Laurin Lehner
· 06.09.2026
Sinyard kehrt nach vier Jahren an die Unternehmensspitze zurück. Für den Firmengründer bedeutet dies eine Rückkehr in eine ihm bestens bekannte Rolle. Erst 2022 hatte Sinyard den CEO-Posten nach 48 Jahren abgegeben – an den früheren Dyson-Manager Scott Maguire. Sinyard selbst blieb dem Unternehmen als Gründer, Vorstandsvorsitzender und Chief Rider Advocate erhalten.
Schon zwei Jahre später folgte der nächste Führungswechsel: 2024 übernahm Armin Landgraf, der zuvor schon im Unternehmen war, das Ruder, während Maguire in eine neu eingerichtete Einheit für Innovation und Technologie wechselte.
Armin Landgraf gilt als Analytiker, Problemlöser und Insidern zufolge als sehr integer.
Nun zieht der 76-jährige Sinyard also selbst die Zügel wieder an sich. Ob es sich dabei um eine dauerhafte Lösung oder eine Übergangsregelung handelt, lässt die offizielle Mitteilung offen.
Erst kürzlich interviewten wir Mike. Hier gehts zum Interview: >> Interview Mike Sinyard <<
Bei meiner Rückkehr in die CEO-Rolle treibt mich dieselbe Leidenschaft an, Fahrer und Händler zu unterstützen. Ich habe Specialized im Kern immer als einen großen Fahrradladen betrachtet, und ich komme weiterhin jeden Tag mit dem Anspruch zur Arbeit, daraus den bestmöglichen zu machen.
Unser weltweites Team ist stärker denn je und arbeitet auf Grundlage einer klaren langfristigen Strategie. Wir sind Armin für seine Führung und seinen Beitrag sehr dankbar, mit denen er unser Fundament für nachhaltigen, langfristigen Erfolg gestärkt hat. Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.
Mike Sinyard, Specialized-Gründer
Mit seinem Abgang verliert die Branche eine ihrer bekanntesten europäischen Führungspersönlichkeiten. Der Deutsche blickt auf Stationen bei Pon.Bike und Canyon (Vorstandsvorsitzender bis Ende 2021) zurück.
Specialized zu führen, war ein großes Privileg. Ich bin stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben, und dankbar für unsere Mitarbeiter, Fahrer und Partner auf der ganzen Welt. Specialized ist gut aufgestellt, mit einer klaren Strategie und einem außergewöhnlichen Team.
Armin Landgraf
Über die Gründe seines Abschieds schweigt das Unternehmen. Die Mitteilung beschränkt sich auf die Feststellung, dass Landgraf sein Amt zum 1. November niederlegt und das Unternehmen verlässt.
Ich habe Armin Landgraf bei Specialized als außergewöhnlich kompetenten Manager und großartigen Menschen erlebt. Für mich ist er einer der wenigen echten Spitzenmanager unserer Branche. Sein Weggang ist ein großer Verlust für Specialized. Ich bin überzeugt, dass er ganz wesentlich dazu beigetragen hat, das Unternehmen so gut durch die Krise zu manövrieren.
Peter Denk, langjähriger Specialized Konstrukteur
Auch die alten Garagen-CEOs der Direktversender-Marken YT Industries aus dem Frankenland und Canyon aus Koblenz haben wieder ihre Gründer an der Spitze der Unternehmen. So kaufte Markus Flossmann bei der Insolvenz Mehrheitsanteile des Unternehmens zurück und will die Marke nun wieder als CEO auf Kurs bringen. Während der Boom-Jahre während und nach Covid platzierte das Unternehmen einen branchenfremden Ex-Amazon-Manager Sam Nichols an die Spitze.
Das Interview mit Markus Flossmann gibts hier: >> Interview Markus Flossmann <<
Gleiches Spiel bei Canyon. Ex-Nike-Manager Nicolas de Ros Wallace führte Canyon, wurde aber nach dreieinhalb Jahren an der Spitze des Unternehmens abgelöst von Gründer Roman Arnold, der seit 1. September als Executive Chairman die Fäden zieht. Hier gehts zum Interview mit Roman Arnold.
Es schien so, als wollten die Firmen während der Boom-Jahre erwachsen werden. Ja, manche sprachen hinter vorgehaltener Hand vor lauter Erfolg sogar von: „Zur Automobilbranche aufschließen." Wachsen um jeden Preis schien die Devise.
Dafür holten sie sich branchenfremde Manager von Mega-Konzernen wie Amazon oder Nike in die Firmenspitze. Guckt man sich um, scheint der Schuss nach hinten losgegangen zu sein: Canyon, YT und jetzt Specialized.
Es gibt zwei Möglichkeiten, warum nun wieder die Gründer übernehmen. a) Die Super-Manager können es halt doch nicht besser oder b) Die Gründer können ihre Babys nicht loslassen, statten die neuen CEOs nicht mit voller Entscheidungsgewalt aus und wollen es nun doch besser können – wie in etlichen Familienunternehmen täglich der Fall.
Die wirklichen Gründe für Mike Sinyards Entscheidung, im betagten Alter noch einmal das Ruder zu übernehmen, wissen wir jedoch nicht.
Laurin Lehner, BIKE-Redakteur

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