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Lange Radhosen sind längst kein reines Winterphänomen mehr. Egal ob im Trailcenter, Bikepark oder auf den heimischen Enduro-Strecken – man könnte glatt meinen, wir bewegen uns eher in Richtung einer nächsten Eiszeit als zur globalen Erwärmung. Doch solange die Sonne nicht unerbittlich auf die Oberschenkel glüht, bieten Trailpants mehr als nur Style-Vorteile gegenüber klassischen Bike-Shorts. Insbesondere bei Anstiegen mit Motorunterstützung, wenn sich der Schweißfluss in Grenzen hält, sind die leichten Radhosen eine sinnvolle Alternative – vor allem in der Übergangszeit im Frühjahr und Herbst. Wir haben sechs aktuelle Bike-Pants unter die Lupe genommen.
In vielen Fällen ersetzt die lange Bike-Hose heute Bein- oder Knielinge und damit ein zusätzliches Kleidungsstück, das beim Treten gerne rutscht oder kneift. Zudem sind die Materialen moderner Trailpants nicht nur wesentlich robuster als das Lycra der klassischen Überzieher, sie bieten auch besseren Schutz vor den Peitschenhieben in den Trail ragender Sträucher und Äste. Die langen Hosen lassen sich auch deutlich leichter mit Knieschonern kombinieren. Wenn man bedenkt, dass Mountainbikes immer potenter werden, die Strecken anspruchsvoller und die Fahrstile gleichzeitig rabiater, ist das eine durchaus sinnvolle Entwicklung. Zumal die aktuellen Trailpants längst keine störrischen Schlabberhosen mehr sind, wie wir sie aus alten Freeride-Filmen kennen. Die Hersteller setzen auf leichte Materialien, die stretchig und dennoch strapazierfähig sind.
Auch bei der Passform hat sich einiges getan: Die Hosenbeine laufen Richtung Knöchel schmal zu und schubbern nicht mehr an Kurbeln oder Kettenblatt. Dank flexibler Abschlüsse kann man dennoch in die Hose schlüpfen, ohne Wadenkrämpfe zu riskieren. Vorgeformte Kniepartien bieten ausreichend Spielraum für die Knieschoner, und damit die Hosen auch in steilen Anstiegen nicht von der Hüfte rutschen, lassen sie sich per Ratsche oder Klett in der Weite regulieren. Hersteller wie Endura, O’Neal, Vaude oder Norrøna gehen noch einen Schritt weiter. Sie verarbeiten Silikon-Prints an der Rückseite oder schneidern den Bund an der Taille etwas höher. Auffällig im negativen Sinn: Gleich drei Hersteller setzen eine Naht direkt auf die Knie – beim Fahren ohne Schoner kann das zu unangenehmer Reibung führen.
Bei der Ausstattung verfolgen die Hersteller zwar ähnliche Ansätze – die meisten Hosen besitzen zwei Zipper-Taschen und eine Weitenanpassung – doch wie immer sind es Details, die entscheidend sind. O’Neal und Vaude platzieren die Taschen etwas seitlich am Oberschenkel, wodurch der Inhalt weniger beim Treten wippt. Die Schubtaschen der Norrøna haben sich in der Praxis dagegen nicht bewährt. Als angenehm haben wir die Lasercuts in den Kniekehlen bei Endura und Vaude empfunden. Sie sorgen zumindest für eine leichte Belüftung während der Fahrt. Besonders lobenswert: Fox und Monserat bieten ihre Hosen in den gängigsten Größen auch in einer Long-Version. Damit passen sie nicht nur zu den unterschiedlichsten Jahreszeiten, sondern auch zu allen möglichen Anatomien – egal ob kurze oder lange Beine.
Ich muss gestehen: Ich trage lange Bike-Hosen selbst an offensichtlichen Kurze-Hosen-Tagen, weil ich sie einfach stylish finde. Ganz abgesehen davon sind sie wesentlich praktischer und bequemer als Beinlinge, robuster sowieso und sie schützen die Unterschenkel zuverlässig auf dem Trail. Ein absolutes No-Go sind jedoch zu kurze, hochrutschende Hosenbeine und Schlabber-Schnitte, die im Wind flattern wie Ballonseide- Jogginghosen. Stefan Frey, BIKE-Redakteur
Wer auf der Suche nach einer leichten Bike-Hose für Trail- und Enduro-Rides ist, sollte bei Endura vorbeischauen, denn die Schotten haben eine gewichtsoptimierte Version der bewährten Downhill-Pants im Programm. Dünnes Stretch-Fabric und Lüftungseinsätze verhindern Hitzestau und erhöhen den Tragekomfort. Die Bundweite lässt sich per Klettlaschen umfangreich einstellen. Dank Silikon-Prints am höher geschnittenen Heck sitzt die Burner Lite in allen Lebenslagen fest auf der Hüfte – kein Rutschen im Sattel, viel Bewegungsfreiheit im technischen Gelände und sehr luftiges Tragegefühl. Die Hose fällt eher groß aus. Wer auf sportlichen Sitz steht, wählt besser eine Nummer kleiner. Nachteil des dünnen Stoffs: Das Material neigt zum Rascheln und kann schwere Gegenstände – wie ein Smartphone – in den Taschen nur schwer im Zaum halten. Optisch fragwürdig ist der sichtbare Zipper am Hosenstall.
+ sehr leicht und luftig
+ guter Sitz dank hohem Bund und breitem Verstellbereich
+ angenehme Länge, Hosenbeine rutschen nicht hoch
- Material etwas raschelig
- schwere Gegenstände hüpfen in den Taschen
- Zipper wenig leichtgängig
Die Ranger ist nicht umsonst ein Klassiker im Sortiment der US-Amerikaner. Die Hose aus leichtem Ripstop-Gewebe macht mit ihrer schlanken Passform, einem 4-Wege-Stretch und durchdachtem Schnitt von Trailtouren über Enduro-Rides bis hin zum Bikepark-Shredden so ziemlich alles mit. Die Kniepartie ist leicht vorgeformt, damit auch Schoner bequem unter die Hose passen. Ein praktisches Ratschenband, zwei Reißverschlusstaschen sowie eng anliegende Stretch-Bündchen an den Beinen komplettieren die Ausstattung. Clever: Die besonders gefragten Größen 32, 34 und 36 gibt es auch in einer längeren Version. Am Heck hätten wir uns einen etwas höheren Schnitt gewünscht, und die Taschen wären weiter seitlich besser platziert. An warmen Tagen fehlt eine Lüftungsoption. Ansonsten ist die Fox Ranger eine rundum empfehlenswerte Trailpants mit bequemer Passform und flatterfreiem Schnitt.
+ robustes und stretchiges Gewebe
+ einfache Weitenregulierung
+ eng anliegende Beinabschlüsse
+ vorgeformte Kniepartie für Schoner
- Bund könnte am Heck höher abschließen
- Taschen wenig praktisch platziert
- Beinabschlüsse etwas eng beim Ausziehen
Das kleine Label aus Stuttgart verfolgt einen möglichst nachhaltigen Ansatz mit Recycling-Materialien und Produktion in Europa. Als Verschluss kommt ein Ratschensystem zum Einsatz, das sich unkompliziert in der Weite regulieren lässt. Hat man die Trailpants einmal angezogen, will man sie so schnell nicht wieder ausziehen. Das leichte Material liegt angenehm weich auf der Haut und bietet ein hohes Maß an Stretch, macht also jede Bewegung auf dem Bike problemlos mit. Die Hosenbeine sind nahezu perfekt – schön eng-anliegend ohne zu flattern und vor allem lang genug, damit die Hose beim Treten nicht ständig bis an die Waden hochrutscht. Auch der Bund ist am Heck etwas höher geschnitten und bleibt dort gut in Position. Die Zipper der Hosentaschen laufen besonders geschmeidig und lassen sich während der Fahrt leicht öffnen. Lediglich die Quernaht am Knie kann ohne Schoner beim Treten auf der Haut schubbern.
+ viele Größenoptionen
+ tolle Passform an Bund und Beinen
+ angenehm stretchiges Material
- etwas teuer
- Quernaht unterhalb der Knie kann schubbern
In Sachen Ausstattung lässt sich Norrøna nicht lumpen. Die Norweger setzen auf leichtes, aber robustes Stretch-Gewebe mit Ripstop, das recycelt und nach bluesign-Kriterien zertifiziert ist. Der Sitzbereich ist verstärkt und stark wasserabweisend. Unter die weiten, vorgeformten Kniepartien passen problemlos dicke Schoner. Die Verarbeitung ist top. Die Passform überzeugt dagegen weniger: Zwar sitzt die Hose super auf der Taille, lässt sich sauber anpassen und rutscht auch beim Pedalieren nicht hinten runter. Doch sonst erinnert die Skibotn eher an eine Reiterhose – an den Waden eng, ab den Knien aber plustrig weit und insgesamt arg kurz geschnitten. Beim Treten ist das Material ständig in Bewegung, in schnellen Abfahrten neigt die Hose zum Flattern. Die offenen Fronttaschen sind weniger praktisch als RV-Taschen, und die nach hinten gerichteten Reißverschlusstaschen haben wir in der Praxis kaum genutzt.
+ umfangreiche Ausstattung
+ perfekt verarbeitet
+ guter Sitz auf der Taille
+ robustes, stretchiges und angenehmes Material
+ verstärkter Sitzbereich
- sehr teuer
- fällt sehr kurz aus
- Knie und Oberschenkel flattrig und weit geschnitten
Die Trailfinder kommt im unauffälligen Look und mit robust-stretchigem Material daher. Ihre Ausstattung ist übersichtlich: zwei RV-Taschen und eine Ratschenverstellung ähnlich wie bei Fox. Dafür bekommt man eine preislich attraktive Hose für Enduro-Abenteuer und Bikepark-Einsätze. Gut gefallen hat uns der stretchige Bund mit praktischer Verstellung, der auch beim Treten kaum nach unten rutscht. Clever: Die beiden RV-Taschen sind seitlich so platziert, dass Smartphone oder Schlüssel nicht beim Treten stören. Überhaupt macht das robuste Material alle Bewegungen gut mit und steckt auch den ein oder anderen Bodenkontakt locker weg. Weil die Trailfinder wenig Wind durchlässt, ist sie auch für kühle Tage geeignet. Nachteil: Im Sommer fühlt sich die Hose schnell schwitzig an. Die Hosenbeine fallen angenehm lang aus, könnten aber enger geschnitten sein. No-Go: Die Quernähte über den Knien scheuern beim Treten.
+ robustes Material
+ gut platzierte RV-Taschen
+ praktische Weitenregulierung
- etwas schwitziges Material
- Nähte im Kniebereich können scheuern
Reinschlüpfen und wohlfühlen – das klingt abgedroschen, trifft auf die Moab Pro aber tatsächlich zu. Das leichte, stretchige Recycling-Material liegt angenehm auf der Haut. Auch im Anstieg wird die Hose nicht zu schwitzig, weil Lasercuts in den Kniekehlen für Belüftung sorgen. Geschlossen wird die Hose simpel per Hakenverschluss – fünf Ösen bieten dabei ausreichend Verstellmöglichkeit. Typisch Vaude: der hinten weit nach oben gezogene Stretch-Bund. Damit sitzt die Hose auch in steilen Passagen sicher und ohne beim Treten zu verrutschen. Auch die relativ lang geschnittenen Hosenbeine, die in einen flexiblen Mesh-Abschluss enden, überzeugen. Wo andere Bike-Hosen beim Treten oft bis zum Wadenansatz hochrutschen, bleibt die Vaude immer top in Form. Leider sind auch bei der Moab die Nähte über den Knien nicht optimal platziert. Ansonsten eine leichte und dennoch robuste Hose für anspruchsvolle Trail-Einsätze.
+ angenehmes Stretch-Material
+ stabiler Sitz mit am Rücken verlängertem Bund
+ einfache Weitenregulierung
+ ausreichend lange Hosenbein
- Nähte im Kniebereich können ohne Schoner ziepen

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