BIKE Supertrail Nr. 86Montozzo-Scharte (Forcellina di Montozzo)

Markus Greber

 · 02.09.2022

BIKE Supertrail Nr. 86: Montozzo-Scharte (Forcellina di Montozzo)Foto: Markus Greber/Skyshot

Die Forcellina di Montozzo, im südlichen Stilfserjoch-Nationalpark, ist vor allem MTB-Alpenüberquerern ein Begriff. Vor ein paar Jahren wurde hier ein Teil der Abfahrt für Mountainbiker gesperrt und verfiel. Doch für die BIKE Transalp 2021 hat man den Pfad nun wieder hergerichtet und das Verbot abmontiert: Bahn frei auf dem Montozzo-Trail!

„Schau, dass Du heute vorne bleibst“, hatte Marc Schneider, Rennleiter der Maxxis BIKE Transalp 2022, mir kurz vor Etappenstart noch mit einem vielsagenden Blick zugerufen. Und wenn Marc das sagt, dann weiß ich: Heute stehen sehr spaßige Trails auf dem Programm. Doch je trailiger die Etappe, desto größer die Gefahr von Stau, denn auf einem richtigen Singletrail kann man kaum überholen. Vor allem im hinteren Rennfeld. Freie Fahrt und Trail-Spaß gibt es für mich also nur, wenn ich mit den Schnellen vorne dabei bin. Das bedeutet Gas geben, was mir allerdings nicht besonders schwerfällt.

Die letzten 150 Höhenmeter vom Rifugio Bozzi zur 2613 Meter hohen Montozzo-Scharte bäumen sich geröllig und steil auf. Nur wenige der BIKE Transalp-Racer konnten diesen Abschnitt fahren.
Foto: Markus Greber/Skyshot

Mein E-MTB nimmt mir als langjähriger Streckenfotograf der Transalp keiner übel. Schließlich muss ich jeden Tag einen möglichst breiten Querschnitt der Teilnehmer erwischen.

Ohne schlechtes Gewissen arbeite ich mich also vom Start weg in Aprica, über den Passo del Mortirolo und den Talradweg bis Ponte di Legno an die Spitze des Feldes vor. Ab dem Dörfchen Case di Viso überhole ich nur noch vereinzelt Teilnehmer, denn das Feld hat sich bei diesem langen Anstieg extrem auseinandergezogen. Nun wird der alte Militärweg steiler, die Landschaft mit jedem Höhenmeter alpiner. Auf fast 2500 Metern liegt das Rifugio Bozzi, das unter Alpenüberquerern den Ruf genießt, nachts den schönsten Sternenhimmel Norditaliens zu haben. Klar, diese verlassene Gegend zwischen Ortler und Adamello hat kaum größere Orte, die Lichtverschmutzung ist vergleichsweise gering.

Jetzt geht es ans Eingemachte: Kurz nach der Hütte wird der Karrenweg so steil und geröllig, dass er mich trotz Motorunterstützung aus dem Sattel zwingt. Die Montozzo-Scharte liegt auf luftigen 2613 Höhenmetern; ein Geflecht aus Schützengräben erinnert an die Herkunft des alpinen Trail-Netzwerks hier oben. Sogar einige Meter Stacheldraht haben das Jahrhundert seit dem Ersten Weltkrieg überdauert. So, wie dieser Supertrail, der sich jetzt die andere Talflanke hinunterwickelt.

Anfangs schneidet er die grünen Hänge des Hochtals mit moderatem Gefälle und lässt einen schnellen, hochalpinen Ritt zu. Wenig bremsen, kaum treten, heißt die Devise. Das Geröll ist griffig, und nur selten sorgen ein paar große Felsen rechts und links für Engpässe. Irgendwann kippt der Trail über eine Geländestufe ab. Unten glitzert das türkisfarbene Auge des Lago di Pian Palu auf, Sträucher und Alm­rosen greifen hier fast bis zum Lenker. Dazu zieht der Trail seine Kehren jetzt enger. Es wird steil, ruppiger und verwegener. An mancher Schlüsselstelle überlege ich gut, ob schieben nicht vernünftiger wäre. Fahrbar ist aber letztendlich alles. Aus den Augenwinkeln erkennt man noch dutzende Serpentinen Richtung See hinunter, doch plötzlich zweigt die Route rechts ab und balanciert auf schmalem und ausgesetztem, aber meist flowigem Trail den Hang entlang. Dieser Abschnitt (Weg Nr. 111b und 137) war für Biker ein paar Jahre verboten, doch für die BIKE-Transalp 2021 wurde er hergerichtet und nun wieder freigegeben. Ein absolutes Highlight, das am östlichen Teil des Sees in ein Almgelände ausläuft, bevor die Asphaltstraße nach Pejo hinunter übernimmt.

Als Streckenfotograf der BIKE-Transalp hat er schon viele alpine Supertrails kennen gelernt. Dieser gehört zu seinen Top 20.Foto: Markus Greber
Als Streckenfotograf der BIKE-Transalp hat er schon viele alpine Supertrails kennen gelernt. Dieser gehört zu seinen Top 20.

Die GPS-Daten zu der MTB-Tour über die Montozzo-Scharte können Sie am Ende des Artikels herunterladen.

Fakten zum BIKE Supertrail Montozzo-Scharte

Insgesamt hat die Runde 58,7 Kilometer und 2243 Höhenmeter. Der Supertrail von der Montozzo-Scharte zum Lago Pian Palu bespaßt 813 Tiefenmeter lang. Als Rundtour: Startpunkt Ossano. Wem das für einen Tagesritt zu ambitioniert ist: Es gibt auch eine Übernachtungsmöglichkeit knapp unterhalb der Montozzo-Scharte (2613 m): das einfache, aber urige Rifugio Bozzi (Tel. 0039/339/8611947).

Der Montozzo-Trail in der ÜbersichtskarteFoto: Thomas Gall, Kunth-Verlag
Der Montozzo-Trail in der Übersichtskarte

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