Große Abenteuer mit authentischen Begegnungen in möglichst weiten, einsamen Landschaften, abseits von Touristen-Hotspots. So könnte man die Vorlieben eines Bikepackers wohl grob zusammenfassen. Jedenfalls, wenn man sich in den einschlägigen Community-Foren mal einliest.
Stark im Instagram-tauglichen Fokus auch: “Lost Places”, also vergessene Ruinen aus der jüngeren Vergangenheit. Zum Beispiel ein altes Fabrikgelände, ein Bergwerk oder ein verlassenes Kloster - Orte mit einer Geschichte, die noch niemand aufgeschrieben hat, die es noch zu entdecken gibt.
Wichtig ist auch ein erklärtes Ziel. Eines, das möglichst entfernt klingt. Denn auch, wenn es Gravelbike-Reisenden nicht um Geschwindigkeit und Rekordzeiten geht - ein Wow-Effekt sticht aus der Community hervor und dient vor allem der eigenen Motivation.
Oder wie es Nelson Trees, der Mitbegründer der Serie Trans Continental Races, formuliert:
Es geht darum, die leeren Flecken auf der Karte zu entdecken. Darum, die Menschen an unerwartete Orte zu bringen, die sie überwältigen. Dabei kann es auch mal härter zugehen, aber am Ende muss alles einen Sinn ergeben und sich gelohnt haben. - Nelson Trees
Auch wenn die meisten Gravelbiker sich und ihr neues Bike samt Bikepacking-Equipment wohl erstmal vor der eigenen Haustür oder auf einer Deutschland-Querung ausprobieren, wird es sie irgendwann in die Ferne ziehen. Schon weil die Foren voll von entsprechenden Abenteuer-Berichten sind. Offiziell erhobene Zahlen gibt es leider keine. Daher haben wir das getan, was ein Abenteuer-Suchender auch tun würde - wir haben die KI gefragt: Welches sind derzeit die meistgefragtesten Reiseländer für Bikepacker und Gravelbiker? Das Ergebnis hat uns teilweise überrascht:
Das klingt erstmal wenig abenteuerlich, allerdings hat Italien natürlich weitaus mehr zu bieten als Südtirol, Gardasee und Finale Ligure. Allein der Apennin zieht sich 1200 Kilometer lang durch den italienischen Stiefel. Wer die Küstenstraßen meidet und touristische Hotspots wie Florenz, Rom und Neapel umfährt, pedaliert hier tagelang durch einsamste Landschaften, an alten Klöstern, verlassenen Bergdörfern und Reisfeldern vorbei. Dabei ändert sich die Landschaft ständig und die italienische Küche wird immer besser. Das gleiche gilt für die Inseln Elba, Sardinien und Sizilien, die sich mit dem Gravelbike auf spannenden Routen umrunden lassen.
Ein großer Magnet für Gravelbiker ist auch jedes Jahr im Mai der “Tuscany Trail”. Seine 445 Kilometer lange Distanz durchs Hinterland der Toskana im Selfsupport-Modus hält mit 6000 Startern den Teilnehmer-Weltrekord.
Das Gravelrevier für Fortgeschrittene. Warum? Weil die spektakuläre Berglandschaft samt ihrer kristallklaren Seen mit langen Anstiegen und Abfahrten verbunden ist - womöglich auf gröberen Schotterwegen mit Tragepassagen. Einsteigern wird in den Foren dazu geraten, mit all dem Gepäck am Bike erstmal das deutlich flachere Schweizer Jura zu durchqueren. Auch weil es noch wild und unerschlossen ist. Tatsächlich wurde hier kürzlich erst eine 400 Kilometer lange Bikepacking-Route ausgeschildert.
Fortgeschrittene empfehlen sich gegenseitig besonders abgelegene und wenig befahrene Passstraßen in der Schweiz. Eine Challenge besteht auch darin, besonders günstige Übernachtungsplätze zu finden. Wildes Campen ist in der Schweiz verboten!
Dieses Ziel verwundert im ersten Moment, denn auf Island wartet das wohl radunfreundlichste Wetter Europas: Ungebremste Sturmböen vom Atlantik können einen hier an den Packtaschen packen und von der Schotterstraße reißen. Wenn man Pech hat, haben sie mehrmals am Tag Regen, Schnee und/oder Graupel dabei. Aber: Genau um das Erleben dieser kraftvollen Naturerlebnisse geht es den Bikepackern. Auf Island wartet außerdem die wohl wildeste Landschaft Europas: Vulkane, Gletscher, Wasserfälle, heiße Quellen - alles auf engstem Raum. Und auch, wenn Island selbst ein eher teures Reiseland ist, die Campingplätze sind mit 10-15 Euro relativ günstig.
Bekannt wurde die Insel unter Bikepackern übrigens auch durch die Arna Westfjords Way Challenge (1000 km / 4 Tage im Juli).
Auch in den schottischen Highlands ist der Abenteuer-Faktor hoch: Einsame, wilde “Hügel”-Landschaft, raue Wetter-Bedingungen, geschichtsträchtige Burgruinen und es gibt sogar ausgeschilderte Routen quer durchs Land (Ten-Peaks-Trail). Wildes Campen ist in Schottland erlaubt, nur nicht auf Privatgrund, welcher häufig mit Steinmauern umzäunt ist. Also praktisch südlich der Highlands fast immer. In den Highlands lässt sich mit dem Zelt einiges an Reisebudget einsparen, allerdings muss man sich mit den gefürchteten Midges arrangieren. Kleine Moorfliegen, die abends bei Windstille aus dem Boden aufsteigen und ausgesprochen nervig sein können.
Kein anderes Land Europas wird von der Community häufiger beradelt und diskutiert. Auch “European Connection Trail”-Radler Markus Weinberg war überrascht, wie viele Bikepacker er in diesem Land angetroffen hat. Viele natürlich mit dem Ziel Lofoten, Polarkreis oder gar Nordkap. Aber auch die schiere Länge des Landes reizt: Auf knapp 1800 Kilometer (Luftlinie!) trifft man nur im Süden auf nennenswerte Zivilisation. Je nördlicher man kommt, desto häufiger die Rentier-Begegnungen, aber desto schwieriger wird’s auch mit der Verpflegung.
Im Fokus der Gravel- und Bikepacker-Community sind vor allem Reiseziele, die bisher als “zu teuer” galten. Da aber durch das Bikepacking nur noch die Verpflegung als Reisekosten anfallen, kann man sich das Ziel wieder leisten. Es sind zudem Länder, die durch ihre Hochpreisigkeit keinen Massentourismus entwickelt haben. Daher lassen sich hier noch viele Radkilometer durch wilde, nahezu unberührte Natur erleben.

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