 3.1 |
| Preis | 7.999 € |
| Rahmenmaterial | Carbon |
| Gewicht | 22,34 kg |
| Schaltung | SRAM S-1000 / GX Transmission (Schaltungsmix) |
| Bremsen | SRAM Motiv Bronze |
| Federgabel | FOX 36 SL Performance GRIP |
| Dämpfer | FOX FLOAT Performance GENIE |
| Laufräder | Specialized Alu-Laufräder |
| Modell | Specialized Levo R Expert |
| Motor | Specialized 3.1 |
| Preis | 9.999 € |
| Rahmenmaterial | Carbon |
| Gewicht | 21,76 kg |
| Schaltung | SRAM GX Eagle Transmission |
| Bremsen | SRAM Motiv Bronze |
| Federgabel | FOX 36 SL Performance Elite GRIP X |
| Dämpfer | FOX FLOAT Performance Elite GENIE |
| Laufräder | Specialized Roval Traverse SL Carbon |
| Modell | Specialized Levo R S-Works |
| Motor | Specialized 3.1 S-Work |
| Preis | 13.999 € |
| Rahmenmaterial | Carbon |
| Gewicht | 21,3 kg |
| Schaltung | SRAM XX Eagle Transmission |
| Bremsen | SRAM Motiv Ultimate |
| Federgabel | FOX 36 SL Factory GRIP X |
| Dämpfer | FOX FLOAT Factory GENIE |
| Laufräder | Specialized Roval Traverse SL Carbon |

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