Supertrails in der SchweizDie Fantastischen Vier

Gitta Beimfohr

 · 12.05.2026

Kurz nach dem Ausstieg aus der Parsenn-Bahn fädelt der Chörbschhorn in diese Felsgalerie ein.
Foto: Supertrails / Markus Greber
Der Sommer im Hochgebirge ist zu kurz, um ihn mit “So la la”-Abfahrten zu verschwenden. Ein echter Supertrail braucht Drama-Kulisse, Herausforderung auf natürlichem Untergrund und: epische Länge. Vier Prachtexemplare dieser Kategorie sind im Wallis, Tessin und in Graubünden zuhause.

Themen in diesem Artikel

1. Der Chörbschhorn-Trail in Davos

  • ​Länge der Tour: 13,4 Kilometer
  • Trail-Anteil: 9,7 Kilometer
  • Bergab: 1503 Tiefenmeter
  • Gegenanstieg: 346 Höhenmeter
  • Schwierigkeit: 3 von 5 Sternen

Er ist das Herzstück der berühmten Davoser Bahnentour, den man auch mal als Halbtages-Ride angehen kann. Mit der Parsenn-Bahn geht’s auf das 2700 Meter hohe Weißfluhjoch, dann zunächst auf der Skipiste und durch eine spektakuläre Felsgalerie zum Strelapass hinunter (350 tm). Hier beginnt das epische Teil: Der Almtrail surft durch Wiesen und balanciert über Grate. Im Auf und Ab sammelt man die 350 Höhenmeter Gegenanstieg auf, blickt dabei aber in schönstes Panorama. Ist die kleine Chörbschhorn-Hütte auf 2600 Metern Höhe erreicht, startet das pure Surferglück.

Mehr Infos: davos.ch

2. Piz Umbrail Trail im Val Müstair

  • ​Länge der Tour: 14,3 Kilometer
  • Trail-Anteil: 10,8 Kilometer
  • Bergab: 1651 Tiefenmeter
  • Gegenanstieg: 586 Höhenmeter
  • Schwierigkeit: 4 von 5 Sternen

Der 2501 Meter hohe Umbrail-Pass ist der höchste Straßenpass der Schweiz. Bis dahin kann man sich also shutteln lassen. Doch wer den ikonischen Trail erleben will, muss weiter zum Piz Umbrail hinauf, und der thront auf 3033 Meter Höhe. 200 dieser Höhenmeter gilt es, das Bike einen Klettersteig hoch zu wuchten - mit dem E-MTB ist das eine kleine Tortur. Aber dann beginnt eine Kulisse die an Dramaturgie kaum zu toppen ist. Der Trail windet sich durch lockeres Mondgestein, Grate und Felszacken dekorieren den Panorama-Mix aus Val Müstair, Stilfserjoch-Nationalpark und Ortlermassiv. Dann fliegt der Pfad auf den Lei da Rims zu, der wie ein Infinity-Pool auf einer Almterrasse schlummert. Man selbst sollte aber wachsam bleiben, denn es folgt noch ein recht anspruchsvoller Serpentinen-Stapel, bevor man es Richtung Val Müstair hinunter immer mehr laufen lassen kann.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

3. Monte Tamaro Trail im Tessin

  • ​Länge der Tour: 39 Kilometer
  • Trail-Anteil: 14,8 Kilometer
  • Bergab: 1582 Tiefenmeter
  • Gegenanstieg: 588 Höhenmeter
  • Schwierigkeit: 4 von 5 Sternen

Lage, Lage, Lage - eine Schönheit ist er nicht der Monte Tamaro. Ein langer, wenig markanter Bergrücken, knapp 2000 Meter hoch, seine Seilbahnstation: ein einziger Touristen-Rummelplatz. Aber er liegt halt spektakulär zwischen Luganersee und Lago Maggiore. Sprich: Die Aussicht von oben ist unbezahlbar und...ach, dieser Trail! Wer sich einmal in seine erste geröllige Kehre hineingedreht und so manchen Kilometer in seiner einsamen Südwestflanke abgeritten hat, fragt sich: Wann hört der denn wieder auf? Dabei kommen die flowigen Abschnitte durch Wald und später Wiesen ja erst noch. Aber Vorsicht - immer, wenn man denkt, es läuft geschmeidig dahin, dann jagt eine Schlüsselstelle den nächsten Adrenalin-Shot ins Blut. Erst nach 15 Kilometern, kurz vorm Ufer des Luganer Sees, setzt der Spaß final zur Landung an.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

4. Portail de Fully im Wallis

  • ​Länge der Tour: 39,3 Kilometer
  • Trail-Anteil: 9,5 Kilometer
  • Bergab: 2186 Tiefenmeter
  • Gegenanstieg: 1494 Höhenmeter
  • Schwierigkeit: 4 von 5 Sternen

Dieser Trail im Kanton Wallis hat schon Kultfaktor wegen seiner Seilbahn. Die Gondeln in Dorénaz überraschen nämlich mit einer sehr fotogenen Bike-Befestigung. Die Räder werden unter der Gondel überkopf an den Laufrädern aufgehängt. Also Schnellspanner festzurren und alles, was abfallen kann abnehmen! Der Lift hilft auch nur das erste Stück bergauf, satte 1500 Höhenmeter gilt es noch selbst zu kurbeln. 350 Höhenmeter sogar auf Trail, wobei das letzte Stück auch mit dem E-MTB zu schieben ist. Die Kulisse bilden die 4000er des Wallis. Prominente weiße Spitzen so weit das Auge reicht. Darunter natürlich auch King Mont Blanc. Spektakulär ist auch das Portail de Fully: ein Felsbogen mitten in der Wand. Doch dann heißt es Konzentration: Die nun folgenden 2188 Trail-Tiefenmeter sind nicht schwer zu fahren, aber sie klammern sich über weite Strecken sehr ausgesetzt an die Felswand. Im Zweifel schiebt man in sehr engen Passagen, aber schwindelfrei sollte man auch später im Wald sein, weil sich dort eine Kehre an die andere reiht.

Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr

Redakteurin

Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.

Meistgelesen in der Rubrik Touren