Amflow TL Carbon im TestPremium-Fully zum Einstiegspreis?

Adrian Kaether

 · 24.10.2026

BIKE Kauf-Tipp
Das TL ist das Preiskracher SUV von Amflow. Mit 800er Akku und Carbonrahmen kostet das Rad 3.499 Euro.
Foto: Georg Grieshaber
Ein E-MTB mit Elektro-Schaltung, Fox-Fahrwerk, SUV-Parts und Vollcarbonrahmen zum Preis eines günstigen E-Hardtails: Das Amflow TL für nur 3.499 Euro bietet auf dem Papier ein unglaubliches Preis-Leistungsverhältnis. Ob das Avinox-Bike auch in der Praxis punktet? Hier kommt der Test.

Themen in diesem Artikel

Fazit zum Test des Amflow TL Carbon

Das Amflow TL ist durchdacht bis ins Detail, hochwertig gemacht, steckt voller Premium-Features und ist dabei noch spottbillig. Ein unfassbares Rad zu einem unfassbaren Preis, das irgendwie alles kann und an dem wir keine echten Schwächen finden konnten. Sollten sich bei Service und Dauerhaltbarkeit des Neulings keine Abgründe auftun, brechen für die Konkurrenz harte Zeiten an.

Daten und Fakten zum Amflow TL Carbon

Preis3.499,00 €
Gewicht26 kg
MotorAvinox M2
AkkuAvinox RS800
SchaltungTRP E.A.S.I. / Avinox

Messwerte

Sitzposition
aufrecht
50
sportlich
0
33
66
100

Alle Messwerte findest du hier

Dieses Rad ist der Schreck aller Bike-Hersteller. Für nur 3.499 Euro stellt DJIs Tochtermarke Amflow ein alltagstaugliches E-MTB auf die Reifen, das die Welt so noch nicht gesehen hat.

Als SUV-E-Bike aus Carbon ist das Amflow TL quasi konkurrenzlos, zu diesem Preis sowieso. Die SUVs E-Bikes, die es gibt, sind oft deutlich schwerer, weniger geländegängig und kosten gut und gerne das Doppelte! Das allein macht das TL zu einem der interessantesten E-Bikes des Jahres. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik

Wir bei BIKE testen über hundert Räder jedes Jahr. Viele davon mittlerweile mit Motor. Die Faustregel: Gute E-Bikes für den Alltag kosten mindestens 3500 Euro​ - von Ausnahmen abgesehen - und anständige E-MTBs mit Vollfederung gibt’s normalerweise eher ab 4500 Euro. Mit Einsteigerparts, mechanischer Schaltung und Alu-Rahmen, wohlgemerkt. Nicht mit Carbon-Chassis und E-Schaltung.

Amflow und der Avinox-Aufstieg

Seit 2023 mischt jedoch ein neuer Player den E-Bike-Markt auf. Avinox ist wie Amflow eine Tochtermarke des Tech-Riesen DJI und hat mit den superstarken, leichten und geschmeidigen Mittelmotoren M1 und M2/M2S (hier im Test) einen Volltreffer gelandet. Präsentiert wurden die Motoren an leichten und schicken Bikes von Amflow (wie etwa dem ersten Amflow PL).

Seit jeher einen Stärke der Amflow-Bikes: Das Preis-Leistungsverhältnis. Mit dem Motoren-Hersteller im eigenen Haus ist das auch wenig verwunderlich aber in dieser Kombination ein Novum für die Bike-Welt. Normalerweise hüten sich Motorenhersteller Bikes unter einer eigenen Marke zu vertreiben. Sonst würden sie schließlich in direkte Konkurrenz mit den Bike-Herstellern als ihren Kunden treten.

Meistgelesen

1

2

3

4

5

Bei Amflow ist das anders. Die Bike-Marke hat wie der Avinox-Motor selbst seit ihrem Debut einen raketenhaften Aufstieg hingelegt. Entsprechend baut Amflow die Produktpalette gerade deutlich aus. Neben den neueren E-MTB Sport Modellen PX mit fester Batterie gibt es auch noch das PR mit Wechselakku - für 4.499 Euro ebenfalls ein krasser Deal. Und jetzt zeigt Amflow eben auch noch das TL, das als SUV nochmal 1000 Euro günstiger ist.

Das Amflow TL in der Praxis

Ohne jegliche Übertreibung: Das vollgefederte Amflow TL gehört zu den besten Alltags- und Touren E-Bikes, die wir je getestet haben. Nicht nur in Bezug auf den konkurrenzlos niedrigen Preis, sondern ganz allgemein. Echte Konkurrenz gibt es ohnehin kaum, denn den Spagat aus sportlichem Vollcarbon-Rahmen und Trail-Kompetenz auf der einen und Alltagskomfort auf der anderen Seite hat bislang kaum jemand so konsequent umgesetzt.

Vergleichbar sind am ehesten noch klassische SUV-Fullys (zum großen Vergleichstest) oder vollgefederte Touren-Bikes wie das exzellente neue Specialized Vado X. Sie kosten aber locker das Doppelte, bieten selten so viele smarte Funktionen und sind mit Alu-Rahmen oft auch wesentlich schwerer und nicht auf den Einsatz ohne Gepäckträger und Schutzbleche ausgelegt.

Wegen des besonders breiten Einsatzbereiches beleuchten wir das Amflow TL unten sowohl in seiner Funktion als E-Mountainbike als auch als komfortablen und unkomplizierten Alltagstourer. Dabei zeigen wir natürlich auch, wo das Bike noch Potential hat. Denn bei aller Begeisterung für den Amflow-Allrounder haben wir auch noch kleinere Schwachstellen gefunden.

Für Trail und Alltag: Ausstattung und Geometrie des Amflow TL

Amflow hat sich mit leichten und schlanken E-MTBs wie dem ersten PL Carbon einen Namen gemacht und behält die grundsätzliche Designsprache auch beim Konzept des alltagstauglichen TL Carbon SUV E-Bikes bei. Der Rahmen wirkt filigran, nur das Unterrohr ist beim TL wie beim PR Carbon E-MTB etwas dicker, um den 800er Wechselakku im Bike unterzubringen. Im Tretlager sitzt der etwas günstigere Avinox M2 Motor mit immer noch 125 Nm und 1100 Watt in der Spitze. Das sind zwar nicht ganz die Fabelwerte des teureren M2S-Motors aber immer noch Leistung satt.

Der Dämpfer ist liegend unter dem Oberrohr montiert. Den Federweg reduziert Amflow beim TL auf 120 Millimeter vorne und 105 Millimeter hinten. Die Ausstattung ist hochwertig, erst recht gemessen am Preis. Statt Alu ist der komplette Rahmen beim TL inklusive Hinterbau aus Carbon. Selbst viele Räder ohne Motor müssen für 3.499 Euro noch mit einem Alu-Chassis auskommen.

Fox-Federung und TRP Elektro-Schaltung

Die Federelemente stammen aus Fox’ günstiger SUV-Produktlinie AWL, sind einfachen Spar-Parts à la SR Suntour und Co. aber trotzdem deutlich überlegen. Das Amflow TL bremst mit hydraulischen Vierkolben-Stoppern von Tektro vorne und hinten und schaltet elektronisch mit einer auf Amflow abgestimmten Version der TRP E.A.S.I. Schaltung mit zehn Gängen. Die Schaltung ist per Kabel an den Hauptakku angebunden und brauchte keine separate Energiequelle. Auch der helle Amflow Scheinwerfer mit Fernlicht und bis zu 1200 Lumen wird per Kabel aus dem Hauptakku mit Strom versorgt.

Für zusätzliche Bewegungsfreiheit und Fahrsicherheit in schwierigem Gelände montiert Amflow eine Tele-Stütze mit 170 Millimetern Hub in unserer Testgröße L/XL. Das Amflow TL rollt übrigens nicht auf 29 Zoll wie die E-Mountainbikes von Amflow, sondern auf kleineren 27,5 Zoll Laufrädern. Bestimmt auch um Schutzbleche und Gepäckträger besser integrieren zu können. Und a propos SUV-Parts: Wer will, kann die Anbauteile mit wenigen Handgriffen demontieren. Dann wird aus dem 26 Kilo E-SUV ein 23,6 Kilo leichtes E-Mountainbike - zumindest in der Theorie.

Das Tourenbike bietet unglaublichen Komfort, schwebt mit seiner Vollfederung über Schlaglöcher und fährt sich doch agil und souverän zugleich. Gut verarbeitet ist es auch noch und für alles vom kleinen Ausflug bis zur großen Radreise fast perfekt geeignet.

Komfortabel und souverän: So fährt sich das Amflow auf Touren

Die deutlichen Mountainbike-Anleihen des Amflow TL sind kaum zu übersehen. Trotzdem kann das Rad besonders auf Touren überzeugen. Das Fahrverhalten ist mit den kleinen 27,5 Zoll Laufrädern und kurzem Vorbau wendig und direkt. Amflow montiert einen besonders hohen Lenker mit 74 Millimetern Breite. Dadurch sitzt man komfortabel und entspannt auf dem Rad und hat auch auf langen Touren keine Probleme mit schmerzenden Schultern oder Handgelenken.

Dazu tut auch die Federung ihr übriges. Die Fox-Parts sprechen gut an. Der Hinterbau hat eine spürbare Progression bei großen Schlägen, federt kleine Unebenheiten aber sensibel weg und schluckt auch mittelgroße Schläge wie Bordsteinkanten und Schlaglöcher souverän. Mit dem feinfühligen und kräftigen Motor und der guten Federung schwebt man förmlich über Schlaglöcher und schlechte Pisten und nimmt gerne auch mal bewusst eine rumpelige Passage mit.

Im Stadtverkehr und bei Nässe überzeugen die Schutzbleche, das helle Licht mit Fernlicht und die knackige Elektro-Schaltung. Man könnte sich fast eine zuschaltbare Automatik für den TRP Ketten-Antrieb wünschen. Möglich auch, das Amflow hier noch per Software nachlegt. Immerhin wechselt die Schaltung die Gänge schon jetzt im Rollen, ohne dass man die Kurbel bewegen muss. Praktisch zum Beispiel um beim Mountainbiken bergab die Gänge zu schalten, oder um vor Ampeln in einen kleinen Anfahrgang zu kommen.

Kettenschutz, Gepäckträger und Display

Raum für kleine Verbesserungen gibt es trotzdem. Ein Kettenschutz fehlt. Der Gepäckträger folgt dem MIK HD Standard und ist für 27 Kilo und das Rad selbst sogar für üppige 200 Kilo Gesamtgewicht sowie einen Anhänger freigegeben. Allerdings: Mit Beladung hat das TL eine Tendenz zum Aufschaukeln und lässt sich nicht mehr freihändig fahren. Das Rücklicht muss separat ein- und ausgeschaltet und geladen werden. Das ist etwas nervig. Eine feste Anbindung des Rücklichts per Kabel an das E-System würde aber die Demontage von Schutzblech und Gepäckträger erschweren.

Das Oberrohr-Display ist Geschmackssache. Lob verdienen der sensible Touch-Screen und das tiefe Menü in dem man sogar erweiterte Funktionen wie eine Drehmomentbegrenzung zum Verschleißschutz oder ein Feintuning der Unterstützungsstufen direkt am Screen vornehmen kann. Das Display sitzt aber etwas tief, außerhalb des normalen Sichtfeldes und dürfte auch größer sein. Wer mit dem Display navigieren will, kann das grundsätzlich tun. Amflow braucht aber fertige GPS Tracks und zeigt nur den Navigationstrack ohne Karte an. Mal eben im Stadtverkehr von A nach B zu navigieren, ist nicht die Stärke des Systems. Auch die Einbettung der Navigation ist noch etwas hakelig. Top dagegen: Das Rad lässt sich über Apple find my tracken. Wer eine Sim-Karte in das Display einbaut, kann sogar auf eine erweiterte elektronische Diebstahlsicherung und Tracking via GPS zugreifen.

Avinox M2 Motor und Reichweite

Der Motor selbst ist über jeden Zweifel erhaben. Der M2 bietet bereits mehr Power, als man sich für die allermeisten Einsätze wünschen kann. Der Unterschied zum Avinox-Topmodell M2S in Sachen Leistung wird nur an langen, extrem steilen Rampen im direkten Vergleich überhaupt spürbar. Die Abstimmung der Unterstützung ist Avinox-typisch sehr geschmeidig. Der Motor reagiert sensibel auf den Tretinput des Fahrers und fährt sich trotzdem sehr rund. Der Unterstützungsmodus “Auto” funktioniert für fast jede Fahrsituation. Eco braucht man vor allem zum Akku sparen, mit Boost landet man selbst in Steigungen ruck zuck in der 25 km/h Grenze.

Dank 800 Wattstunden im Akku bietet das Amflow TL eine satte Reichweite auf Augenhöhe mit Boschs 800er System. 100 Kilometer auf einer Batterieladung ohne Akku zu sparen sind auf flachen Touren realistisch. Wer will, kann dem TL Carbon für extralange Touren auch noch optional weitere 480 Wattstunden in Form eines Zusatzakkus (Range Extender) auf dem Unterrohr verpassen, oder mit dem optionalen 12 Ampere Schnellladegerät in einer Mittagspause den Akku wieder fast komplett voll aufladen.

Das Amflow TL im E-MTB Einsatz

Mit nur vier Schrauben hinten und drei Schrauben vorne hat man in gut 10 Minuten Schutzbleche und Gepäckträger demontiert. Aus dem 26 Kilo schweren E-SUV wird dann ein 23,1 Kilo leichtes E-Mountainbike. Für ein SUV ist das ein richtig guter Wert, zumal die Demontage der Alltagsparts bei keinem uns bekannten Rad so einfach ist, wie beim Amflow. Im Alltag mit dem Bike als SUV zu Pendeln und für den Sommerurlaub auf E-MTB umzurüsten ist also durchaus realistisch.

Aber wie gut schlägt sich das Rad überhaupt im Gelände? Fakt ist, es kommt auch auf die Erwartungshaltung an. Wer in erster Linie über fiese Trails bolzen will, oder Action im Bikepark und auf Enduro-Touren sucht, der sollte sich bei Amflow eher bei den Sport-Modellen PR und PX umschauen. Auf moderaterem Terrain macht das TL aber durchaus eine ganz gute Figur. Schotter-Touren auch mit grobem Untergrund, leichte Trails mit moderaten Hindernissen oder angelegte Flow-Strecken: All das geht problemlos. Die lange Kettenstreben und ein tiefes Tretlager zahlen auf die Fahrsicherheit bergab ein. Man steht gut integriert hinter der (sehr!) hohen Front des Bikes.

Der moderate Reach, Lenkwinkel und Radstand und die kleinen Laufräder begünstigen ein neutrales Handling. Anders als viele moderne E-MTBs braucht das TL keinen großen Krafteinsatz um bei langsamem Tempo durch enge Kurven zu zirkeln, bietet dafür aber auch nicht dieselben Reserven bei höherem Tempo. Das gilt auch für das Fahrwerk. Grundsätzlich ist das Bike gut abgestimmt, aber 105 Millimeter am Heck sind im Gelände schon spürbar wenig. Der größte Kompromiss am Amflow TL sind die SUV-Reifen. Sie geizen gerade bei Nässe mit Grip, rollen dafür aber leichter im Alltag und lassen sich bei Bedarf leicht upgraden.

​Das Amflow TL Carbon im Überblick

Vorteile

  • sehr starker und feinfühliger Avinox-Motor
  • großer 800-Wh-Wechsel-Akku
  • komfortables Fox-Fahrwerk
  • hochwertiger Carbonrahmen
  • präzise elektronische Schaltung
  • gelungenes Touchdisplay und App-Anbindung
  • Apple-Tracking integriert
  • hohes zulässiges Gesamtgewicht von 200 kg
  • tourentauglicher Gepäckträger
  • Anhängerfreigabe
  • unglaublich attraktiver Preis

Nachteile

  • Aufschaukeln bei höherer Beladung möglich
  • nur zwei Rahmengrößen
  • kein Kettenschutz
  • separates Rücklicht muss eigenständig geladen werden
  • Display könnte größer und zentraler platziert sein
  • Navigation noch etwas hakelig

​Amflow TL Carbon: Technische Daten

MotorAvinox M2
Drehmomentbis zu 125 Nm
AkkuAvinox, 800 Wh
DisplayAvinox DPC100 Touchdisplay
AntriebKette
Schaltungelektronische TRP E.A.S.I./Avinox, 10-fach
Übersetzung38 Zähne vorne, 11–43 Zähne hinten
BremsenTektro TKD 173, 180-mm-Scheiben
ReifenMaxxis Crossmark II, 27,5 x 2,35
FedergabelFox AWL Sport, 120 mm
Federweg hinten105 mm
RahmenCarbon
RahmengrößenS/M und L/XL
GepäckträgerAmflow MIK HD, bis 27 kg
BeleuchtungAvinox Smart-Frontlicht mit Fernlicht, Sate-Lite-Rücklicht
Zulässiges Gesamtgewicht200 kg
Gewicht26 kg
Garantie5 Jahre
Preis3.499 Euro
Optional12-A-Schnellladegerät, 480-Wh-Range-Extender
BesonderheitenApple-Tracking, Touchdisplay, Anhängerfreigabe

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Adrian Kaether fährt am liebsten Mountainbikes auf rumpeligen Enduro-Strecken. Der Tech-Experte und Bike-Tester kennt sich aus mit Newtonmeter und Wattstunde, High- und Lowspeed-Dämpfung. Als Testleiter bei MYBIKE schaut Adrian auch gerne über den Tellerrand und testet Cargo-Bike und Tiefeinsteiger ebenso, wie die neuesten (E-)MTBs.  

Meistgelesen in der Rubrik Fahrräder

Shorts