Schäbig, klapprig, unbequem? Von wegen! Wir sind richtig beeindruckt, wie gut günstige E-Bikes mittlerweile sind. Die Räder funktionieren einfach. Wer schlicht radfahren will, muss kaum Einschränkungen hinnehmen. Erst mit gehobenen Ansprüchen oder für Gelände-Einsätze lohnt es sich, noch etwas mehr zu investieren. Neben Preis-Leistungswunder Cube sind uns im Test vor allem die betont komfortablen Tourer von Pegasus und Victoria ans Herz gewachsen. Tenways zeigt, was für ein cooles Stadtrad man sogar für 2000 Euro schon bauen kann.
Für mich ist das im Alltag längst zur Standard-Frage geworden: „Gib mir doch mal einen Tipp, welches E-Bike soll ich mir denn kaufen?“ Man kann es sich mit der Antwort sehr kompliziert machen. Bei Einsatzbereich, Budget und Anforderungen nachforschen, Modelle und Probefahrten vorschlagen. Warum das im Detail oft Sinn ergibt, dazu gleich mehr. Es kann aber auch einfach sein. Denn, so unsere Erfahrung, mit einem klassischen Touren E-Bike um 3000 Euro (wie Cubes Touring Hybrid Pro - hier im Test, oder Victorias Tresalo 4 - hier im Test) sind schon die meisten optimal bedient.
So bewährt unsere Empfehlung ist. Sie ist natürlich auch verkürzt. Wegen der Zusatzkosten für Motor und Akku bleibt ein E-Bike auch im relativ gesehen günstigen Bereich eine kostspielige Anschaffung. Sich etwas mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen lohnt sich auch für Technik-Muffel.
Anfangs ist immer die entscheidende Frage: Was möchte ich mit dem Rad machen? Und wie viel Geld kann ich ausgeben? Je vielfältiger die Anforderungen und je höher der Anspruch, desto teurer wird das Rad. Minimalistische City-Bikes wie das Canyon Citylite:On oder das Tenways CGO Compact (hier im Test) können etwas leichter und günstiger sein.
Weil Motor und Akku beim E-Bike per se viel Geld kosten muss man aber mindestens einen Betrag einkalkulieren, der Gelegenheitsradlern schon die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Selbst bei Preis-Leistungs-Ass Cube kostet das günstigste klassische E-Bike im Sortiment 2499 Euro. Noch günstiger geht es nur mit minimalistischen Urban-Bikes à la Tenways oder mit Gebraucht- oder Discounter-Rädern. Wer hier glücklich werden will, muss etwas mehr Fachwissen mitbringen. Für Einsteiger empfehlen wir deshalb klassische Modelle wie die aus unserer Auswahl, leicht über dem alleruntersten Limit.
Die gute Nachricht: Zwar kosten die günstigsten E-Bikes bei den meisten Herstellern an die 3000 Euro und das ist objektiv betrachtet immer noch viel Geld. Doch auch hier sind schon wirklich vielseitige und funktional ausgereifte Modelle dabei. Das liegt auch an der Technik, die über Jahrzehnte immer weiter verfeinert wurde. Viel High-Tech ist so längst bis in das mittlere und untere Preissegment durchgesickert.
Das gilt für viele zentrale Anbauteile am E-Bike wie Bremsen, Schaltungen und auch Reifen. Nur günstige Federgabeln à la Suntour NCX können wir wegen mangelndem Ansprechverhalten und mäßiger Haltbarkeit nach wie vor nicht empfehlen. Starrgabeln wären oft leichter und brauchen keine Wartung. Sie sind aber erklärungsbedürftiger im Verkauf und lassen sich deswegen schwerer an den Mann oder die Frau bringen.
Shimanos verbreitete MT-200 hydraulische Scheibenbremse kostet hingegen im Netz kaum 20 Euro, arbeitet aber stets gut dosierbar und zuverlässig. Sauber eingestellt flutschen die Gangwechsel auch mit der besonders günstigen Essa-Schaltung, die noch unter dem Einstiegsmodell Cues 4000 von Shimano angesiedelt ist. Und Schwalbes Tourenreifen funktionieren alle auf so einem hohen Niveau, dass nur für ambitionierte Fahrer Nuancen in der Ausrichtung auf Leichtbau, Komfort oder Pannenschutz entscheidend sind.
Ein weiteres Paradebeispiel, wo auch bewährte Einstiegsware längst völlig ausreichend ist, ist der Motor. Speziell Boschs Performance Line liefert als günstigster Antrieb im Portfolio mit 75 Newtonmeter und bis zu 600 Watt längst genug Leistung, selbst für schwer bepackte Radreisende oder Familien mit Kinderanhänger. Fahrgefühl und Dosierbarkeit sind top.
Die Frage nach der passenden Akkugröße ist da schon deutlich relevanter. Zumal unter 3000 Euro oft auch kleine Batterien verbaut werden, um zusätzlich etwas Budget zu sparen. Unsere Empfehlung: Im Stadtverkehr sind auch um 400 Wattstunden Masse genug. Wer lange Touren vorhat, oder besonders schwer ist, tut sich dagegen mit größeren Batterien definitiv einen Gefallen.
Heißt das, dass man höherwertige Anbauteile gar nicht mehr spüren würde? Natürlich nicht. Teurere Bremsen und Schaltungen liefern im Direktvergleich mehr Bremsleistung bei weniger Hebelkraft, definiertere Gangwechsel und eine feinere Abstufung bei gleichzeitig höherer Bandbreite. Bessere Motoren punkten mit noch weniger Fahrgeräusch, besseren Displays et cetera. Enthusiasten können hier die richtigen Komponenten finden.
Aber gerade wer neu auf dem E-Bike ist oder keinen gehobenen Anspruch hat, der kann allemal auch mit günstigen Anbauteilen tolle Rad-Erlebnisse haben. Und das ist es schließlich, was am Ende zählt. Welches Konzept am besten zu den eigenen Vorstellungen passt? Unsere acht Testbikes von Tour bis Alltag liefern die Antwort.
Über den Link geht’s zur jeweiligen Einzelbewertung:
>> Canyon Citylite:On im Test: Praktisch-stylischer Stadtflitzer
>> Preis-Leistungs-Tipp: Cube Hybrid Touring Pro im Test
>> Schlank und vielseitig: Giant Talon E+ EX
>> Handling-Profi: Kalkhoff Entice L Season
>> Pegasus Solero Evo 10: Fahrstabil und komfortabel
>> Komfort-Tipp: Victoria Tresalo 4 im Test
>> Retro & Urban: Clayton O2 Comfort
>> Alltags-Tipp für das Kompaktrad: Tenways CGO Compact im Test

Redakteur