Red Bull Cerro Abajo Genua und Stuttgart 2026„Wenn du cool hingehst, fliegst du schnell raus“

Dimitri Lehner

 · 13.06.2026

Da haben wir schon drei Favoriten für Stuttgart. Hier das Podium vom Cerro Abajo Genua 2025: Fischbach (Silber), Roger Vieira (Gold), Adrien Loron (Bronze).
Foto: Red Bull / Bartek Wolinski
Johannes Fischbach ist Deutschlands erfolgreichster City-Racer. Wir sprachen mit ihm über die Super-Events in Genua und Stuttgart, über Druck, Strategie, gefährliche Treppen und warum er sich vor Stuttgart nicht verrückt macht.

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Genua, Stuttgart, Valparaíso: Für Johannes Fischbach sind Urban-Downhill-Rennen kein Wochenendspaß, sondern Vollgas-Veranstaltungen mit sehr realen Konsequenzen. Im Gespräch mit BIKE erklärt der Silbermedaillengewinner von Genua, warum ihn Treppen nicht nervös machen, warum er keine Videos von Strecken studiert – und weshalb der gefährlichste Teil eines Rennens oft im Kopf stattfindet.

Druck? Immer.

BIKE: Jetzt kommen mit Genua und Stuttgart die großen Highlights der Saison. Wo ist der Druck größer?

Johannes Fischbach: Gleich groß. Ich will bei beiden Rennen performen. Klar freut es mich, dass Stuttgart vor deutschem Publikum stattfindet. Aber ich setze mich deswegen nicht zusätzlich unter Druck.

BIKE: Du machst das seit Jahren. Wird man irgendwann entspannter?

Fischbach: Überhaupt nicht. Wenn du bei solchen Events vorne mitfahren willst, bist du immer am Limit. Ein Sturz oder ein kleiner Fehler kann dort viel größere Konsequenzen haben als bei einem normalen Rennen. Wenn du zu locker rangehst nach dem Motto „Wird schon“, geht das oft schief. Das funktioniert bei Red Bull Cerro Abajo nicht.

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Warum Valparaíso anders ist

BIKE: Das Rennen in Valparaíso, Chile gilt als das gefährlichste Urban-Downhill-Rennen der Welt. Stimmt das?

Fischbach: Für mich schon. Die Strecke ist extrem eng, voller Hindernisse, Treppen, Mauern, Ecken. Wenn du dort stürzt, weißt du oft schon beim Abflug: Das wird nicht schön. Genua ist schneller, aber breiter. Die Sturzräume sind kalkulierbarer.

BIKE: Und Stuttgart?

Fischbach: Über Stuttgart weiß ich fast nichts. Ich habe keine Ahnung, wie das Streckenlayout aussieht. Was du vorher siehst ist eigentlich für die Katz – das habe ich die letzten 15 Jahre gelernt. Du machst dich nur sinnlos verrückt. Erst ab dem Trackwalk zählt es. Ich weiß, was ich brauche, um bei einem City-Downhills zu performen. Und so bereite ich mich vor.


„Erst wenn ich dort bin, zählt, was ich sehe. Der Trackwalk entscheidet.“

Treppen trainieren? Nur bedingt.

BIKE: Dein Buddy Tomáš Slavík fährt zum Treppentraining nach Prag. Machst du so etwas auch?

Fischbach: Nein. Ich mache manchmal Projekte – bestimmte Treppensets oder Sprünge, die ich ausprobieren will. Aber ich fahre nicht regelmäßig in Städte, um Treppen zu trainieren.

BIKE: Warum nicht?

Fischbach: Weil viele Urban-Downhills gar nicht hauptsächlich aus Treppen bestehen. In Genua zum Beispiel musst du vor allem wie ein sehr guter Downhill-Fahrer fahren: wenig Speed verlieren, sauber beschleunigen, präzise Linien halten. Die Treppensprünge sind nur ein kleiner Teil der Strecke.

Silber war gut. Aber nicht perfekt.

BIKE: Du warst in Genua Zweiter. Was kann man da noch verbessern?

Fischbach: Eine Menge. Ich komme gerade wieder in einen richtig guten Trainingsflow. Knie und Rücken haben mich lange gebremst, dann kam im Winter noch das Schlüsselbein dazu. Jetzt kann ich wieder härter trainieren und merke, wie ich stärker werde.

BIKE: Und fahrerisch?

Fischbach: In Genua habe ich unten Zeit verloren, weil ich das Gas rausgenommen habe. Ich wusste, ich bin auf einem guten Lauf und wollte ihn ins Ziel bringen. Wenn du gewinnen willst, musst du bis zur Ziellinie pushen – und hoffen, dass es glatt geht.

Wer gewinnt Stuttgart?

BIKE: Nenn uns deine Favoriten.

Fischbach: Tomáš Slavík gehört immer dazu, vor allem auf verwinkelten Strecken. Juanfer Vélez ist für mich der Mann, den es zu schlagen gilt, sobald es richtig schnell und verrückt wird. Roger Vieira ist im Weltcup stark unterwegs, hat in Chile den zweiten Platz belegt und stand bei der Red Bull Hardline in Tasmanien auf dem Podium. Der Brasilianer hat einen Lauf gerade. Und Adrien Loron darf man auch nicht unterschätzen.

BIKE: Warum Loron?

Fischbach: Weil er sich extrem spezifisch vorbereitet. Der trainiert im Winter fast nur Treppen und Urban-Skills. Der fängt an, Dinge zu fahren, die bisher kaum jemand macht – etwa Manual-Landungen in Treppensets. Das ist ein komplettes Skillset für diese Sportart.

Preisgeld? Reich wird keiner

BIKE: Mit welchem Bike gehst du an den Start?

Fischbach: Mit meinem Raymon Rokua. Ein leicht modifiziertes Carbon-Enduro mit 170 Millimeter Federweg. Eigentlich ein Full-29er, aber wegen meiner kurzen Beine fahre ich hinten ein kleineres Laufrad.

BIKE: Und das Fahrwerk wird wieder betonhart aufgepumpt?

Fischbach: Kommt auf die Strecke an. Meist fahre ich etwas härtere Set-ups als viele andere. Aber das hängt vom Kurs ab.

BIKE: Wird man mit Urban Downhill reich?

Fischbach: (lacht) Kommt darauf an, wo man lebt. In irgendeinem Dorf in Asien vielleicht.

BIKE: Wie sehen die Preisgelder aus?

Fischbach: Der Sieger bekommt ungefähr 6.000 bis 6.500 Euro. Danach geht es relativ schnell runter. Für den Mountainbike-Sport ist das okay. Aber reich wird davon niemand.

BIKE: Nicht einmal in Südamerika?

Fischbach: Nein. Auch dort liegen die Siegerprämien ungefähr in diesem Bereich. Rennen mit fünfstelligen Preisgeldern sind im Gravity-Sport extrem selten geworden. Mir fällt aktuell keines ein.
„Wenn du vorne mitfahren willst, bist du immer am Limit.“

Johannes Fischbach startet weiterhin auf seinem modifizierten Raymon-Enduro mit 170 Millimetern Federweg und kleinem Hinterrad. Und vielleicht, verrät er mit einem Grinsen, kommt in Stuttgart noch ein neuer Reifentrick dazu. Mehr will er vor dem Rennen nicht verraten.

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Dimitri Lehner ist diplomierter Sportwissenschaftler. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihn fasziniert fast jede Disziplin des Funsports – neben Biken ganz vorne: Windsurfen, Skifahren und Fallschirmspringen. Seine neueste Leidenschaft: das Gravelbike. Damit fuhr er kürzlich von München an die Ostsee – und fand es herrlich. Und anstrengend. Herrlich anstrengend!

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