Ein Spaziergang, dann Kuchen und ein peinliches Gruppenfoto? Von wegen. Wenn eine der schnellsten Familien Deutschlands eine Familienaktion plant, dann sieht die gerne mal etwas anders aus. Die Idee kam Patrick Thoma irgendwann im Winter 2022. Der passionierte Gleitschirm-Flieger und Bruder von Enduro-Racerin Ines Thoma wollte die Everesting-Challenge knacken. 8848 Höhenmeter rauf, zu Fuß, an einem Tag. Und runter durch die Luft. Bei maximal 16 Stunden Sonnenlicht eine echte Ansage.
Am Ende gingen sie gleich als Familie an den Start. Enduro-Racerin Ines mit dem E-MTB, Ex-Racer Max Schumann mit dem Gravel-Bike, Patrick Thoma mit Laufstöcken und Gleitschirm. Im Interview spricht Enduro-Racerin Ines über Familie, Durchhaltewillen und die Schwierigkeit, die drei Sportarten miteinander zu verbinden.
EMTB: Everesting ist schon für den Einzelnen eine echte Herausforderung. Ihr habt es gleich als Familie versucht. Ging es euch in erster Linie um die sportliche Challenge?
Ines Thoma: Am Anfang auf alle Fälle. Wir suchen immer wieder nach solchen Herausforderungen, am liebsten auch zusammen, als Familie. Bei der Planung dieser Aktion mussten wir immer wieder an unseren Cousin Mario denken. Er war unser großes Vorbild, brannte für jede Art des Bergsports und ist Downhill-Weltcup gefahren, aber leider viel zu früh verstorben. Mit dem Projekt wollten wir an ihn erinnern und für einen Zweck spenden, der ihm gut gefallen hätte.
Wie viel Geld kam denn am Ende zusammen?
Sponsoren wie Bosch, Maxxis und Komoot haben einen festen Betrag pro Höhenmeter gespendet. So haben wir fast 2500 Euro gesammelt, die dem Mountainbike Allgäu e. V. zu Gute kommen und damit direkt den MTB Sport im Allgäu unterstützen.
Erzähl uns ein bisschen was über deine Mitstreiter.
Es war ein echtes Familienprojekt. Mein Bruder Patrick ist zu Fuß hochgelaufen und mit dem Gleitschirm runter. Insgesamt acht Anstiege mit jeweils gut 1100 Höhenmetern. Mein Freund Max hat sich auf dem Gravel-Bike immer wieder dieser steilen Schotterrampe gestellt. Beide waren fast genau gleich schnell mit etwa, 16 Stunden Gesamtzeit von vier Uhr Morgens bis abends um acht. Eine echt krasse Leistung. Daneben war mein Cousin Vincenz als Fotograf involviert. Somit hatten wir uns entschieden die Challenge mit drei sehr unterschiedlichen Disziplinen anzugehen.
Wie kamen Max und Patrick auf Gravel und Gleitschirm?
Bei meinem Bruder war die Disziplin klar und Max hatte sich trotz Kopfschütteln vieler Freunde für ein Gravelbike entschieden. Das klang auf den ersten Blick etwas verrückt aber dank MTB-Übersetzung, Federgabel und breiten 45-Millimeter-Reifen, hat das Ganze erstaunlich gut geklappt. Mir war klar, dass ich mitten in der Rennsaison niemals 8848 Höhenmeter auf dem Enduro Bike schaffen wollte und daher war das E-MTB die perfekte Wahl für mich.
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Welche Strecke habt ihr euch herausgesucht?
Eigentlich wollten wir alle zusammen starten, auch wenn das am Ende wegen Schwierigkeiten mit dem Wetter nicht geklappt hat. Aber deswegen haben wir uns für den Grubigstein in Lermoos in der Tiroler Zugspitzarena entschieden. Meine Runden waren insofern ein kleiner Kompromiss, als dass ich gerne den gesamten Uphill auf Trails bestritten hätte. Aber wir wollten das Projekt absolut legal planen und Leute zum Nachfahren inspirieren, da gibt es in unserer Region leider wenig Möglichkeiten. Ich bin deshalb den Großteil auf Schotterwegen hochgefahren, die ich mit einigen kleinen aber technischen Abschnitten garniert habe. Dafür sind die Abfahrten mit dem Highlight „Blindseetrail“ ein absoluter Traum und machen auch beim wiederholten Mal noch mega viel Spaß. Ich hatte zwischen zwei Runden variiert und damit genug Abwechslung für den ganzen Tag.
Du bist seit Jahren in der EWS-Unterwegs, jetzt fährst du im E-Enduro-Worldcup. Waren die 8848 Höhenmeter überhaupt eine Challenge für Dich?
Sportlich war es für mich keine Grenzerfahrung. Stimmt schon. Von Enduro-Rennen bin ich lange Tage mit vielen Tiefenmessern gewöhnt. Aber 8848 Höhen- und Tiefenmeter und 12 Stunden ganz alleine im Sattel, gehen dann doch weit über das normale Trainigspensum hinaus. Vor allem in den letzten beiden Jahren hatte ich selten einen ganzen Tag lang Zeit zu trainieren und ich habe die Challenge perfekt genutzt, um mich für die letzen beiden Weltcup-Rennen vorzubereiten. Und es war tatsächlich wesentlich anstrengender als gedacht. Im Vorfeld hatten wir meine Disziplin aufgrund der Motorunterstützung nicht so ernst genommen, aber ich hatte mir dann doch einen so technischen Kurs gesucht, dass genug Zeitdruck war, um echt Gas geben zu müssen
Wo lagen für Max und Patrick die Schwierigkeiten?
Allein die Länge der Strecke ist schon eine Herausforderung. Da Patrick nur bei Tageslicht fliegen kann, hatte er einen sehr getakteten Zeitplan, um es rechtzeitig zu schaffen. Pro Runde 1100 Höhenmeter rauf, in etwa 75 Minuten Anstieg. Dann Schirm auspacken, Abflug, einpacken und 15 Minuten Verpflegung. Das Ganze acht Mal und 16 Sunden lang. Bei Max war es ganz ähnlich, nur dass er hinten raus dank Stirnpampe noch etwas Luft gehabt hätte. Beide sind zwar fit aber voll berufstätig und waren sich nicht sicher ob sie die Challenge schaffen würden.
Was nehmt Ihr von der Aktion mit?
Man kann viel mehr schaffen, als man erst mal denkt. Max und Patrick haben echt gekämpft. Aber nachdem Max im letzten Jahr bereits einmal 500 Kilometer am Stück geradelt war, wusste er, dass mit der richtigen Einstellung und einem konstanten Rhythmus wirklich weit kommen kann. Und bei Patrick hatte ich eh keine Zweifel. Mein Bruder ist absolut zäh und schafft irgendwie immer alles, was er sich vornimmt. Bei der nächsten Familienfeier gibt’s so jetzt auf jeden Fall ein gutes Gesprächsthema.

Redakteur