Wenn’s um innovative E-Bikes geht, hat Rotwild die Nase seit Jahren ganz weit vorne. Die Bike-Schmiede aus dem hessischen Dieburg hat als eine der ersten Marken überhaupt konsequent aufs E-Bike umgeschwenkt und präsentiert immer wieder mal einen Hammer. Rotwild war vorne mit dabei mit der Pinion MGU und Broses S Mag. Schon 2020 gab es mit dem R.X 375 das erste Light-Bike mit voller Motorpower – gerade jetzt ein aktueller Trend. Und nun geht eben das R.EX mit DJI-Antrieb und Wechselakku an den Start.
Die Batterie selbst kennen wir in den Grundzügen schon von Rotwilds 735 und R.EXC (hier im Test). Der BMZ-Akku mit Carbon-Außenhülle hat nominell 864 Wattstunden bei echten 3,72 Kilogramm Gewicht (BIKE-Messung). Das ist für eine Batterie dieser Größenordnung richtig stark. Wir haben auch die Reichweite des Rotwild schon getestet. Der Vorserienakku in unserem Testbike soll noch etwas weniger Kapazität haben, als die Serienbatterie. Dennoch kommt das Rotwild in unserem standardisierten Reichweitentest schon etwas weiter als DJI-Bikes mit 800er Batterie.
Nominell stehen am Ende 1743 Höhenmeter gegenüber rund 1600 beim 800er DJI auf der Uhr. Die finale Reichweite des R.EX dürfte also exzellent sein – etwa auf einem Niveau mit den 800er Bosch-Bikes. Ebenso gefällt die simple Entnahme des Akkus mit Druckknopf. Der Mechanismus muss aber sauber eingestellt sein, damit weder der Akku klappert, noch die Entnahme schwergängig ist.
Der DJI Avinox M1 Motor selbst begeistert mit bis zu 1000 Watt Leistung und 120 Nm bei unter 2,6 Kilogramm. Das Rotwild kommt mit beiden Bedieneinheiten für Unterstützung und Displayansichten am Lenker für maximalen Komfort. Das Oberrohrdisplay ist außerdem touchfähig und eine gelungene App mit jeder Menge Features gibt’s noch obendrauf. Mehr Details zum Tausendsassa von DJI gibt’s hier im ausführlichen Test.
Unser Testbike aus Rotwilds Pro-Serie kommt für fast 10.000 Euro mit einer funktionalen Ausstattung aber ohne viel Bling Bling. Konkret heißt das: Die Lyrik-Gabel und Superdeluxe-Dämpfer aus Rockshox Select+ Reihe bieten eine umfangreiche Einstellbarkeit aber nicht ganz die Top-Technik. Außerdem sind die GX-Transmission Funkschaltung, Alu-Laufräder von Crankbrothers und Maven-Bronze-Bremsen verbaut. Das ist durchgängig obere Mittelklasse, richtige High-End-Parts gibt’s aber nicht. Die vollintegrierte Eightpins-Stütze hat 185 Millimeter Hub maximal.
Klares Highlight ist dagegen der edle Rotwild-Carbon-Rahmen. Die Geometrie fällt durch kurze 440er Kettenstreben, eine tiefe Front mit flachem Lenker und ein langes Sitzrohr auf. Der Hinterbau in Bananenschwingen-Optik hat einen hoch angesetzten Drehpunkt. Das soll dem Bike analog zum Enduro R.EXC viel Schluckfreude, Traktion und Laufruhe bringen.
Ja, der Preis ist hoch. Aber bei den Quartett-Fakten kann Rotwild mit DJI-Motor voll punkten. Doch Antrieb hin oder her: Auch ein E-Mountainbike soll ja vor allem beim Fahrspaß auf dem Trail glänzen. Bergauf sitzt man auf dem Rotwild leicht vorderradorientiert mit etwas Druck auf den Händen. In Kombination mit dem tief gehaltenen Lenker bleibt das Handling auch mit kurzen Kettenstreben und viel Motorpower kontrolliert. Das Rad setzt nicht zu früh zum ungewollten Wheelie an.
Schwalbes Radial-Reifen und der aktive Hinterbau bieten jede Menge Traktion. An Steilstufen reicht mit dem Avinox ein kurzer Kick im Trailmodus und das Bike wird kräftig über Hindernisse hinweggeschoben. Der Turbomodus ist auf Uphill-Trails aber definitiv zu viel des Guten. Mit längerem Heck und noch mehr Druck auf der Front würde hier noch mehr gehen.
Bergab zeigt das Rotwild ein zweigeteiltes Bild. Volles Lob gab es für den sensiblen und schluckfreudigen Hinterbau des R.EX. Er bügelt auch große Hindernisse vorbildlich glatt und liefert viel Komfort, ohne den Fahrer zu sehr vom Untergrund zu entkoppeln. Reifen und Bremsen funktionieren vorbildlich. Die kurzen Kettenstreben geben dem Rotwild ein agiles Handling. In flachen Kurven bringt man viel Druck auf die Front.
Sobald es steil wird, wirkt das Rotwild aber zunehmend unausgewogen. Das lange Sitzrohr begrenzt die Bewegungsfreiheit im Heck. In Kombination mit dem tiefen Lenker ergibt sich auf anspruchsvollen Downhills eine ungünstige Fahrposition vergleichbar mit einer zu kurzen Tele-Stütze. Gerade Fahrer mit kurzen Beinen stehen nicht gut im Rad integriert. Mit dem Trail zu spielen, das Rad aufs Hinterrad zu ziehen oder mit hohem Tempo in Kurven zu drücken, fällt schwer. Schade, denn mit höherer Front und mehr Bewegungsfreiheit im Heck hätte das Rotwild absolut das Potential zu einer vorbildlichen Trail-Maschine.
Die BIKE-Note setzt sich aus Praxiseindrücken der Tester und Labormesswerten zusammen. Die Note ist preisunabhängig. Notenspektrum analog zum Schulnotensystem. Für eine solide Leistung vergeben wir die Note 3,0.
Für sein schluckfreudiges Fahrwerk sahnt das Rotwild R.EX Pro Top-Noten ab. Die Geometrie mit tiefer Front und langem Sitzrohr beschneidet den Trailspaß für aktive Piloten aber unnötig. Auf Tour kann das Rad glänzen. Der leicht entnehmbare Akku ist im DJI-Kosmos ein bislang einzigartiger USP. - Laurin Lehner, BIKE-Redakteur
| Gewicht (kg) | 22.91 |
| Zulässiges Gesamtgewicht (kg) | 130 |
| Gabel | Rock Shox Lyrik Select+ |
| Dämpfer | Rock Shox Super DeLuxe Select+ |
| Schaltung | SRAM GX Eagle Transmission |
| Motor / Akku | DJI Avinox M 1.24 |
| Bremsen vorne | SRAM Maven Bronze |
| Bremsen hinten | SRAM Maven Bronze |
| Reifen vorne / hinten | Schwalbe Albert Trail Pro TLR soft Radial 29 x 2,50 |
Alle Daten findest du hier
| Eigenschaft | Note |
|---|---|
| Fahrverhalten | 2,63 |
| Labor | 1,40 |
| Ausstattung | 2,06 |
| Endnote | 2,22 |
Die Gesamtbewertung des Bikes findest du hier