Beim E-Auto sind viele das Fahren nur mit dem Gaspedal schon gewohnt. Gerade im Verkehrsfluss bewährt sich das flüssige Rollen ohne abrupte Bremsungen. Von kleinen Details abgesehen waren wir überrascht, wie weit Hepha mit der Umsetzung auch am E-Bike schon ist. Bis zur Marktreife dürfte dennoch etwas Zeit vergehen - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik
Das hier soll es sein, das erste, echte E-Bike. Mit dem Marketing geht Hepha also in die Vollen. Ein Quäntchen Wahrheit steckt aber dahinter. Denn das Urban X soll besonders konsequent als E-Bike gedacht sein und mehr sein als nur ein konventionelles Fahrrad mit einem Motorantrieb. Hepha mit Sitz in Maisach bei München ist eng mit dem chinesischen Motorenhersteller Gobao verknüpft und hat sich bei ihrem ambitioniertesten Projekt das E-Auto zum Vorbild genommen.
Die Idee: Wie ein E-Auto beschleunigt das Urban X, wenn man Gas gibt bzw. in die Pedale tritt. Neu: Wenn man Gas wegnimmt, also die Pedale also still stehen, bremst das Rad auch von selbst. Wie eine Motorbremse also, oder die Rekuperation beim E-Auto, das Vorbild für die Idee war. Tritt man rückwärts, fällt die Bremsung noch stärker aus. Durch dieses Beschleunigen und bremsen nur mit den Pedalen soll man maximal entspannt durch den Stadtverkehr gleiten, ohne je den Bremshebel benutzen zu müssen.
Möglich ist das Konzept auch wegen des besonderen Motors im Urban X. Hier kommt nämlich schon ein neuartiger eCVT Antrieb von Gobao zum Einsatz. Damit ist theoretisch sogar echtes Rekuperieren möglich und auch eine separate Gangschaltung entfällt komplett. Durch eine Einheits-Rahmengröße mit Sitzbank, auf der man nach vorne oder hinten rutschen kann, soll das Rad für große und kleine Fahrer gleichermaßen funktionieren, wenn auch eher für kurze Strecken. Ein superschnelles Ladegerät steckt im schwarzen Kasten unter der Sitzbank. Der Preis für das smarte Rad soll am Ende unter 3000 Euro liegen. Kaufen kann man das Hepha aber wahrscheinlich erst ab 2028.
Ausprobieren konnten wir das Hepha Urban X übrigens auch schon. Trotz Konzept-Status beeindruckt das bremsenlose Fahren und geht erstaunlich schnell in Routine über. Das Rad beschleunigt willig, wenn man in die Pedale tritt. Hört man auf zu treten, bremst das Rad sanft ab oder etwas stärker wenn man die Pedale rückwärts laufen lässt. Damit kann man tatsächlich selbst an konkreten Haltelinien stoppen, wie an einer roten Ampel.
Ein paar Baustellen gibt es aber noch. Aktuell bremst das Rad nur bis zu Schrittgeschwindigkeit herunter - wahrscheinlich aus Sicherheitsgründen. Damit das Konzept vom bremsenlosen fahren wirklich aufgeht, müsste das Rad auch bis zum Stillstand abbremsen. Auch andere Kleine Themen wie die Stärke der Rekuperation oder unnötiges Bremsen, wenn man in Kurven wegen der Schräglage nicht treten kann, müssen noch angegangen werden. Zu guter Letzte muss sich die Einheitsgröße noch bewähren. Die Sitzbank ist nur ein mittelmäßiger Kompromiss und funktioniert eher für Menschen um 1,70. Wer deutlich kleiner oder sehr viel größer ist, würde sich schon eine eigene Rahmengröße wünschen. Die Idee des selbstständigen Bremsens zeigt aber klares Potential.

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