Die UCI gab zusammen mit Warner Brothers bekannt, dass der Enduro-Worldcup EDR 2027 aus dem Kalender gestrichen wird. So entfällt nach der E-Enduro-Serie EDR-E die nächste Kategorie. Nun bangen Athletinnen und Athleten um ihre Sponsorenverträge und Enduro-Fans um eine definierte Bühne für den Spitzensport. Neue Serien-Organisatoren stehen anscheinend in den Startlöchern und tauschen sich mit dem Fahrerrat aus. Wir haben einen davon interviewt. Ein Anruf bei Christian Textor.
Texi, der EDR Worldcup ist Geschichte. Grund, traurig zu sein?
Ganz sicher nicht. Eher eine Chance, den Sport wieder zu dem zu machen, was er ist. Das Ende war vorhersehbar. Die falschen Leute saßen am Ruder. Jetzt kommt was Neues, das wieder an die Wurzeln des Enduro-Gedankens anknüpft.
Du meinst, eine mögliche Crankworx-Serie, an der gerade getüftelt wird?
Ja, das Crankworx-Konzept ist ein Baustein. Sie hatten schon länger vor, eine neue Enduro-Serie aufzuziehen. Das Timing war günstig, das Konzept jetzt aus der Schublade zu holen. Doch es gibt noch einen weiteren potenziellen Serien-Organisator. Vielleicht wird es auch eine Kombi aus beiden. So oder so: Jetzt können die richtigen Leute wieder das Ruder übernehmen und den Sport so aufstellen, wie die Fahrer das wollen.
Viele Hersteller und Sponsoren könnten sagen: Die Champions League des Enduro-Sports ist weg, der Branche geht's eh nicht gut – warum jetzt noch investieren?
Ich glaube, den Punkt haben wir schon hinter uns. Die EDR war schon lange klinisch tot. Das entging auch der Industrie nicht. Warner Brothers mit dem Fokus XCO und DH hat den EDR-Worldcup für Teams unverhältnismäßig teuer gemacht. Allein die Anmeldegebühren für ein Team waren immens, die Kosten vor Ort hoch, die mediale Coverage überschaubar. Wollte man einen eigenen Filmer mitbringen, musste man den akkreditieren lassen – kostenpflichtig natürlich. Es wurden überall Hürden aufgebaut. Deshalb sind die meisten in den letzten Jahren schon abgewandert.
Du glaubst also, die Industrie hat Bock auf eine neue Serie?
Ja, wenn man jetzt etwas baut, das wieder cool und einzigartig ist, werden Hersteller sagen – da wollen wir dabei sein. Und sehr wahrscheinlich müssen sie dafür weniger Geld in die Hand nehmen.
Das Konzept soll nicht nur an die bestehenden Crankworx-Events in Neuseeland und Kanada gebunden sein, sondern auch Standalone-Events beinhalten.
Genau, das wird gerade diskutiert – in enger Abstimmung mit Fahrern. Wir haben über die letzten Jahre eine Fahrergewerkschaft aufgebaut. Mit dieser Gruppe laufen aktuell wieder Meetings, auch mit der Industrie. Ich weiß nur so viel: Der Konsens vieler potenzieller Sponsoren lautet: „Wir wollen."
Welche Fehler dürfen nun nicht gemacht werden?
Nicht immer die gleichen Locations, ein spannendes Punkte-Reglement, Austausch mit Organisatoren und ganz wichtig: Die neue Serie wieder für mehr Sportler zugänglich machen.
Du meinst eine Amateur-Klasse?
Ja, die braucht's. Denn Enduro ist ein Teilnehmersport. Und die gab's zu EWS-Zeiten auch, weil Veranstalter sich darüber mit Startgeldern finanzieren. Warner Brothers wollte es exklusiv halten, ein Fehler, wie ich finde. Denn so konnten sich die Teilnahme nur Tourismus-Hochburgen wie Leogang leisten. Und damit verlierst du genau die Locations, die Enduro erst interessant machen.
Uwe Buchholz – Deutschen Enduro-Urgestein, meinte, das Hard Enduro (Motocross) macht's vor: Lass den Veranstaltern Raum zur Gestaltung, das macht eine Serie erst interessant. Siehst du das ähnlich?
Das wird tatsächlich diskutiert. Das Hard-Enduro-Modell ist durchaus Vorbild – dort können sich Fahrer aussuchen, welche Rennen sie fahren wollen, nach einem Punktesystem. Meine Idealvorstellung wäre zum Beispiel: zehn Rennen auf Worldcup-Niveau, fünf in Europa, zwei in Amerika, zwei in Ozeanien, eines in Afrika – und nur die besten sieben zählen fürs Gesamtergebnis. Veranstalter in Südamerika, zu denen vielleicht weniger Profis kommen, könnten die Topfahrer einladen und eine Appearance-Fee zahlen. Wenn Veranstalter nicht mehr hunderttausende Euro an Warner Brothers abdrücken müssen, haben sie vielleicht plötzlich Budget dafür.
Wie wichtig sind die Locations?
Hierin liegt die größte Chance. Was hat die EWS damals so faszinierend gemacht? Orte, wo noch nie jemand Rad gefahren ist. Plätze, die man nicht kannte. Diese Locations sind rausgeflogen, weil sie die Preisrahmen von Warner Brothers nicht stemmen konnten. Dabei sind das genau die Orte, die Enduro ausmachen: das Neue, das Abenteuerliche.
Wie ist der Zeitplan für die neue Serie?
Updates gibt's hoffentlich im Winter. Nächstes Jahr soll es schon eine Bühne geben, auf der sich die Rennfahrer messen können. Ob das direkt das endgültige Serienprodukt ist – keine Ahnung. Aber es wird etwas geboren, das dann hoffentlich gesund und nachhaltig wachsen kann. Ich freu mich drauf.
Christian “Textmann” Textor ist Deutschlands erfolgreichster Enduro-Racer. Mittlerweile hat der Siegener seine Race-Karriere an den Nagel gehängt und ist bei seinem Sponsor YT in der Entwicklung tätig. Trotzdem ist er noch Teil der Enduro-Fahrergewerkschaft und engagiert sich für eine bessere Zukunft des Enduro-Rennsport.
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