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Vermutlich war Ötzi einer der ersten Menschen, die mit einem Rucksack in den Bergen unterwegs waren. An die 5000 Jahre ist das nun her. Auf einer Art Holzgestell mit Beutel, das von Lederriemen auf dem Rücken gehalten wurde, transportierte er Werkzeuge, Nahrung und Ausrüstung.
Wenn wir Mountainbiker heute über die Trails der Alpen rollen, verstauen wir Verpflegung, Ersatzteile und Werkzeug in einer Tasche, die von Schulterträgern auf unserem Rücken gehalten wird. Allzu weit sind wir also nicht gekommen in den letzten 5000 Jahren, oder doch?
Zugegeben: Mit den Tragegestellen der Urzeitmenschen haben die heutigen Fahrradrucksäcke nur noch wenig gemein. Sogar zwischen dem ersten echten Bike-Rucksack – dem Deuter Bike 1 von 1991 – und den neun Tagesrucksäcken, die wir hier getestet haben, liegen Welten.
Der offensichtlichste Unterschied ist das Tragesystem: Statt Lederriemen und Striemen auf der Haut gibt es größtenteils ergonomisch geformte, weich gepolsterte Schulterträger. Druck- oder Scheuerstellen sind die absolute Ausnahme und häufig eine Frage der korrekten Einstellung.
Die meisten Hersteller entscheiden sich im Test für ein Modell mit sogenanntem Kontaktrücken. Zwar zirkuliert hier nur wenig Luft zwischen den Schaumpolstern, dafür liegt die Ladung enger am Körper – und schaukelt weniger, wenn es auf dem Trail zur Sache geht.
Tatonka setzt als einziger Hersteller auf ein Netzsystem und verschafft dem Träger damit vor allem im Anstieg einen kühlenden Vorteil. Vaude geht einen Schritt weiter: Über ein ausgetüfteltes System lässt sich der Trailcontrol+ zwischen Netz- und Kontaktrücken verstellen und kombiniert damit das Beste aus beiden Welten.
Bei den meisten Testkandidaten umschließen breite Hüftflossen den Rumpf des Trägers und stabilisieren damit die Last im Gelände – eine Entwicklung, die wir absolut begrüßen.
Sind die Flossen zu klein, wie bei Evoc und Thule, oder fehlen gleich komplett, siehe Tatonka, rutscht der Rucksack auf dem Buckel hin und her wie ein nervöses Kind auf dem Zahnarztstuhl.
Im schlechtesten Fall schiebt er sich in steilen Abfahrten hoch in den Nacken. Auf der gemütlichen Hüttentour mit Schotterabfahrt ist das vielleicht noch vertretbar, im echten Trail- und Enduro-Einsatz aber ein No-Go.
Die Größe des Rucksacks hängt stark davon ab, wieviel Ausrüstung man auf Tour mitnehmen möchte. Die Erfahrung zeigt: je mahr Platz, desto mehr unnötiges Equipment tummelt sich in den Staufächern. Die Devise lautet also: so groß wie nötig, so klein wie möglich – das kommt auch dem Tragekomfort zugute. Etwa 14 bis 16 Liter eignen sich ideal für eine Tagestouren-Ausrüstung, wie wir sie auch für diesen Test zusammengestellt haben.
Bei Tatonka und Rockrider sollte man sparsam packen, insbesondere, wenn auch eine Trinkblase mit in den Rucksack soll. Kleinere Personen sollten übrigens auch zu kleineren Rucksäcken greifen. Nicht nur, weil das mit etwas geringerem Gewicht am Rücken einhergeht, sondern vor allem, weil die passende Länge entscheidend dafür ist, ob sich der Rucksack optimal anpassen lässt.
Man muss kein Ordnungsfanatiker sein, doch eine gewisse Struktur erleichtert den Touren-Alltag enorm. Ideal sind ein Hauptfach für selten verwendete Gegenstände, ein Werkzeugfach mit ausreichend Steckfächern sowie Hüftgurttaschen für Riegel oder Handy. Eine helle Auskleidung für bessere Übersicht ist aus unserer Sicht ein Muss, ein gepolstertes Brillenfach oder ein extra Abteil für die Trinkblase „nice to have“.
Dunkle Fächer mit überlappenden Abteilungen oder ein Taschen-Overkill wie am Rockrider sorgen eher für Frust statt für Freude. Bei all den Steckfächern und Schubtaschen weiß man am Ende gar nicht mehr, wo man den gerade gesuchten Gegenstand vor der Fahrt verstaut hat. Und schließlich wollen wir doch alle lieber die Tour genießen, statt in den Tiefen unseres Rucksacks nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen zu suchen.
Zwei Schultergurte an einem Beutel und fertig ist der Tornister. Doch ein guter Bike-Pack muss mehr bieten: Diese Eigenschaften sollte ein Touren-Rucksack besitzen.
Ohne stabile Rückenplatte beult der Rucksack nach hinten aus, im schlimmsten Fall drücken Gegenstände auf die Muskulatur – auf Dauer extrem unangenehm.
Eine durchdachte Belüftung kühlt den Rücken während der Fahrt, ohne dabei den sicheren Sitz zu schmälern. Aufgespannte Mesh-Systeme belüften besonders gut.
Im technischen Gelände muss der Rucksack stabil am Körper sitzen. Gute Hüftgurte umklammern den Biker wie ein Sozius auf dem Motorrad.
Es kommt nicht auf die Menge an Fächern oder Taschen an, sondern wie und wo diese platziert sind. Ein Extrafach fürs Werkzeug ist top, helle Auskleidung hilft ebenfalls bei der Suche.
Rucksäcke sind eher selten voll beladen. Damit die Ladung wackelfrei am Rücken sitzt, sollten sich die Fächer über Zurrgurte Komprimieren lassen. Diese dienen auch zur Befestigung von Protektoren und Co.
Rucksackmaterialien sind robust und wetterfest – wasserdicht sind sie in der Regel aber nicht. Daher gehört eine Regenhülle zur Grundausstattung und nicht nur auf die Zubehör-Liste.
Robuster Daypack für Enduro- und Freeride-Einsätze mit üppiger Ausstattung und durchdachter Fächereinteilung. Selbst eine umfangreiche Ausrüstung lässt sich hier sinnvoll und strukturiert unterbringen. Dank längenverstellbarem Rücken und ausladender Hüftflügel sitzt der Camelbak so fest am Rücken wie ein Rodeo-Cowboy auf dem Bullen. Da kann das Gelände noch so bockig sein – hier wackelt nichts! Leichte Abstriche muss man in Sachen Gewicht und Belüftung in Kauf nehmen. Keine Regenhülle im Lieferumfang, dafür ist das Material stark wasserabweisend.
Auf langen Bergtouren mit entspannten Trail- oder Schotter-Abfahrten fühlt sich der leichte Compact besonders wohl. Dank breiter Hüftflügel sitzt er kompakt und dennoch erstaunlich luftig. Deuter-typisch: die exzellente Verarbeitung und das übersichtliche Werkzeugfach, das komplett öffnet. Top: Volumen-Erweiterung, Regenhülle und diverse Zubehörhalterungen. Im heftigen Gelände fehlt dem flexiblen Gewebe etwas Stabilität.
Übrigens: Wer Wert auf faire und nachhaltige Produkte legt, wird inzwischen auch bei Deuter fündig. Der Compact 14+3 beispielsweise setzt auf recycelte Materialien, verzichtet auf den Einsatz von PFAS, ist Grüner Knopf zertifiziert und nach bluesign Kriterien produziert.
Der Evoc punktet mit durchdachter Aufteilung und tollem Handling – alle Fächer klappen komplett auf. Top: extra Trinkblasenfach. Das Werkzeugfach ist jedoch etwas kurz geraten. Das Rückensystem schafft gute Belüftung, ist aber unflexibel und passt sich nur schwer der Radhaltung an. In Verbindung mit den kurzen Hüftflügeln wackelt und rutscht der Stage im Downhill – ungewöhnlich für einen Evoc-Rucksack. Daher eignet sich der Stage eher für gemäßigte Touren. Wer einen Daypack für anspruchsvolles Gelände sucht, wird bei den Münchnern eher bei den Freeride- oder Trail-Pro-Modellen fündig.
Anatomische Schultergurte und breite Hüftflossen sorgen für sicheren Sitz und hohen Tragekomfort, auch wenn es hart zur Sache geht. Das Rückensystem könnte jedoch etwas stabiler und besser belüftet sein. Ungewohnt, aber gut: Das unten liegende Werkzeugfach mit Tool-Rolle legt den Schwerpunkt tief und sorgt im Pannenfall für Übersicht. Das Taschensystem ist weniger intuitiv wie bei Deuter oder Evoc, aber dennoch aufgeräumt. Große Hüfttaschen und ein Schubfach erweitern den Stauraum. Die Verarbeitung ist top. Auch als Damenversion unter der Bezeichnung Raven 14 erhältlich.
Trotz zahlreicher Fächer und Taschen fällt es schwer, im Rockrider die Übersicht zu behalten – auch wegen der schwarzen Auskleidung. Die Aufteilung der Fächer wirkt wenig durchdacht. Mit 12 Litern ist der Stauraum begrenzt. Dank breiter Schultergurte und Hüftflügel sitzt der MTB 12 fest und wackelfrei auch in technischen Abfahrten, schränkt aber die Beweglichkeit etwas ein. Ein echtes Rückensystem mit stabiler Platte fehlt dem Rockrider, weshalb der Rücken etwas instabil wirkt und leicht ausbeult. Zudem liegt der Rucksack eher platt und schwitzig am Körper auf.
Der längliche Scott passt vor allem großen Fahrern und sitzt dank stabilem Rückensystem und breiten Hüftflügeln auch im Enduro-Einsatz solide und sicher. Die Belüftung ist ordentlich, das Orga-System dagegen mau – es gibt keinerlei Steckfächer oder RV-Taschen, Unordnung ist daher vorprogrammiert. Schulter- und Hüftgurte sind nur wenig gepolstert und können auf Dauer leichte Druckstellen verursachen.
Der Tatonka ist ein schlichter Touren-Pack mit aufgespanntem Rückensystem, das für hervorragende Belüftung sorgt, ohne Hüftflügel aber wenig satt sitzt und besonders in technischem Gelände zum Schaukeln neigt. Überschaubares Platzangebot, keine optimale Aufteilung und nur halb öffnende Fächer erschweren das Handling. Der Metallrahmen kann im Hüftbereich drücken. Eher für kleinere Fahrer und entspannte Touren-Einsätze geeignet. Optional auch mit 28 Litern erhältlich.
Der Rail eMTB 18L punktet mit eigenständigem Orga-System und üppiger Ausstattung samt Rückenprotektor, Trinkblase, Regenhülle und Akku-Fach. Handling und Übersicht sind gut, auch weil das Hauptfach weit genug öffnet und hell ausgekleidet ist. Rückensystem und Polsterung liegen etwas punktuell auf und passen sich nicht sauber dem Träger an, die kurzen Hüftflügel bieten in Kombi mit dem schmalen Hüftgurt wenig Halt – auf Enduro-Einsätzen nicht optimal. Ordentlich belüftet, umständlich zu verstellender Brustgurt.
Über ein System aus Schlaufen lässt sich der Vaude zwischen Kontakt- und Netzrücken verstellen. Das sorgt für top Belüftung im Uphill und in Verbindung mit den ausladenden Hüftflügeln für satten Sitz selbst in technischen Abfahrten. Ergonomisch geformt und ausreichend gepolstert passt auch der Tragekomfort. Die Fächer sind gut strukturiert, aber dunkel ausgekleidet. Insgesamt ist der Trailcontrol ein hervorragender Allround-Rucksack.
Früher trugen Biker Rucksäcke, fertig. Heute gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Werkzeug und Zubehör zu transportieren. Doch nicht jede Lösung ist für jeden Zweck geeignet. Wir erklären die Vor- und Nachteile der einzelnen Systeme.
Maximal drei bis fünf Liter Volumen – mehr Stauraum können wir für den Trail-Einsatz nicht empfehlen. Gerade in Verbindung mit einer Trinkblase neigen die Hüfttaschen dann nämlich zum Hüpfen. Für die schnelle Hausrunde oder Touren mit Shuttle-Unterstützung ist die Hip Bag aber ideal. Der gesamte obere Rücken bleibt frei und man schwitzt weniger als mit Rucksack. Vor allem im Schulterbereich bleibt man zudem wesentlich beweglicher, was ein großer Vorteil beim Befahren von technischem Gelände ist.
+ leicht, luftiges Tragegefühl, gute Bewegungsfreiheit am Rücken
- beschränkter Stauraum, mit Trinkblase schnell überladen
Auf langen Strecken mit wenig forderndem Gelände schlägt die Stunde von Lenkertasche, Framebag und Satteltasche. Je nach Menge des Gepäcks lassen sich die Taschen individuell kombinieren und in der Größe anpassen. Vorteil: Der Oberkörper bleibt frei, muss keine Last tragen und schwitzt weniger. Für Trail-Einsätze sind aber schon kleinere Bikepacking-Taschen wenig geeignet, weil sie das Fahrgefühl des Bikes negativ beeinflussen – vor allem in voll beladenem Zustand.
+ individuell zusammenstellbar, luftiges Fahrgefühl, variabler Stauraum
- wenig Trail-tauglich, in Kombination teuer
Trinkwesten kommen ursprünglich aus dem Trailrunning und punkten mit geringem Gewicht sowie festem Sitz. Die Westen liegen eng am Oberkörper und wackeln auch mit Trinkblase kaum. Hauptfach und Steckfächer bieten Platz für das nötigste Equipment, sind in der Regel aber weniger gut strukturiert. Im technischen Gelände können sie die Beweglichkeit am oberen Rücken einschränken. Ohne aufwendiges Lüftungssystem teils etwas platt und schwitzig, der Rücken kann bei falscher Beladung ausbeulen.
+ fester Sitz, geringes Gewicht, Trinkblasen-tauglich
- begrenzter Stauraum, etwas unübersichtlich, schwitzig am Rücken

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