Amflow PR Carbon im TestIst dieses günstige E-MTB wirklich unschlagbar?

Florentin Vesenbeckh

 · 29.08.2026

BIKE Preis-Leistung
Das Amflow PR Carbon kommt mit Vollcarbonrahmen, Fox-Fahrwerk und elektronischer Funkschaltung für 4499 Euro.
Foto: Max Fuchs
Das Amflow PR Carbon dürfte die Konkurrenz das Fürchten lehren. Vollcarbonrahmen, großer Wechsel-Akku, überdurchschnittliche Ausstattung – so viel E-MTB gab es für 4500 Euro wohl noch nie. Doch überzeugt das E-Mountainbike auch auf dem Trail oder nur auf dem Datenblatt?

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Fazit zum Test des Amflow PR Carbon

​Auch wenn es einige Details zu kritisieren gibt: Das Amflow PR Carbon liefert für 4500 Euro ein schier unschlagbares Paket und verdient sich damit unsere Tipp “Preis-Leistung”. Top Motor, geringes Gewicht, spaßige Fahreigenschaften – damit werden viele Bedürfnisse befriedigt. Am meisten glänzt das Bike auf Touren und gemäßigten Trail-Runden, doch auch im härteren Gelände hält es lange mit. Alles in allem ein starker Allrounder. - Florentin Vesenbeckh, Testredakteur

Daten und Fakten zum Amflow PR Carbon

Preis4.499,00 €
Federweg160 mm
Laufradgröße29"/ 27,5"
Gewicht23.47 kg
MotorAvinox M2
AkkuAvinox 800Wh
GabelFox Float AWL HD Sport
DämpferFox Float Rhytm
SchaltungSRAM S1000 Eagle Transmission
Bremse vorneTektro TKD 173

Messwerte

Sitzposition
sportlich
29
komfortabel
0
33
66
100

Alle Messwerte findest du hier

​Der Begriff „Chinaware“ ist hierzulande oft negativ besetzt. Meist verbindet man damit günstige Produkte oder gar billige Kopien zweifelhafter Qualität. Dass dieses Klischee auf die neuen Fahrradprodukte des Tech-Riesen DJI nicht zutrifft, haben die Avinox-Motoren eindrucksvoll gezeigt. Statt bestehende Technik lediglich günstiger anzubieten, hat die DJI-Tochter Avinox die Messlatte bei Leistung und Bedienung spürbar höher gelegt – und dabei die Preise erstaunlich niedrig gehalten. Hier im Link gibt’s eine Übersicht günstiger Avinox-Bikes.

Auch die Bikes von Amflow, dem zweiten DJI-Ableger, sind ernst zu nehmende Sportgeräte und nicht bloß schicke Teileträger. Ganz an die Strahlkraft der Avinox-Motoren reichte die erste Generation der Komplettbikes allerdings noch nicht heran.

Das neue PR Carbon zielt explizit auf die breite Masse der E-Mountainbiker und will mit fairem Preis überzeugen, statt mit technischen Highlights. Obendrein ist es das erste Amflow mit entnehmbarem Akku. Das bringt mehr Flexibilität und einen breiteren Kundenkreis. Sowohl Rekordgewicht als auch superschlanke Optik sind damit aber nicht mehr realisierbar.

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​Günstig – und trotzdem leicht

Dafür dringt das PR Carbon in neue Preisbereiche vor. Für 4499 Euro gibt es einen Vollcarbonrahmen, ein Fox-Fahrwerk und eine elektronische Funkschaltung von Sram. Vergleicht man die Ausstattung mit der von ähnlich teuren E-Fullys der letzten Jahre, ist alleine das ein absolutes Ausrufezeichen wert!

Mit 23,5 Kilo hält das PR bei den Rekordwerten der leichtesten Avinox-Bikes nicht mit. Doch im Vergleich zu anderen E-Fullys mit entnehmbarem 800er-Akku ist das ein exzellenter Wert. Selbst E-MTBs der 10 000-Euro-Klasse sind zum Teil schwerer. Amflow schafft das zudem ohne Mogel-Parts: Solide Maxxis-Reifen mit DD-Karkasse am Heck, robuste Transmission-Funkschaltung, dicke Bremsscheiben – hier wird nicht an am falschen Ende gespart. Aber kann das Bike auch in der Praxis punkten?

Die Ausstattung im Check

Ganz ohne Kompromisse kommt natürlich auch Amflow nicht aus. Das auffälligste Detail sind die Tektro-Bremsen, die leider auch in der Praxis negativ auffallen. Zwar ist der Druckpunkt definiert und gefällig, doch die Bremsleistung nur mäßig. So muss man unnötig stark am Hebel ziehen, um das Bike zum Stillstand zu bringen. Das Schnellladegerät von Avinox ist übrigens erst beim teureren Modell serienmäßig dabei. Das PR Carbon kommt mit dem langsameren 4A-Lader.

Auch beim Motor setzt das günstige PR nur auf die schwächere variante. Doch der Avinox M2 hat schon mehr als genug Leistung und lässt die Konkurrenz locker stehen. Den Unterschied zum M2S merkt man nur im direkten Vergleich an steilen Rampen. Dann zieht der Top-Motor spürbar davon.

Auch beim Fahrwerk wurde gespart. Zwar prangen die verheißungsvollen Fox-Lettern auf den Tauchrohren, zum Einsatz kommt jedoch die einfache AWL-Gabel, die man sonst eher an SUV-Bikes findet. Dennoch ist das Fahrwerk insgesamt hochwertiger einzustufen als günstige Suntour-Federelemente oder eine einfache Psylo Silver von RockShox, wie sie in dieser Preisklasse häufig anzutreffen sind. Doch all der Markenhype hilft wenig, wenn die Leistung auf Tour und im Gelände nicht passt.

Praxistest: Das Amflow PR im Uphill

Die Geometrie hat Amflow am PR Carbon bewusst etwas konservativer gezeichnet als am sportlicheren PX Carbon. Das fällt direkt auf, denn die Sitzposition ist sehr klassisch und mit flachem Sitzwinkel eher gestreckt. Vorteil: Das Gewicht verteilt sich in der Ebene gleichmäßig auf Gesäß und Handgelenke – top für lange Touren in gemäßigtem Gelände.

Sobald es steiler bergauf geht, gerät dies allerdings zum Nachteil. Man tritt leicht von hinten und verliert den Druck am Vorderrad. Das gilt besonders, wenn man den krassen Turbo-Schub des Avinox-Motors nutzt. In technischen Uphills ist das Bike damit nicht so leicht im Zaum zu halten, und das Potenzial des extrem starken Motors lässt sich nur schwer ausschöpfen. Die lange Kettenstrebeneinstellung hilft hier etwas, doch der flache Sitzwinkel bleibt in solchen Szenarien ein Manko.

Auf dem Trail

Der Lenker des PR Carbon besitzt viel Rise, zudem kommt das Bike mit einer üppigen Zahl an Spacern unter dem Vorbau. So thront das Cockpit weit oben, und man steht angenehm integriert hinter der Front. Auf Trail-Abfahrten fühlt man sich dadurch sofort wohl. Das Fahrwerk arbeitet komfortabel und vermittelt zusätzliche Sicherheit. Dank seines geringen Gewichts und der moderaten Geometrie bleibt das Handling erfreulich verspielt. Manuals, Sprünge und schnelle Richtungswechsel gehen leicht von der Hand. Gerade in der günstigen E-MTB-Einstiegsklasse ist das eine Seltenheit.

Auch auf kniffligen Trails und ruppigeren Abfahrten kann das PR Carbon gut mithalten. Die erstklassige Reifenkombi legt den Grundstein, doch auch Fahrwerk und Geometrie geben Selbstvertrauen. Im Stakkato von Wurzel- oder Steinfeldern bremst zuerst die Federgabel den Speedrausch: Schnelle Schlagabfolgen verdaut sie nur schwer, und in Kompressionen taucht sie zu stark weg. Auch die Bremsen sind ein Schwachpunkt. Doch in diesem Preisbereich ist das jammern auf hohem Niveau.

Schade ist die störende Geräuschkulisse. Neben dem Rasseln von Kabeln und Zügen machte sich bei harten Schlägen ein markantes Klappern bemerkbar, das wir im gesamten Test nicht in den Griff bekamen. Vermutlich eher ein Problem unseres Testrads als ein konstruktiver Schwachpunkt.

Stärken und Schwächen

Stärken

  • ​leicht
  • spaßiges Fahrverhalten
  • starker Motor mit viel Reichweite Wechsel-Akku

Schwächen

  • ​kein Uphill-Künstler
  • mäßige Bremsen
  • Spiel an Sattelstütze
  • Klappergeräusche
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Florentin Vesenbeckh sitzt seit seinem zehnten Lebensjahr auf dem Mountainbike. Schon auf der allerersten Tour standen Singletrails im Fokus – und die gehören für ihn auch nach über 30 Jahren im MTB-Sattel zur Quintessenz des Bikens. Seine Jugend verbrachte er mit Wettkämpfen in verschiedenen Bike-Disziplinen und später prägten Jahre als Fahrtechnik-Coach seine radsportliche Vita. Beruflich stehen für den erfahrenen Testredakteur inzwischen E-Mountainbikes im Fokus. In den letzten Jahren testete der diplomierte Sportwissenschaftler und ausgebildete Journalist über 300 Bikes und mehr als 40 verschiedene Motorsysteme in Labor und Praxis.

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