Florentin Vesenbeckh
· 23.05.2026
Im harten Gelände performt das neue Amflow PX Carbon in allen Belangen besser als sein Vorgänger. Doch es ist schwerer, etwas träger und komplexer als das „Ur-Amflow“. Für 10 000 Euro bekommt man hier ein richtig gutes Bike, das sich inzwischen aber an einer breiten Auswahl an Avinox-Bikes messen lassen muss. Den absoluten Wow-Effekt hat es etwas eingebüßt. Trotzdem bleibt der Mix aus geringem Gewicht und massiver Power beeindruckend.
| Preis | 9.999,00 €>> hier erhältlich |
| Federweg | 160 mm |
| Laufradgröße | 29"/ 27,5" |
| Gewicht | 21.7 kg |
| Motor | Avinox M2S |
| Akku | Avinox 700Wh |
| Gabel | Fox 36 Float Factory |
| Dämpfer | Fox Float X Factory |
| Schaltung | SRAM X0 Eagle Transmission AXS |
| Bremse vorne | Magura Gustav Pro |
Auf den ersten Blick sieht das brandneue PX Carbon seinem Vorgänger PL Carbon extrem ähnlich. Doch von der Optik darf man sich nicht täuschen lassen. Das PX Carbon ist ein komplett neues Bike mit neuem Rahmen, neuem Motor und neuem Akku. Geblieben ist jedoch die grundlegende Rahmenform und der Federweg: 160 Millimeter vorne, 150 hinten. Dafür rollt das neue E-Bike ab Werk im Mullet-Setup auf die Trails, also mit 29 Zoll vorne und 27,5 Zoll am Heck. Über einen Flipchip kann optional auf 29 Zoll am Hinterrad umgebaut werden. Beim PL Carbon war das genau anders herum.
Die Geometrie wurde bei der Neuauflage deutlich angepasst, mit kürzerem Sitzrohr, steilerem Sitzwinkel und längerem Reach ist das Bike insgesamt moderner und Trail-orientierter geworden. Außerdem spendiert Amflow dem Bike gleich mehrere Optionen, um die Geometrie anzupassen. Zwei Flipchips und wechselbare Lagerschalen im Steuerrohr. Insgesamt kann man die Geometrie dadurch massiv beeinflussen. Doch dazu später mehr.
Herzstück und Antrieb der Neuauflage ist der Avinox M2S. Der neue Super-Motor legt im Vergleich zum ohnehin bärenstarken Avinox M1 nochmals deutlich an Leistung zu. Im Amflow PX Carbon erreicht er eine Spitzenleistung von 1500 Watt – das entspricht einem Plus von 50 Prozent. Der Akku ist wie beim Vorgänger fest verbaut und soll mit 3,18 Kilogramm im Verhältnis zur Kapazität sehr leicht ausfallen. 700 statt 800 Wattstunden bedeuten zwar eine etwas geringere Reichweite, zugleich aber auch ein noch schlankeres Unterrohr und ein niedrigeres Gesamtgewicht.
Das Komplettbike ist allerdings keineswegs leichter. 21,7 Kilo wiegt das Topmodell im Serientrimm, das Amflow PL Carbon Pro wog 20,6 Kilo mit 800 statt 700 Wattstunden. Was man dem Neuling aber voll zu Gute halten muss: Es kommt inklusive Frontleuchte und massiver Gravity-Bereifung. Die Chinesen investieren also in die Nehmerqualitäten und Usability des Bikes. Zudem soll der Hinterbau um 10 Prozent steifer geworden sein. Den absoluten Wow-Effekt an der Waage hat das Amflow damit aber etwas eingebüßt.
Um es vorwegzunehmen: Die Updates, die Amflow dem PX gegönnt hat, sind in jedem Fall deutlich spürbar – das ist mehr als nur Kosmetik. Und das bezieht sich nicht nur auf die immense Motor-Power. Durch die neue Geometrie ist das Bike im Gelände erwachsener und folgt den Trends moderner Trail- und Enduro-Bikes. Das beginnt schon bei der Sitzposition, denn der Fahrer nimmt jetzt vorderradorientiert im Bike Platz. Plus zwei Grad Sitzwinkel stehen im Auslieferungszustand zu Buche.
Warum Auslieferungszustand? Weil Amflow dem PX je einen Flipchip an Kettenstrebe und Dämpferaufnahme, sowie eine variable Steuersatz-Lagerschale zur Anpassung der Geometrie verpasst. 40 verschiedene Konfigurationen lassen sich so erreichen. Davon machen wir im Test auch gerne Gebrauch, denn im Grund-Setup bleibt der Stack niedrig und das Tretlager hoch. Eine wirklich integrierte Fahrposition ergibt das nicht. Nachdem wir den kompletten Spacerturm (3 cm!) unter den Vorbau gepackt haben, zusätzlich zum ab Werk verbauten Riser-Lenker (40 mm), passte der Stand im Bike viel besser.
Noch wohler fühlten wir uns nach dem Switch auf die lange Kettenstrebeneinstellung. Hier wird nicht nur das Heck länger, sondern auch das Tretlager deutlich tiefer und der Lenkwinkel flacher. Das zeigt aber auch: Die diversen Geo-Verstellungen sind sehr komplex und gar nicht so leicht zu druchschauen. Denn ein gedrehter Flipchip verändert gleich mehrere Parameter sehr deutlich. Der Einfluss auf die Fahreigenschaften ist enorm.
Mit diesen Anpassungen blüht das Amflow auf dem Trail auf. Es vermittelt Sicherheit und nimmt es auch mit ruppigen Passagen auf. Mit seinem eher straffen Heck mutiert es zwar nicht zum Mini-Enduro, doch man kann es im Gelände durchaus laufen lassen. Die massiven Reifen und richtig solide Bremsen lassen auch auf langen, fiesen Alpenabfahrten nichts anbrennen. Der Fokus liegt in diesem Trimm auf Laufruhe. Ultimativ verspielt und handlich will das Amflow nicht mehr wirken, was in Anbetracht des geringen Gesamtgewichts überrascht. Doch das Handling passt.
Ein Grund für das nicht ultimativ Leichtfüßige Handling: das massive Laufradgewicht. Trotz leichter Carbonfelgen fällt die rotierende Masse hoch und das Handling damit nicht so spritzig aus. Der Vorgänger war leichtfüßiger unterwegs. Die dicken Pneus mit Gravity-Radialkarkasse bringen dafür massig Pannenschutz und Bodenhaftung. Das bringt auch mehr Traktion und ein satteres Fahrgefühl. Der Hinterbau arbeitet ebenfalls besser als beim Vorgänger und lässt sich harmonisch abstimmen. Im harten Geläuf kassierten wir allerdings den ein oder anderen Durchschlag, denn das Heck gibt den Hub bereitwillig frei. Schade: Obwohl der Motor auf dem Trail deutlich leiser geworden ist, klapperte unser Testbike auffällig. Bremsbeläge, Kabelführung – hier mischen sich gleich mehrere Störgeräusche.
Wer auf die Idee kommt, für mehr Agilität in der kurzen Kettenstrebeneinstellung zu bleiben, sollte in steilen Uphills den Finger vom aggressiven Turbo-Modus lassen. Denn die Kombi aus sehr kurzem Heck mit extremer Avinox-Power führt unweigerlich zum schwer kontrollierbaren Rodeo-Ritt auf dem Hinterrad. Mit langem Heck klettert das Amflow besser, allein der überlegene Motor verschiebt die Grenzen des Machbaren deutlich. Und die zentrale Sitzposition gibt dem Fahrer eine souveränere Kontrolle über das Bike. Dank superkurzer Kurbeln drohen auch mit tiefem Tretlager kaum Kurbelaufsetzer. Das ist konsequent.

Redakteur CvD