Tim Farin
· 02.06.2026
Wenn es um die optimale Erholung nach intensiven Trainingseinheiten oder Wettkämpfen geht, prallen häufig unterschiedliche Meinungen aufeinander: Während die einen auf „Wärme hilft – also ab in die Sauna" schwören, setzen andere auf „Kälte senkt die Entzündungsreaktion – deshalb Eistonne oder Ice-Packs auf die Beine". Wir schauen uns an, was aus wissenschaftlicher Perspektive tatsächlich hinter diesen und weiteren Regenerationsstrategien steckt.
Intensive oder ungewohnte Belastungen im (Ausdauer-)Training können zu minimalen Schädigungen in der Muskulatur führen. Die Folge sind Mikro-Entzündungsprozesse in den entsprechenden Muskelbereichen – besser bekannt als Muskelkater. Dieser ist nicht nur oft schmerzhaft, sondern kann, abhängig von seiner Intensität, auch eine längere Reduzierung oder Pausierung des Trainings erforderlich machen.
Klassische Eiswasserbäder oder längeres kaltes Duschen nach dem Sport mildern die Beschwerden und vermitteln subjektiv eine schnellere Erholung. Dadurch ist in der Regel ein zügigerer Wiedereinstieg ins Training machbar. Beachten solltest du allerdings sowohl bei Kälte- als auch bei Wärmeanwendungen immer, dass gesundheitliche Einschränkungen wie Gefäßerkrankungen dagegensprechen können. Dies solltest du im Zweifelsfall vorher ärztlich abklären lassen. Gerade im Trainingskontext ist außerdem wichtig zu wissen, dass eine dauerhafte Kälteanwendung die natürliche Entzündungsreaktion nach intensivem Training dämpft. Das kann langfristige Anpassungsprozesse der Muskulatur ans Training beeinträchtigen.
Es gilt also stets, Nutzen (schnellerer Trainingseinstieg) gegen Kosten (möglicher Verlust von Anpassungsmechanismen) abzuwägen. Die wissenschaftliche Datenlage für Wärmeanwendungen oder Hitzetherapien wie Saunabesuche oder Wärmepacks nach dem Training ist im Vergleich zu Kälteanwendungen deutlich dünner.
Die populäre Annahme zur förderlichen Wirkung von Saunabaden nach dem Sport lautet: Es soll für Entspannung sorgen, die Muskeldurchblutung erhöhen und zudem die Rehabilitation nach Verletzungen unterstützen. Allerdings können Saunagänge den Organismus durch die hohen Temperaturen auch zusätzlich stressen und belasten. Akute Hitzeanwendungen scheinen keinen nachweisbaren Vorteil für eine beschleunigte Regeneration zu bieten.
Hingegen kann regelmäßiges Saunieren unter bestimmten Bedingungen deine Ausdauerleistung für Training oder Wettkämpfe bei warmen klimatischen Verhältnissen verbessern.
Die Evidenzlage ist nicht eindeutig, was das Bekämpfen von Muskelkater betrifft. Kühlung könnte am ehesten akut Linderung verschaffen, während langfristig die regelmäßige Nutzung von Wärme, beispielsweise durch Saunagänge, positive Effekte haben könnte. Grundvoraussetzungen bleiben jedoch wie immer ein vernünftig periodisierter Trainingsplan mit einem ausgewogenen Verhältnis von Trainings- und Erholungsphasen, ausreichender und qualitativ guter Schlaf sowie eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Diese haben auch mit Abstand die beste Evidenz für schnelle Regeneration und Gesundheit.
So weit – so einfach. Und es gilt wie im Ausdauersport generell: aktive Bewegung ist immer besser als passive Maßnahmen.

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