Nach E-MTB-Racing jetzt Cross CountryWeltmeister Joris Ryf zurück auf leichtem Bike

Jan Timmermann

 · 29.05.2026

Joris Ryf darf sich Weltmeister einer ausgestorbenen Sportart stellen: E-XC-Racing. Nun begleitet er das Specialized Factory Racing Team auf der Jagd nach der Cross Country Korne.
Foto: dpa/Maxime Schmid
Joris Ryf ist Weltmeister im E-Bike-Racing. Nun gab die UCI das Aus für das Wettkampf-Format mit Motorunterstützung bekannt. Ryf bleibt jedoch Teil des extrem erfolgreichen Specialized Factory Racing Teams und kehrt dort nun zurück zu seinen Wurzeln. Wir haben mit dem Schweizer über die neue Cross Country Saison gesprochen.

Joris Ryf begann bereits in jungen Jahren mit Cross-Country-Rennen und entwickelte sich später zu einem Spezialisten für E-XCO-Wettbewerbe. Erst 2020 wechselte der 1997 geborene Biker aus dem Kanton Bern vom Cross-Country- aufs E-MTB. Mit seinen technischen Fähigkeiten in anspruchsvollen Anstiegen und Abfahrten machte sich der Schweizer schnell einen Namen. 2023 krönte er sich bei der Weltmeisterschaft in Glasgow zum schnellsten E-Biker der Welt. Für 2026 verkündete der Rennsportverband Union Cycliste Internationale (UCI), die Disziplin E-XCO nicht mehr fortführen zu wollen.

Neben seiner Karriere als Profi-Biker arbeitet Joris Ryf auch als Coach und betreut diverse ambitionierte Athleten. Diese Kompetenzen dürften auch für seine Zukunft im Specialized Factory Racing Team entscheidend sein. Das Cross-Country-Team der Kalifornier dominierte die World Cup Saison 2025. Im Interview sprachen wir mit Ryf über Racing, Vorbereitung und das neue Rennjahr.

Das Erfolgsgeheimnis von Specialized Factory Racing

BIKE: Specialized Factory Racing war in der Cross Country World Cup Saison 2025 quasi unschlagbar. Was hat die Mannschaft deiner Meinung nach so erfolgreich gemacht?

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JORIS RYF: Unser Team-Spirit war einfach wirklich gut. Das gilt nicht nur für die Athleten, sondern auch die gesamte Truppe hinter den Fahrern. Egal ob Team-Manager, Mechaniker oder Performance Coach: Alles hat super zusammengepasst und einen guten Schwung ins Team gebracht. Die Motivation dazu gemeinsam etwas zu erreichen hat uns das ganze Jahr über angetrieben. Wir haben immer versucht besser zu werden, haben geschaut, was die anderen leisten und stets versucht sie zu übertreffen.

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Lässt sich so ein Erfolg für die Saison 2026 noch steigern?

Athleten, Material und Team können immer noch besser werden. Gerade erst haben wir das Specialized Epic 9 gelauncht, welches das super erfolgreiche Epic 8 als Racebike nochmal übertrifft. Leichter, sensibler, performanter: Das kann schon noch etwas ausmachen.

Die Cross Country Saison hat gerade begonnen. Bist du in Topform?

Bei mir läuft es sehr gut aber ich bin nicht die Priorität des Teams. Mir ist es vor allem wichtig das Team zu begleiten, bei dessen Entwicklung dabei zu sein und als Technik-Coach zu agieren. Aktuell habe ich viel mit unseren weiblichen Fahrerinnen gearbeitet und kann sagen, dass die drei in Topform sind. Bei den Männern haben wir einen Clean-Sweap, also alle drei Podiumsplätze bei einem World Cup Rennen, bereits geschafft. Bei den Frauen arbeiten wir noch an diesem Ziel.

Das erste Cross Country World Cup Rennen in Korea war bereits sehr spannend. Specialized-Teamfahrerin Sina Frei schnappte sich den Sieg. Konntet ihr euch auf die Strecke gut vorbereiten?

Von der Strecke hatten wir im Vorfeld eigentlich keine Ahnung. Es gab Gerüchte aber nichts belastbares. Wir waren vorher noch nicht dort in Korea und bekamen die genauen Streckendaten auch erst zwei Wochen vor dem Rennen zugespielt. Tatsächlich hatten wir aber bereits mit schwierigen Wetterbedingungen und viel Matsch gerechnet.

Auf welchen World Cup Stopp freust du dich am meisten?

Für mich ist immer Nove Mesto eines der Highlights. Einfach weil die Stimmung gut und die Strecke cool ist. Für mich als Schweizer sind aber natürlich auch alle Rennen im eigenen Land super, weil ich dort viele bekannte Gesichter sehen werde. Lenzerheide steht also auch ganz oben auf der Liste.

Wie sehr schlaucht eine volle World Cup Saison? Gibt es zwischen den Rennen genügend Zeit zur Regeneration?

Nicht immer kann man beim letzten Rennen noch 100 Prozent abrufen aber es kommt ganz darauf an, wie man sein Tapering steuert. Wenn du am Anfang der Saison noch nicht ganz in Form bist, wird es hintenraus sehr schwierig. Man muss seine Peaks gezielt setzen, sei das auf der WM oder bei einem speziellen World Cup Rennen. Ich glaube wir Europäer dürfen nicht klagen. Unsere Fahrer aus Amerika sind lange von Zuhause weg und das ist viel härter als wenn ich nach einem Rennwochenende fünf Tage oder sogar zwei Wochen daheim habe. Das darf man nicht unterschätzen.

Einige Specialized Teamfahrer schwören auf Meditation und Atemtraining. Wie kann das einem Athleten helfen?

Das sind Rituale, die einem helfen runterzukommen und die man überall machen kann - egal ob im Trainingslager oder im Hotelzimmer. Chris (Blevins) meditiert jeden Tag aber auch uns anderen Fahrern bringt das allen etwas.

Fazit

Auch wenn die Weltmeister-Disziplin von Joris Ryf gestrichen wurde, so ist er doch ein wichtiger Know-How-Träger im Specialized Factory Racing Team. Seine Insights in das Leben als XC-Profi und in die individuelle Situation der Fahrer machen klar, wie professionell unser Sport inzwischen geworden ist. Wir dürfen sehr gespannt sein, ob Specialized an die Erfolge aus dem Vorjahr anknüpfen kann - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

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Jan Timmermann

Redakteur

Jan Timmermann ist ein Mountainbiker aus echtem Schrot und Korn. Dabei deckt sein Interesse von Marathon- bis Trailbikes und von Street bis Gravel fast alles ab. Getreu dem Motto „das Leben ist zu kurz für langweilige Fahrräder“ hängt Herz des Technik-Redakteurs jedoch vor allem an Bikes mit Charisma. Nebenbei leitet Jan auch noch das Fitness-Resort unserer Radsport-Marken.

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