Everesting MTB-RoutenwahlSo findest Du die optimale Strecke für die Höhenmeter-Challenge

Jan Timmermann

 · 20.06.2026

Everesting MTB-Routenwahl: So findest Du die optimale Strecke für die Höhenmeter-ChallengeFoto: Max Fuchs
Mountainbiker stellt die Everesting-Challenge hinsichtlich der Strecke vor viele Fragen. Wir beantworten die wichtigsten von ihnen.
Während Everesting unter Rennradfahrern zum regelrechten Hype geworden ist, wagen sich bislang nur wenige Mountainbiker an die 8848-Höhenmeter-Herausforderung. Ein Grund dafür: Die Streckenwahl ist knifflig. Wir zeigen, welche Routen sich für die Ausdauer-Orgie am besten eignen.

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Die Regeln beim Everesting sind simpel: 8848 Höhenmeter müssen auf einer einzigen Fahrt mit dem Bike erklommen werden. Da bekanntlich nur ein einziger Berg auf der Welt eine solche Höhe besitzt, wird die Leistung durch das wiederholte Auf- und Abfahren einer festgelegten Strecke bewältigt. Nach dem offiziellen Reglement der Everesting Hall Of Fame muss es sich dabei bei diesem Pendel-Prinzip stets um ein und dieselbe Route handeln. Schwung holen am Gegenhang oder das Abfahren in einer großen Runde sind nicht erlaubt. Es müssen aber nicht immer die vollen 8848 Höhenmeter sein. Auch Halb- oder Viertel-Everestings sind beliebt. Doch wie findet man als Mountainbiker die ideale Strecke fürs Everesting? Wir geben wichtige Tipps.

Die Herausforderung

Prinzipiell lässt sich ein Everesting an jedem Anstieg absolvieren. Du hast nur einen 100-Höhenmeter-Climb in Reichweite? Kein Problem, dann musst Du für ein komplettes Everesting eben knapp 89 mal hoch und runter fahren. Eben hier liegt die Crux. Manche Biker können besser, andere schlechter mit Monotonie umgehen. So oft ein und dieselbe Strecke zu fahren, kann Radsportler auf Dauer verrückt machen. Am Ende sind solche Ausdauer-Challenges eben auch immer eine mentale Probe. Als Mountainbiker ist man versucht die Langeweile durch Trails aufzulockern. Bekanntermaßen kosten diese aber mehr Kraft und nur die wenigsten wagen sich an ein Trail-Everesting. Durch die längere Fahrzeit kann es auch schnell zu Problemen mit dem Tageslicht kommen. In der Regel läuft es für Mountainbiker auf ein Everesting über Schotterwege hinaus.

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Die Everesting Hall of Fame verzeichnet über 36.000 Eintragungen aus 124 Nationen. Die meisten davon stammen von Rennradfahrern. Sie haben auf den Straßen dieser Welt eine große Auswahl an möglichen Everesting-Strecken. Potentielle Routen sind meist gut dokumentiert und lassen sich im Netzt ausfindig machen. Die Everesting-Szene im Mountainbike-Bereich ist jedoch sehr klein und beschränkt sich auf ein paar wenige Freaks in Fachforen. Tipps für eine geeignete Strecke in der eigenen Umgebung sind da schwer zu bekommen. Denn neben dem Untergrund müssen auch andere Parameter stimmen.

Das Rechenspiel

Wurde der Entschluss zum Everesting einmal gefasst, beginnt das Rechenspiel. Eine gute Everesting-Strecke bietet den optimalen Kompromiss aus Steigung, Distanz und Erholungszeit. Unterbrechungen für Schlaf sind nicht erlaubt, kurze Pausen für die Nahrungsaufnahme oder den Hahndrang hingegen schon. Idealerweise sollte die Strecke Punkte enthalten, an denen Essen, Trinken und Wechselklamotten platziert werden können. In die Rangliste werden Biker mit der Gesamtzeit der Aktivität eingetragen.

Im Angesicht der langen Fahrzeit ist es jedoch ratsam die Abfahrten für die Regeneration zu nutzen. Die Strecke sollte deshalb möglichst wenige Kurven und wenig andere Nutzer aufweisen. Gerade zu fortgeschrittener Stunde können fahrtechnische Herausforderungen, Fußgänger oder Gegenverkehr ein echtes Risiko darstellen. Auch wenn es auf den ersten Blick attraktiv erscheint: Besonders lange Anstiege der 100-Höhenmeter-Kragenweite sind nicht ideal, da die Belastungsdauer zu lang ist und die Regenerationsphasen lassen zu lange auf sich warten.

Eine weitere Herausforderung stellt die Distanz dar. Logisch: Eine 150-Kilometer-Fahrt mit dem Mountainbike ist schon ohne 8848 Höhenmeter anspruchsvoll. Eine gute Everesting-Strecke muss so steil sein, dass sie viele Höhenmeter auf kurzer Distanz bereitstellt, jedoch nicht so steil, dass die Beine bereits nach den ersten paar Runden explodieren. Empfehlenswert ist eine gleichmäßige Steigung. Die Strecken, auf denen in der Regel Everesting-Rekorde eingefahren werden sind circa zwei Kilometer lang und weisen rund 230 Höhenmeter auf. Im Schnitt entspricht das einer Steigung von 11,5 Prozent. Um den Gipfel des Mount Everest zu erreichen muss eine solche Route knapp 39 mal abgefahren werden. Achtung bei der Berechnung: Da die Strecke nicht nur bergauf, sondern auch bergab zu bewältigen ist, verdoppelt sich die Distanz. Auf einer solchen Route kommen als 156 Kilometer zusammen.

Unser Beispiel

Auch ich habe mir für dieses Jahr ein MTB-Everesting auf Schotter vorgenommen. Dafür habe ich eine Strecke unmittelbar neben meinem Elternhaus auserkoren. Den Weg kenne ich in und auswendig. An einem Wochentag gibt es kaum Fußgängerverkehr und am Fuße liegt ein Parkplatz, wo ich mich aus dem Auto heraus verpflegen kann. Oben und unten habe ich ausreichend Platz, um ohne großen Zeitverlust zu wenden. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

Meine Everesting-Strecke liegt bei den Daten etwas unter den Rekord-Routen: Exakt 3,24 Kilometer und 184 Höhenmeter hat eine Runde mit Auf- und Abstieg. Laut Adam Riese muss ich 48,4 Runden drehen, um 8848 Höhenmeter zu erreichen. Knapp 157 Kilometer werden am Ende als Distanz zusammenkommen. Da ich keinen Rekord aufstellen will, wähle ich lieber eine minimal flachere Steigung. Mit 11,36 Prozent im Schnitt und 15 Prozent in der Spitze bin ich ohnehin gut bedient. Laut meinen Messungen benötige ich für eine volle Runde in entspanntem Tempo 16 Minuten und 27 Sekunden. Könnte ich diese Geschwindigkeit halten, käme ich auf fast 13,5 Stunden reine Fahrzeit. Ich schätze aber, dass mich das ganze Projekt eher 16 Stunden oder länger kostet.

Fazit

Eine geeignete Everesting-Strecke fürs Mountainbike zeichnet sich durch eine möglichst konstante Steigung um 11,5 Prozent aus. So können Biker sicherstellen, dass die Distanz nicht ausufert. Ein geradliniger Streckenverlauf auf Schotter und eine wenig frequentierte aber gut zugängliche Route sind empfehlenswert. Kurze Anstiege zwischen 180 und 250 Höhenmeter haben sich bewährt. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
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Jan Timmermann

Redakteur

Jan Timmermann ist ein Mountainbiker aus echtem Schrot und Korn. Dabei deckt sein Interesse von Marathon- bis Trailbikes und von Street bis Gravel fast alles ab. Getreu dem Motto „das Leben ist zu kurz für langweilige Fahrräder“ hängt Herz des Technik-Redakteurs jedoch vor allem an Bikes mit Charisma. Nebenbei leitet Jan auch noch das Fitness-Resort unserer Radsport-Marken.

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