Merida Ninety-Six 7000Die Ballerina in Wanderstiefeln

Max Fuchs

 · 03.08.2024

Merida Ninety-Six 7000 // 120/100 Millimeter Federweg // 29-Zoll // 6599 Euro // Carbon /
Foto: Max Fuchs
Eine 120er-Federgabel gepaart mit einem Race-Fully-Chassis und fetter Trail-Bereifung - Das Ninety-Six 7000 verkörpert Meridas ganz eigene Interpretation eines Down-Country-Bikes. Bei unserem Traumbike-Test in Finale-Ligure haben wir getestet, wie viel Trailbike in dem einstigen Race-Fully steckt.

Hätten Sie’s gewusst? Der Anteil geländetauglicher Zweiräder ohne Motor beläuft sich bei Merida nur auf 30 bis 40 Prozent. Mountainbikes verzeichnen damit den geringsten Anteil im Portfolio der Taiwanesen. Budget für Entwicklungen und Innovation scheint es in dem Bereich aber trotzdem reichlich zu geben. Das letzte Traum-Bike unserer Serie, das Merida Ninety-Six 7000, ist der perfekte Beweis dafür.

Die Fakten zum Merida Ninety-Six 7000

  • Preis: 6599 Euro
  • Einsatzbereich: Marathon / Down-Country
  • Rahmenmaterial: Carbon
  • Federweg: 120 mm vorn / 100 mm hinten
  • Laufradgröße 29-Zoll
  • Rahmengrößen: S, M, L, XL
  • Gewicht: 12,2 kg in Größe L
  • Gewicht Laufräder: 4645 g
  • Garantie: lebenslang
  • Besonderheiten: All-Mountain-Bereifung an ein einem sehr sportlichen Down-Country-Bike, Tool unter dem Sattel, Montagepunkt unter dem Oberrohr, Systemintegration im Steuerrohr
Beim Ninety-Six handelt es sich um Meridas aktuelle Race-Fully-Plattform mit 100 Millimetern Federweg und 29er-Laufrädern. Die Ausführungen ohne das RC-Kürzel richten sich eher an sportliche Touren-Fahrer oder Down-Country-Biker. So auch unser Testbike.Foto: Max FuchsBeim Ninety-Six handelt es sich um Meridas aktuelle Race-Fully-Plattform mit 100 Millimetern Federweg und 29er-Laufrädern. Die Ausführungen ohne das RC-Kürzel richten sich eher an sportliche Touren-Fahrer oder Down-Country-Biker. So auch unser Testbike.


Detailverliebt bis an die Stollen

Aber eins nach dem anderen. Beim Ninety-Six handelt es sich um Meridas aktuelle Race-Fully-Plattform mit 100 Millimetern Federweg und 29er-Laufrädern. Letztes Update: 2021. Wirklich für den Renneinsatz vorgesehen sind aber nur die RC-Modelle. Die Ausführungen ohne das RC-Kürzel richten sich eher an sportliche Touren-Fahrer oder Down-Country-Biker. So auch unser Testbike. Um das einstige XC-Fully für seinen erweiterten Einsatzbereich zu wappnen, ergreifen die Produktmanager drei Maßnahmen: Der Federweg an der Gabel wächst von 100 auf 120 Millimeter. Die zahnlosen XC-Reifen weichen bissigem Profil, und die Bremsanlage streichelt nicht länger mit nur zwei Kolben über die Scheiben, sondern packt mit Vierkolben-Zangen zu. „Eine aufregende Reinkarnation unserer Weltcup-erprobten XC- und Marathon-Maschine“, so beschreibt Merida diese Interpretation eines Down-Country-Bikes.

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„Eine aufregende Reinkarnation unserer Weltcup-erprobten XC- und Marathon-Maschine“, so beschreibt Merida diese Interpretation eines Down-Country-Bikes.Foto: Max Fuchs„Eine aufregende Reinkarnation unserer Weltcup-erprobten XC- und Marathon-Maschine“, so beschreibt Merida diese Interpretation eines Down-Country-Bikes.

Aber zurück zum Thema Innovation: Die steckt beim Merida Ninety-Six 7000 vor allem im Detail. So verfügt das filigrane Carbon-Chassis über flexende Sitz- sowie Kettenstreben und verzichtet auf unnötige Lagerpunkte im Hinterbau. Das spart Gewicht und bringt mehr Steifigkeit. Freunde der Langstrecke freuen sich über die Möglichkeit, zwei Trinkflaschen im Rahmen zu transportieren. An einem dritten Montagepunkt unter dem Oberrohr klemmt eine Vorrichtung, um einen Ersatzschlauch oder eine Regenjacke via Klettverschluss zu fixieren. Auch gut: Dank integriertem Schnellspanner gelingt der Laufradwechsel am Hinterrad ohne zusätzliches Werkzeug. Den passenden Schlüssel für alle anderen Schrauben am Bike findet man in dem mitgelieferten Mini-Tool, das sich unter dem Sattel versteckt. Kurzum: Mit all diesen nützlichen Details ist das Ninety-Six für jede noch so lange Trailtour gewappnet.

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Die Ausstattung des Merida Ninety-Six 7000

  • Gabel: Fox 34 Perf. Elite
  • Dämpfer: Fox Float Perf. Elite
  • Schaltung: Shimano XT 1x12
  • Übersetzung/Bandbreite: 32; 10-51 / 510 %
  • Bremsen: Shimano XT BR-M 8120/180/160 mm
  • Telestütze/Hub: Merida Expert TR/170 mm
  • Laufräder: Reynolds TR 309
  • Reifen: Maxxis Minion DHR II; 3C Maxxterra Exo Protection TR 29 x 2,30
Klever gelöst: Dank dem Adapter für die Flaschenhalteraufnahme kann das Ninety-Six 7000 trotz des Knicks im Sitzroh zwei Trinkflaschen transportieren.
Foto: Max Fuchs

Viel Race, zu wenig Trail

So sehr das Bike durch seine Detailverliebtheit glänzt, auf dem Trail kann das Konzept nur bedingt überzeugen. So recht will das Merida Ninety-Six 7000 seine Race-Allüren nämlich nicht ablegen. Das fängt an bei der Sitzposition: flacher Sitzwinkel, üppiger Vorbau, tiefe Front und ein Flatbar-Lenker. Diese Kombination spannt den Piloten regelrecht über das Rahmendreieck. Marathon-Piloten lieben diese gestreckte Sitzposition.

Auf Tour ohne Zeitdruck leiden aber Komfort und Fahrsicherheit. Auch das Fahrwerk erinnert eher an ein klassisches Race-Fully als an ein modernes Down-Country-Bike. Besonders der Hinterbau zeigt sich überaus sportlich und vortriebsorientiert. Wippen im Wiegetritt? Gibt es nicht! Im Gelände mangelt es dafür an Traktion. Aber auch grobe Schläge reicht das kurzhubige Heck nahezu ungefiltert an den Fahrer weiter. Unser Tipp: Mit deutlich mehr SAG als gewohnt (ab 35 Prozent) lässt sich der Federweg am Heck etwas besser nutzen. Aber selbst dann kommt auf technischen Trails nur wenig Fahrspaß auf. Zu wenig Sicherheit vermittelt die tiefe Front im Gefälle und zu wenig Bewegungsspielraum gewährt die gestreckte Fahrposition. Lob gibt’s dagegen für die Reifenwahl. Auch wenn das zierliche Merida auf den 2,3 Zoll breiten Enduro-Schlappen aussieht wie eine Ballerina in Wanderstiefeln, retten die Maxxis Minion DHR an Vorder- und Hinterrad in gewisser Weise die Offroad-Performance. Gleiches gilt für die kräftigen Bremsen, die sensible Fox-Gabel und den großen Verstellbereich der Teleskopsattelstütze.

BIKE-Bewertung des Merida Ninety-Six 7000

Viel Race, zu wenig Trail - wie eine Ballerina in Wanderstiefeln.Foto: Max FuchsViel Race, zu wenig Trail - wie eine Ballerina in Wanderstiefeln.

Stärken

  • effizientes, antriebsneutrales Fahrwerk
  • sehr wendig und agil
  • Reifen retten Offroad-Performance
  • gut und funktional ausgestattet
  • Mehrwert durch Tool unter dem Sattel

Schwächen

  • Hinterbau bietet kaum Komfort und wenig Traktion
  • nervöses Handling im Gelände
  • Front zu tief
  • Sitzposition zu gestreckt
Die Geometriedaten des Merida Ninety-Six 7000 (Gr. L) aus unserem BIKE-Testlabor.
Foto: BIKE-Grafik
Unsere Labor-Daten und die Bewertung des Merida Ninety-Six 7000 im Überblick.

Das BIKE-Fazit

Das Merida Ninety-Six funktioniert als Race-Fully. Es ist leicht, vortriebsstark und wendig. Leider reichen das Reifen-Update, die längere Gabel und die griffigen Bremsen nicht aus, um das Bike auf Trailspaß zu trimmen. So wirkt das Merida sowohl beim Marathon als auch im Trail-Einsatz fehl am Platz. – Max Fuchs, BIKE-Testredakteur
Max Fuchs, Test-Redakteur und Fotograf beim BIKE-Magazin.Foto: Dan GriffithsMax Fuchs, Test-Redakteur und Fotograf beim BIKE-Magazin.

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