Nach dem Rückkauf von YT Industries setzt Gründer Markus Flossmann auf einen Neustart mit schlanker Struktur. Im Interview spricht er über Teamfahrer-Konflikte, Hollywood-Filme, Softgoods – und die Zukunft von Downhill-Bikes.
Nach der Insolvenz ist vieles nicht mehr selbstverständlich. Finanzierung ist schwierig, einige Themen mit Zulieferern müssen sauber gelöst werden, und operativ bauen wir vieles neu auf – vom Shop bis zu den Payment-Prozessen. Und das Wichtigste: Wir müssen uns das Vertrauen zurückholen.
Weil Kunden bezahlt hatten, aber kein Bike bekamen?
Ja, das ist passiert – und das war für mich persönlich schwer zu akzeptieren. Deshalb habe ich Bikes privat aus der Insolvenzmasse gekauft, damit am Ende jeder entweder sein Rad oder sein Geld zurückbekommt.
Wie sehen deine Zukunftspläne aus?
Ich will YT klein, stabil und kompakt aufbauen. Wachstum ja – aber kontrolliert. Kein aufgeblähter Wasserkopf mehr. Hollywood-Filme? Heute eher nicht. Lieber etwas Neues.
Bleibt die Mode-Kollektion wichtig?
Ja. Zumal es heute keine schlechten Bikes mehr gibt. Mittlerweile hat jeder kapiert wie man eine ordentliche Geometrie und vernünftige Kinematik hinkriegt, die Anbauteile sind sowieso überall die gleichen. Was macht denn noch den Unterschied beim Bike aus? Es muss dir natürlich optisch gefallen und ganz entscheidend: Finde ich die Marke cool? Ist das mein Lifestyle? Identifiziere ich mich damit? Ich glaube das wird immer wichtiger. Da sind wir ziemlich gut aufgestellt und wollen noch weiter daran arbeiten. Softgoods passen da auch perfekt dazu.
Auf welchen Bikes liegt der Fokus?
Neben den E-Plattformen liegt der Fokus auf unseren Core-Produkten TUES und CAPRA. Unsere Konstrukteure arbeiten gerade am neuen TUES. Da bleibt kein Stein auf dem anderen.
Ein Bike, das sich dann im Worldcup und bei der Red Bull Rampage bewähren muss.
Heute müssen Bigbikes für den Worldcup voll auf Racing getrimmt sein. Die Tage sind vorbei, als ein Bike beides konnte, die Rampage gewinnen und einen Downhill-Worldcup. Denn die Worldcupstrecken werden immer schneller. Sprich: was für ein Downhill-Race gut ist, taugt wenig für die Rampage. Damit läuft man in Gefahr in jedem Einsatzbereich Kompromisse eingehen zu müssen.
Egal wofür man sich entscheidet, das Bike ist ein Image-Produkt. Denn Geld wird man mit so einem Bike nicht verdienen. Oder doch?
Die Zielgruppe ist spitz. Würde man nur dafür so ein Bike entwickeln, wäre es schwer, die Entwicklungskosten wieder reinzukriegen. Erst wenn man Teile davon auch in anderen Bikes verwenden kann, rechnet sich das. Plus ein Image-Transfer auf alle anderen Produkte.
Warum entwickelt ihr also ein Spezialisten-Bike wie ein Worldcup-Downhiller?
Weil ich es liebe. Der Downhill-Worldcup ist die Formel 1 des Mountainbiken und so sexy. Überhaupt Mountainbiken. Als ich kürzlich das Decoy X zum ersten Mal gefahren bin, habe ich wieder so Lust bekommen. Mountainbiken ist so geil. Wäre mir die Leidenschaft für Mountainbiken abhanden gekommen, hätte ich YT nicht zurück gekauft.

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