Florentin Vesenbeckh
· 19.10.2026
Helen Weber und Raphaela Richter haben bei den UCI-Weltmeisterschaften in Finale Ligure Geschichte geschrieben. Weber gewann am Samstag den Titel im E-Enduro. Einen Tag später sicherte sich Richter auch noch Gold im klassischen Enduro. Damit gehen erstmals UCI-Weltmeistertitel in den Elite-Kategorien Enduro und E-Enduro an deutsche Fahrerinnen.
Weber setzte sich im E-Enduro überlegen über sechs Wertungsprüfungen durch. Mit einer Gesamtzeit von 44:37,705 Minuten verwies sie die Französinnen Laura Charles und Estelle Charles auf die Plätze zwei und drei. Fünf Stages konnte Weber mit Bestzeit absolvieren, auf der letzten Stage fuhr sie die zweitbeste Zeit. Ein deutlicher Sieg, denn am Ende lag Laura Charles eine Minuten und 18 Sekunden zurück. Vierte wurde ebenfalls eine Deutsche: Die zweifache Mutter Ines Thoma verpasste das Podest nur knapp.
Die Weltmeisterin Helen Weber war auf dem neuen Avinox-Enduro ihres Sponsors Rotwild unterwegs. Das vielseitige Carbon-Bike haben wir in diesem Artikel schon ausführlich beleuchtet.
Am Sonntag folgte Richters großer Auftritt im Enduro. Das Rennen gestaltete sich deutlich enger als Webers Erfolg am Vortag. Bis zur letzten Stage auf dem ikonischen Trail “DH Men” war alles offen. Auf dem anspruchsvollen Track konnte Richter mit Rang drei ihren Vorsprung hauchdünn verteidigen. Die Deutsche gewann das Rennen nach sechs Stages mit nur 1,575 Sekunden Vorsprung vor der Französin Isabeau Courdurier, die auf dem DH Men mit einer überragenden Bestzeit nochmal richtig Boden gut machte. Bronze holte die Italienerin Nadine Ellecosta. Der anspruchsvolle Kurs führte über 76 Kilometer und umfasste 2.131 Höhenmeter im Uphill sowie 2.349 Tiefenmeter.
Den Vorgänger von Raphaela Richters Race-Enduro, das Crossworx Dash, konnten wir bereits testen. Doch Richters aktuelle Rennmaschine steht mit neuem Rahmen und klarem Fokus auf deutsche Komponenten eine ganz andere Marke.
Die UCI vergab die ersten Weltmeistertitel im Enduro und E-Enduro 2024. Damals gewann Raphaela Richter Bronze im E-Enduro, deutsche Goldmedaillen gab es nicht. Auch 2025 gingen die Elite-Titel an Fahrerinnen und Fahrer aus anderen Nationen. Doch die Enduro-Kategorie hat eine deutlich längere Tradition. Seit 2013 wurden die Weltmeister jährlich in der Enduro World Series EWS gekürt. Titel in der Elite-Kategorie für deutsche Athleten gab es all die Jahre nicht. Der Doppelerfolg im Enduro-Mekka Finale Ligure ist also alles andere als gewöhnlich.
Der Erfolg der beiden Bikerinnen trifft in eine schwierige Zeit für den Enduro-Sport. Die UCI gab zusammen mit Warner Brothers bekannt, dass der Enduro-Worldcup EDR 2027 aus dem Kalender gestrichen wird. Die E-Enduro-Serie EDR-E war schon 2026 nicht mehr im Programm. Nun bangen Athletinnen und Athleten um ihre Sponsorenverträge und Enduro-Fans um eine definierte Bühne für den Spitzensport. Doch es gibt Hoffnung für einen Neustart: Wir haben mit Enduro-Altstar Christian Textor über den Startschuss für eine neue Enduro-Rennserie gesprochen, alle Infos hier im Link.
Bei den Herren holte sich der Australier Ryan Gilchrist den WM-Titel im Enduro. Nach sechs Stages siegte er mit 4,860 Sekunden Vorsprung vor dem Kanadier Elliot Jamieson und dem US-Amerikaner Richie Rude. Bester Deutscher war Moritz Silberhorn auf Rang 22. Im E-Enduro triumphierte der Franzose Adrien Dailly vor seinem Landsmann Damien Oton und dem Belgier Martin Maes. Christian Textor fuhr als bester Deutscher auf einen starken neunten Platz. Deutschlands Enduro-Racer Nummer 1 hatte sich zur Saison 2026 aus dem Worldcup-Zirkus zurückgezogen. Seitdem steht der Vierfach-Papa nur noch sporadisch an der Startlinie von Enduro-Rennen.

Redakteur CvD
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