Mit dem Avinox M1 hat DJI die Bike-Branche kräftig durcheinandergewirbelt. Eine Chance auch für neue Hersteller, sich mit dem chinesischen Power-Motor einen eigenen Anteil und einen festen Platz unter den E-Mountainbikes zu sichern. Genau das ist die Geschichte von Crussis. Der tschechische Hersteller konnte sich mit starkem Preis-Leistungsverhältnis zuhause in den letzten Jahren immer mehr etablieren. Gerade mit dem e-Full streckt Crussis jetzt die Finger auch nach dem deutschsprachigen Markt aus.
Trail-Fans wissen aber: Ein guter Motor allein macht noch kein gutes E-MTB. Gerade aktuell ist der DJI dennoch ein ungewöhnliches Alleinstellungsmerkmal. Crussis setzt dabei auf das klassische Avinox-System, wie es auch in DJIs Bikemarke Amflow (hier im Test) oder etwa im Megamo Reason (hier im Test) zum Einsatz kommt. Das heißt: Im Unterrohr steckt wahlweise ein 600er oder 800er Akku. Die schlanke Batterie ist fest verbaut. Das macht eine besonders leichte Rahmenkonstruktion möglich, aber erfordert einen Rad-Stellplatz mit nahgelegener Steckdose.
Das Touch-Display auf dem Oberrohr und die gut bedienbaren Schalter für Displayansichten und U-Stufe kennen wir schon von anderen DJI-Bikes. Der Motor hat Power und Dynamik ohne Ende und liefert mit dem 800er Akku auch eine ordentliche Reichweite. Durch die hohe Leistung kann man die Batterie im Vollgasmodus allerdings recht schnell leer ziehen. Da lohnt sich der Fast Charger, der beim Crussis e-Full Pro sogar inklusive ist. Er lädt das Bike in 90 Minuten auf 75 Prozent auf und kostet sonst nochmal 250 Euro extra.
Typisch Crussis ist die lupenreine High-End-Ausstattung zum fairen Preis. Natürlich sind auch fast 9000 Euro viel Geld. Bei Carbon-Laufrädern, X0-Transmission, Maven-Bremsen und Fox-Factory-Fahrwerk bleiben aber keine Wünsche offen. Andere Hersteller liefern da in unserem High-End-Test deutlich weniger fürs Geld. Wie der Look des Bikes schon verrät, sind Geometrie und Hinterbau klassisch gezeichnet. Ein Viergelenker mit liegendem Dämpfer quetscht 150 Millimeter Federweg hinten aus dem Chassis. Die Geometrie ist modern, bleibt aber auf der kompakten Seite. Eher kurze Kettenstreben kombiniert Crussis mit 471 Millimetern Reach in Größe L und einem moderaten Lenkwinkel von 64,4 Grad. Das Crussis fällt dadurch für ein modernes L-Bike relativ klein aus und hat den kompaktesten Radstand in unserer Vergleichsgruppe.
Aufsitzen und los geht’s: Mit Blick auf die Rahmenmaße waren unsere Erwartungen für anspruchsvolle Uphills gedämpft. Aber auch ohne explizite Kletter-Geometrie macht das Crussis seine Sache gut. Der Hinterbau sackt nicht ein, die tiefe Front fördert die Kontrolle bergauf. Durch den kompakten Radstand lässt sich das Rad gut durch enge, steile Kehren steuern. Das große Hinterrad macht sich im Uphill ebenfalls bezahlt. Die hohe Leistung des Avinox will aber bewusst dosiert werden, sonst lupft das Crussis an steilen Rampen das Vorderrad wie ein Dragster ohne Wheelie-Schutz. Wir empfehlen den progressiveren Trail-Modus statt Turbo oder gar Boost.
Klettern kann das Crussis also ganz gut, die klare Stärke des eFull liegt aber im verspielten Fahrgefühl bergab. Durch die kompakte Geometrie und den nicht zu flachen Lenkwinkel bleibt das Handling sehr unkompliziert und neutral. Die Federung ist poppig ausgelegt und gibt viel Feedback. Bunny-Hops auf dem Trail oder mal die kreative Linie nehmen? Da ist das Crussis gerne dabei!
Werden die Abfahrten steiler und rauer, muss man sich am Crussis etwas festhalten. Durch die unkomplizierte und ausbalancierte Geometrie mit tiefem Tretlager kommen aber erst spät ungute Gefühle auf. Der Viergelenk-Hinterbau ist straff, aber sauber abgestimmt. Der Lenker mit viel Rise gleicht die tiefe Front auf normalen Trail-Abfahrten gut aus. Nur bei der Telestütze hätten wir uns etwas mehr Hub gewünscht. Immerhin: In Serie soll eine 180er statt der 150er in unserem Testbike montiert sein. Nervig: Bergab klapperte unser Testbike deutlich aus dem Unterrohr.
BIKE-Gesamtnote: 2,2
Die BIKE-Note setzt sich aus Praxiseindrücken der Tester und Labormesswerten zusammen. Die Note ist preisunabhängig. Notenspektrum analog zum Schulnotensystem. Für eine solide Leistung vergeben wir die Note 3,0.
Unser erstes Testbike von Crussis überzeugt. Der quirlige Allrounder punktet mit guter Funktion, attraktivem Gewicht und Preis und setzt beim Trail-Spaß bergab einen besonderen Akzent. Achtung: Das niedrige Systemgewicht kann ein Ausschluss-Kriterium sein. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik
| Gewicht (kg) | 21.94 |
| Zulässiges Gesamtgewicht (kg) | 120 |
| Gabel | Fox 36 Float Factory |
| Dämpfer | Fox Float X Factory |
| Schaltung | SRAM X0 Eagle AXS |
| Motor / Akku | DJI Avinox M1 |
| Bremsen vorne | SRAM Maven Silver |
| Bremsen hinten | SRAM Maven Silver |
| Reifen vorne / hinten | Maxxis Assegai 3C MaxxTerra Exo Protection TR 29 x 2,50 |
Alle Daten findest du hier
| Eigenschaft | Note |
|---|---|
| Fahrverhalten | 2,5 |
| Labor | 1,3 |
| Ausstattung | 3,2 |
| Endnote | 2,2 |
Die Gesamtbewertung des Bikes findest du hier