Schaltungen, die Schlagzeilen machen sind normalerweise teurer Hightech. Egal ob Shimanos elektronische Di2 mit Free- und Autoshift-Funktionen oder Srams vermeintlich unkaputtbare Transmission: Die Kosten für Mountainbike-Schaltungen liegen oft im vierstelligen Bereich. Dabei sind Schaltungen Verschleißteile und nicht selten die ersten Opfer, wenn der Pilot mal abfliegt.
Erfreulich: Shimano zeigt mit der neuen Einsteiger-Schaltgruppe Essa, dass es auch anders geht. Die Schaltung hat zwar nur acht Gänge aber eine solide Übersetzungsbandbreite. Das gesamte Set kommt ausschließlich mit einem Kettenblatt vorne und wird vermutlich keine 120 Euro kosten. Kaum halb so viel wie allein die Kassette einer Oberklasse-Schaltgruppe wie Shimanos XT oder Srams GX Transmission.
Das Einsteiger-Lineup war bei Shimano bislang ziemlich unübersichtlich. Acera, Altus oder Tourney? Die Frage nach Einsatzzweck oder Wertigkeit der drei 8-fach-Gruppen konnten selbst wir als Fachmedium nicht zweifelsfrei beantworten. Dass Shimano mit der Essa alle drei Gruppen ablöst und damit das Portfolio deutlich aufräumt, ist also sicher der richtige Ansatz. Ebenfalls schön zu sehen: Die Essa wird mit allen drei Vorgängergruppen kompatibel bleiben. Einzelne Komponenten umzurüsten, sollte damit also kein Problem sein.
Shimano versteht die neue Essa (kurz für “essence of active”) als Einsteigergruppe für alle Klassen und will die 8-fach-Schaltung damit gleichzeitig deutlich aufwerten. Denn die Essa erbt Technologien, die wir bislang nur von deutlich teureren Schaltgruppen kannten. So kommt beim Kettenblatt ein Profil mit schmalen und breiten Zähnen zum Einsatz um Abspringen der Kette vorzubeugen (Narrow-Wide-Profil), außerdem steht das Schaltwerk möglichst wenig von der Kettenlinie ab. Damit soll verhindert werden, dass sich das Schaltwerk in Hindernissen einhakt und beschädigt wird.
Für Mountainbiker etwas schade: Auf den zuschaltbaren Reibungsdämpfer verzichtet Shimano, vermutlich aus Kostengründen. Wer diese Technik will, muss nach wie vor mindestens zur Deore 10-fach mit Shadow+ greifen. Eine optimierte Federspannung des Schaltwerks soll Kettenklappern bergab bei der Essa trotzdem minimieren.
Mit einem Preis von voraussichtlich 120 Euro für das gesamte Schaltgruppen-Set ist die neue Essa eine der günstigsten Schaltungen am Markt. Keine echte Schaltgruppe allerdings, wie bei den teureren Modellen, denn das Essa-Logo tragen erstmal nur Schaltwerk und Kurbel. Kette, Kassette und Schalthebel bleiben erstmal unangetastet. Der Clou an der Essa ist der besonders niedrige Preis.
Allerdings: Die Deore 10-Fach ist gerade als ganzes Set nur unwesentlich teurer und bietet mehr Gänge, außerdem Features wie das gedämpfte Schaltwerk mit Shadow+-Technologie. Unser Tipp für besonders preisbewusste Biker. Wer immer noch günstig will, aber Funktion voll auf der Höhe der Zeit greift zur Deore 12-Fach, zur etwas günstigeren 11-Fach Deore die es immer noch gibt, oder zu einer der extra haltbaren Linkglide-Gruppen wie der Deore Linkglide. Rein von der Funktion her sind die im Blindtest kaum noch von den Premium-Modellen XT Linkglide oder XT Hyperglide zu unterscheiden.

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