AshwagandhaExperten warnen vor den Schlafbeeren-Präparaten

powered by
 powered by
Ashwagandha: Experten warnen vor den Schlafbeeren-PräparatenFoto: KI-generiert
Ashwagandha: Experten warnen vor den Schlafbeeren-Präparaten
Ashwagandha-Präparate sollen Stress reduzieren und bei Schlafproblemen helfen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt davor. Das steckt dahinter.

Themen in diesem Artikel

Autorin: Stephanie Morcinek

​Der Name Ashwagandha klingt geheimnisvoll, mystisch, aufregend. Kein Wunder, dass viele Social-Media-Accounts, die sich auf Gesundheit und Wellbeing spezialisiert haben, die Präparate ohne wissenschaftliche Einordnung bewerben. Die Pflanze Ashwagandha ist vor allem aus der asiatischen Heillehre Ayurveda bekannt und soll gegen Stress und bei Schlafproblemen helfen. Sie wird in Nahrungsergänzungsmitteln meist in Pulver-, Tropfen- oder Kapselform vermarktet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt vor der Einnahme ohne ärztliche Rücksprache.

Was ist Ashwagandha?

Ashwaghanda – auch unter dem Fachnamen Withania somnifera bekannt – kommt weit verbreitet in Afrika, auf der Arabischen Halbinsel und in Asien sowie in Spanien und Griechenland vor. Es handelt sich um eine Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse. Im Deutschen wird sie auch als Schlafbeere, indischer Ginseng oder Winterkirsche bezeichnet.

Ashwagandha zählt zu den natürlichen Adaptogenen. Damit sind bioaktive Wirkstoffe gemeint, die dem Körper helfen sollen, sich an erhöhten physischen, emotionalen oder umweltbedingten Stress anzupassen. Jedoch weiß niemand, wie diese adaptogene Wirkung zustande kommt, die auch dem Ginseng oder der Taigawurzel nachgesagt wird. „Neben der traditionell verwendeten Wurzel können auch andere Teile der Pflanze wie etwa die Blätter verwendet werden. Das kann die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe und somit die Wirkung beeinflussen“, sagt Anja Schwengel-Exner, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern in einer Mitteilung.

Meistgelesen

1

2

3

4

5

Wozu wird Ashwagandha verwendet?

Ashwagandha enthält sogenannte Withanolide und Alkaloide. Alkaloide sind stickstoffhaltige Verbindungen, die viele Pflanzen bilden. Das Atropin der Tollkirsche ist zum Beispiel ein Alkaloid, ebenso wie Kokain oder Morphin. Alkaloide haben extrem unterschiedliche chemische Strukturen und entsprechend ganz unterschiedliche Wirkungen im Körper. Sie beeinflussen primär das zentrale Nervensystem, das Herz-Kreislauf-System oder die Muskeln. Die Inhaltsstoffe von Ashwagandha erwiesen sich in Zellkultur-Experimenten als aktiv gegen Tumorzellen aller Art, es gibt jedoch keine einzige Studie mit Patientinnen oder Patienten, die eine Wirksamkeit bei Tumorleiden überhaupt nur andeutet.

Ashwagandha wird im traditionellen Ayurveda als Heilpflanze eingesetzt. Wenige kleine Studien deuten darauf hin, dass Extrakte der Pflanze helfen könnten, Stress und Angst zu reduzieren. Auch Schlaflosigkeit und Müdigkeit könnten durch die Einnahme zurückgehen.

Die Studien zu Ashwagandha sind jedoch schwer vergleichbar, weil es um unterschiedliche Produkte, Dosierungen, Personengruppen und Dauer der Anwendung geht. Nebenwirkungen wurden oft nicht konsequent erfasst. Außerdem steckt Ashwagandha häufig in Mischpräparaten, weshalb nicht abschließend geklärt ist, ob mögliche Effekte wirklich von Ashwagandha allein kommen oder einem weiteren Wirkstoff.

Welche Risiken bestehen bei der Einnahme von Ashwagandha?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnte bereits 2024 vor der Verwendung von Ashwagandha-Präparaten. Insbesondere Kinder, Schwangere und Stillende sowie Menschen mit einer Erkrankung der Leber sollten auf die im Handel und im Internet erhältlichen Pulver, Kapseln, Tropfen oder Tees verzichten, hieß es vom BfR.

Es gebe laut dem Bundesinstitut Berichte zu Akutfolgen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sowie Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit und Hautausschlägen. „Zudem gibt es Hinweise darauf, dass die Präparate das Immunsystem sowie das endokrine System – Effekte auf den Cortisol- und Blutzuckerspiegel, Schilddrüsen- und Sexualhormone – beeinflussen können.“

„Hinweise gibt es auch darauf, dass es Wechselwirkungen von Ashwagandha-Präparaten mit anderen Medikamenten gibt, etwa mit solchen, die den Blutzuckerspiegel (Antidiabetika), den Blutdruck (Blutdrucksenker) und das Immunsystem (Immunsuppressiva) regulieren“, warnte das Bundesinstitut. Wie die US-Gesundheitsbehörde NIH auf ihrer Internetseite schreibt, sei Ashwagandha möglicherweise auch für Menschen mit Prostatakrebs nicht sicher.

Die Verbraucherzentrale NRW warnt außerdem, dass man sich vor allem vor den vielen Versprechungen der Marketingbranche nicht blenden lassen solle. Es sei für Verbraucherinnen und Verbraucher „schwer festzustellen, welche Zutaten die Präparate enthalten und ob diese Nahrungsergänzungsmittel für sie vielleicht sogar ungeeignet sind“, kritisiert Angela Clausen von der Verbraucherzentrale in einer Mitteilung. In einem Marktcheck fand die Verbraucherzentrale nur auf zehn Prozent der geprüften Produkte einen Hinweis auf Wechselwirkungen mit Medikamenten sowie die Warnung, Ashwagandha nicht mit Schlaf- oder Beruhigungsmitteln zu kombinieren.

Basierend auf den bisher veröffentlichten Risikobewertungen sowie den international registrierten Fallberichten empfehlen das BfR und andere europäische Behörden, keine ashwagandhahaltigen Präparate einzunehmen.

Diese Warnzeichen sollten Sie bei einer Einnahme unbedingt beachten

Falls Sie Ashwagandha einnehmen, sollten Sie laut australischem Gesundheitsamt auf folgende Warnhinweise achten und die Einnahme absetzen und einen Arzt beziehungsweise eine Ärztin aufsuchen:

  • Gelbfärbung von Augen oder Haut
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Ungewöhnliche Müdigkeit
  • Schwäche
  • Magen- oder Bauchschmerzen
  • Appetitverlust

Wichtig: Falls Sie unter Schlafproblemen oder starkem Stress leiden, sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin beziehungsweise Ihrem Hausarzt über mögliche Maßnahmen. Nehmen Sie Ashwagandha-Präparate nie ohne ärztliche Rücksprache und rein auf Verdacht ein!

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Meistgelesen in der Rubrik Training

Shorts