Worldcup-Aus für den EDRIst der Enduro-Rennsport am Ende? Drei Insider, drei Meinungen

Laurin Lehner

 · 10.09.2026

Worldcup-Aus für den EDR: Ist der Enduro-Rennsport am Ende? Drei Insider, drei MeinungenFoto: Rick Schubert / YT Industries
Enduro-Worldcup-Aus und jetzt?
Warner Brothers hat zusammen mit der UCI den Enduro-Worldcup aus dem Kalender 2027 gestrichen. Es soll eine neue Enduro-Serie geben, final ist das aber noch nicht. Drei Insider, drei Meinungen.

Kurz nach dem letzten Enduro-Worldcup platzte die Bombe. Die UCI gab per Pressemitteilung bekannt, dass der EDR 2027 nicht mehr stattfinden wird. Die Weltmeisterschaft dagegen soll weiterhin unter UCI-Flagge laufen.

Nach dem Aus der E-Serie kommt die Nachricht für viele nicht überraschend, dennoch herrscht im Fahrerfeld Aufregung.

Wir haben drei Insider befragt, darunter Deutschlands erfolgreichste Enduro-Worldcupperin Raphaela Richter, Serienmeister Christian Textor und Enduro-Pionier Uwe Buchholz.

Stand der Dinge:

2027 wird es keinen Enduro-Worldcup mehr geben. Die UCI hat zumindest ein Bein noch in der Enduro-Tür. An der Weltmeisterschaft soll festgehalten werden. Kurz nach der Verkündung hat die Crankworx-Organisation ein grobes Konzept aus der Schublade gezogen und sich als möglicher Serienorganisator geoutet. Weder die Anzahl der Rennen noch das Wertungssystem, die Kategorien, die Qualifikationsregeln oder ein vollständiger Kalender wurden bislang veröffentlicht. Auch eine mögliche Verbindung zur UCI wird in der Ankündigung nicht erwähnt. Von einer Integration einer E-Wertung ist auch nicht die Rede, was durchaus verwundert.

Am Ende entscheidet vermutlich die Industrie, ob sie investieren will oder das Worldcup-Aus als Anlass nimmt, um ihr Rennbudget einzusparen. Schade wäre es allemal.

Vier Meinungen

​Das Ende des EDR Worldcups ist keine Tragödie – es ist eine Chance. Warner Brothers hat den Sport zuletzt gehemmt und ist für Teams sauteuer geworden. Dazu überschaubare mediale Reichweite und eine Locationpolitik, die alles Abenteuerliche aus dem Enduro getilgt hat. Die Industrie hat das längst registriert und ist schon abgewandert. Jetzt tüfteln Crankworx und ein aktiver Fahrer-Rat gemeinsam an einer neuen Serie – eine, die wieder an die Wurzeln anknüpft: unbekannte Orte, Amateur-Klassen, faire Kosten. Wenn das gelingt, werden Hersteller und Sponsoren sagen: Da wollen wir dabei sein. Hoffentlich fällt die Entscheidung diesen Winter – nächstes Jahr soll es bereits eine Bühne geben.
Christian Textor, Deutschlands erfolgreichster Enduro-Worldcup-Fahrer
Ich war überrascht. Und doch nicht überrascht. Klar, der EDR stand schon lange auf dem Prüfstand. Beim letzten Worldcup-Stopp gab es den Buschfunk, nächstes Jahr geht's weiter wie bisher. Dann die Nachricht. Zu Beginn musste ich schlucken, doch je länger ich darüber nachdachte, umso positiver sah ich es. Denn es gibt einen neuen potenziellen Serien-Organisator – und hier dürfen wir Fahrer zum ersten Mal mitbestimmen. Das ist neu und es gibt Grund zur Freude und Hoffnung. Die Industrie ist hoffentlich mit an Bord – mein Gefühl sagt mir ja, denn das Enduro-Segment ist wichtig, das wissen auch sie.
Raphaela Richter, Enduro-Worldcupperin
​Das Ende des EDR Worldcups hat mich nicht wirklich überrascht. Die UCI hat die Promotor-Rechte komplett an Warner Bros. abgegeben – und das war nie ein gutes Dach für den Endurosport. Das Format hat sich immer weiter von seinen Wurzeln entfernt: hin zu den großen, etablierten Wettkampforten, weg von den Veranstaltungen, die Enduro eigentlich ausmachen. Und das versprochene Mehr an Geld und Reichweite? Davon war in all den Jahren nichts zu spüren.

Umso mehr freue ich mich, dass Crankworx Interesse signalisiert, eine neue Serie aufzubauen. Die waren übrigens schon 2012 bei der Gründung der EWS mit dabei – sie kennen das Thema. Ich hoffe, sie kehren zu einem Modell zurück, das lokale und nationale Veranstalter wieder einbindet und ihnen Gestaltungsfreiheit lässt. Genau das hat Enduro groß gemacht. Das ist kein Ende – das ist eine Chance.
Uwe Buchholz, Deutscher Enduro-Vater

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Laurin Lehner

Laurin Lehner

Redakteur

Der gebürtige Südbadener Laurin Lehner ist laut eigenen Angaben ein lausiger Racer. Vielleicht fasziniert ihn deshalb kreatives, verspieltes Biken. Für ihn zählt nicht, wie schnell man von A nach B kommt, sondern was dazwischen passiert. Lehner schreibt Reportagen, interviewt Szene-Größen und testet Produkte und Bikes - am liebsten welche mit viel Federweg.

Meistgelesen in der Rubrik Events

Shorts