Sebastian Brust
· 01.09.2026
Wer ein City-E-Bike kauft, steht regelmäßig vor demselben Zielkonflikt: mehr Akku und mehr Motor bedeuten mehr Gewicht, mehr Gewicht bedeutet ein schwerer zu handhabendes Rad. Das KTM Superbelt SX 10 Di2 löst diesen Konflikt mit einer klaren Prioritätensetzung zugunsten des Gewichts.
Die vom Hersteller angegebenen 22 kg sind für ein vollausgestattetes Stadtrad mit Schutzblechen, Licht, Gepäckträger und Ständer ein niedriger Wert – und im Alltag beim Tragen, Rangieren oder Abstellen in beengten Verhältnissen ein echter Vorteil.
Erkauft wird das mit einem kleineren Akku (400 Wh), einem weniger drehmomentstarken Motor und einem reduzierten Systemgewichtslimit von 140 kg. Wer diese Grenzen kennt und akzeptiert, bekommt dafür ein Rad, das sich im Stadtbetrieb spürbar leichtfüßiger bewegt als schwerere Alternativen.
Die elektronische Shimano Alfine Di2-Nabenschaltung (hier die mechanische 11-Gang-Variante im Test) ist in dieser Preisklasse keine Selbstverständlichkeit und hebt das Modell technisch aus dem üblichen Stadtrad-Angebot heraus.
| Rahmen | Macina Trekking Onroad Alloy 6061 Belt | CPT400 Bosch BDU31/T6120 |
| Gabel | Suntour NCX32-D Sport Air LO 63 mm, 15×100 |
| Motor | Bosch Performance SX BDU3144, bis 60 Nm |
| Akku | Bosch CompactTube 400 Wh (PTTL – Top Loader) |
| Ladegerät | Bosch Compact Charger 2A |
| Display | Bosch Purion 200 Display & Remote |
| Schaltung | 1×8 Shimano Alfine Di2 (elektronisch) |
| Schalthebel | Shimano CUES Di2 EN605-R Controller |
| Kurbel | KTM E-TEAM2 ISIS 170 mm Q8 |
| Zahnkranz | Gates CDC CenterTrack Sprocket 22T |
| Riemen | Gates CDC Drive-Belt 118T |
| Bremsen | Shimano MT420-3A/MT410, 2-Kolben hydraulisch |
| Lenker | KTM Team II Low Rizer, 640 mm |
| Vorbau | KTM Line +20° ICR |
| Steuersatz | Acros AICR intern 1 1/8"–1,5" |
| Griffe | Ergon GP1 short |
| Sattel | Selle Royal Vaia Gel |
| Sattelstütze | KTM Team II 27,2/350 |
| Pedale | VP-616 Trekking Anti-Slip |
| Reifen v/h | Schwalbe Marathon Mondial Perf. RaceGuard 47-622 Reflex |
| Schutzbleche | SKS Evo AL 55 mm 28" |
| Frontleuchte | Litemove RLX-100, 100 Lux |
| Rückleuchte | AXA Juno |
| Gepäckträger | KTM Alumee Snap-It 2.0 / Monkeyload | Rack Clip |
| Ständer | KTM 28" verstellbar |
| Gewicht | 22 kg |
| Zul. Systemgewicht | 140 kg |
| Bike-Kategorie | E2 |
| Preis | 3799 € |
Der Aluminiumrahmen aus der 6061-Legierung ist als Trekking-Onroad-Konstruktion speziell auf den Einsatz mit Riemenantrieb ausgelegt. Die geteilte Sitzstrebe ermöglicht Montage und Tausch des Gates-Riemens.
Die Geometrie ist auf aufrechtes, komfortorientiertes Fahren ausgerichtet: Der Low-Rizer-Lenker (640 mm breit) und der in der Neigung verstellbare Vorbau sorgen für eine entspannte Haltung im Stadtbetrieb.
Die Suntour NCX32-D Sport Air-Federgabel mit 63 mm Luftfederweg und 15×100-Steckachse ist im Vergleich zur Coil-Variante die leichtere und im Ansprechen feinfühligere Lösung. Die Lockout-Funktion erlaubt es, die Federung auf glattem Untergrund zu blockieren.
Luxus wie beispielsweise eine Dämpfungseinstellung bietet die Einstiegsgabel jedoch keinen. Auch ist sie das Bauteil, das die maximale Bremsscheibengröße vorne auf 180 Millimeter beschränkt. Das ist für ein E-Bike, das auch mal Einkäufe schleppen muss, aus unserer Sicht eher das Minimum.
Der Bosch Performance SX (BDU3144) ist nicht die leistungsstärkste Option im Bosch-Portfolio – das ist bewusst so. Mit jetzt bis zu 60 Nm liegt das Drehmoment des kleinen SX deutlich unter dem des Performance CX, der inzwischen in der Spitze das doppelte Drehmoment auf die Kurbelwelle wuchtet..
Der SX ist leichter, kompakter und vermittelt ein noch natürlicheres Fahrgefühl – die Unterstützung wirkt weniger dominant. Für den entspannten Stadtbetrieb auf flachem bis leicht hügeligem Gelände ist das ausreichend, in längeren Anstiegen oder mit höheren Systemgewichten stößt der Motor früher an seine Grenzen.
Das Systemgewichtslimit von 140 kg ist entsprechend niedriger als bei CX-basierten Modellen. Schwerere Menschen oder Nutzer mit regelmäßig beladenem Gepäckträger sollten das im Blick haben.
Der Bosch CompactTube 400 Wh ist deutlich kleiner als zum Beispiel die 800-Wh-Variante im Macina City 820 XL Belt. Das schlägt sich in einem erheblich niedrigeren Gewicht nieder – und in einer entsprechend geringeren Reichweite. Für kurze Alltagswege und Feierabendrunden ist das kein Problem, für längere Touren könnte die Kapazität zum limitierenden Faktor werden.
KTM löst das über das PTTL-Konzept (Power Tube Top Loader): Der Akku lässt sich nach oben aus dem Rahmen entnehmen, was das Mitführen eines Zweitakkus möglich macht. Passendes Zubehör – etwa eine Satteltasche oder ein Battery Board für den Rucksack – ist im KTM-Sortiment verfügbar.
Alternativ kann der Bosch PowerMore Range Extender (250 Wh) direkt am Akkucover befestigt werden, was die Gesamtkapazität auf 650 Wh erhöht. Das erweitert die Reichweite spürbar, ist aber ein Zubehörkauf, der den Gesamtpreis erhöht und das Fahrgefühl beeinflusst.
Das technisch auffälligste Merkmal dieses Modells ist die Shimano Alfine Di2-Nabenschaltung mit acht Gängen und elektronischer Betätigung, die ab 2027 über den Shimano CUES Di2 EN605-R Controller läuft.
Elektronische Nabenschaltungen sind im E-Bike-Segment nach wie vor selten – die Di2-Variante schaltet per Knopfdruck, ohne mechanischen Schaltzug, und ermöglicht auch das automatische Schalten im Stillstand. Die Schaltqualität ist gleichmäßig und unabhängig vom aktuellen Pedalwiderstand.
Acht Gänge bieten gegenüber einer Fünfgang-Nexus-Schaltung mehr Feinabstufung – gerade am unteren Ende der Spreizung ein spürbarer Vorteil. In Kombination mit dem Gates CDC-Riemenantrieb entsteht ein System, das nahezu wartungsfrei arbeitet: kein Ölen, keine Kabelzüge, die sich dehnen oder verschmutzen.
Das Schaltwerk benötigt Strom aus dem Antriebs-Akku – bei entleerter Batterie kann manuell in eine Notlaufposition geschaltet werden, was hoffentlich selten relevant wird.
Das Bosch Purion 200 ist ein kompaktes, übersichtliches Display mit integrierten Bedienelementen. Es sitzt am Lenker neben dem Griff und zeigt die wesentlichen Informationen an – Unterstützungsstufe, Geschwindigkeit, Restkapazität –, verzichtet aber auf das Farbdisplay und die Connectivity-Funktionen des KIOX 500. Für ein auf Einfachheit ausgerichtetes Stadtrad ist das eine stimmige Wahl; wer Navigationsunterstützung oder Smartphone-Anbindung sucht, muss auf ein anderes Display-Modell oder externe Lösungen zurückgreifen.
Die Shimano MT420-3A/MT410 mit Zwei-Kolben-Technik ist angesichts des Systemgewichtslimits von 140 kg Eigengewicht keine tatsächlich angemessene Dimensionierung. Da stand wohl das niedrige Fahrradgewicht vor Sorglos-Sicherheit. Auch wenn es noch viel schwerere Bikes gibt, machen die 22 Kilo das KTM Macina Superbelt zu keinem Cross-Country-Sportler. Größere Bremsscheiben nachzurüsten geht zumindest mit der Sunour-NCX32-Federgabel nicht. Die erlaubt maximal 180 mm.
Die Litemove RLX-100-Frontleuchte mit 100 Lux ist das hellste Licht im Vergleich beider hier vorgestellten Räder. Die nach unten gerichtete Abstrahlcharakteristik (down) beleuchtet den Fahrweg effektiv ohne Gegenverkehr zu blenden. Hinten arbeitet eine AXA Juno – ein funktionales, unauffälliges Rücklicht.
Die Schwalbe Marathon Mondial-Bereifung (47-622) ist etwas schmaler als der Marathon E-Plus am Macina City 820 XL Belt (50-622) und läuft mit RaceGuard-Pannenschutzeinlage. Die schmalere Dimension passt zum leichteren Gesamtkonzept, bietet aber etwas weniger Komfortpolster auf schlechtem Untergrund. Der Selle Royal Vaia Gel-Sattel übernimmt einen Teil dieser Aufgabe. Die Sattelstütze ist eine starre KTM-Eigenentwicklung – eine federnde Variante wie die bySchulz-Stütze des schweren Stadtmodells ist hier nicht verbaut.
Der KTM Alumee Snap-It 2.0-Gepäckträger ist Monkeyload-kompatibel, verzichtet aber im Unterschied zum Macina City 820 XL Belt auf die Kindersitz-Option – was dem niedrigeren Systemgewichtslimit entspricht.
22 kg sind für ein vollausgestattetes City-E-Bike mit Schutzblechen, Licht, Gepäckträger und Ständer ein akzeptabler Wert. Der Unterschied zu anderen günstigen City-E-Bikes beträgt teils mehrere Kilo – etwas, der im Alltag beim Tragen, Rangieren und Abstellen deutlich wahrnehmbar ist. Der leichtere Motor, der kleinere Akku und die auf leichteres Gewicht ausgerichtete Ausstattung tragen gemeinsam zu diesem Wert bei.
Das Macina Superbelt SX 10 Di2 verfolgt ein klar definiertes Konzept: leicht, wartungsarm, komfortabel, ohne den Anspruch auf maximale Reichweite oder Motorleistung. Die Kombination aus Bosch Performance SX, Shimano Alfine Di2 und Gates CDC-Riemen ist technisch stark und funktioniert im städtischen Flachland und auf moderatem Hügelgelände gut. Wer stärkere Unterstützung, höheres Systemgewichtslimit oder mehr Akkukapazität braucht, ist beim leistungsstärkeren Macina City 820 XL Belt besser aufgehoben.
Der Aufpreis für die Di2-Elektronik ist bei diesem Modell gut begründet: Elektronische Nabenschaltungen schalten präziser, komfortabler und wartungsärmer als mechanische Varianten – und passen zum Gesamtanspruch des Rades. Die 400 Wh Akkukapazität sind für Kurzstrecken ausreichend, sollten bei der Kaufentscheidung aber ehrlich bewertet werden. Wer regelmäßig längere Strecken fährt, sollte die Range-Extender-Option einplanen oder von Anfang an ein Modell mit größerem Akku in Betracht ziehen.
Für 3799 Euro bekommt man ein leichtes, technisch gut ausgestattetes Alltagsrad – unter der Voraussetzung, dass die Reichweite des kompakten Akkus mit dem eigenen Nutzungsprofil zusammenpasst.
Redakteur
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