Österreich

Die besten MTB-Touren in Kärnten und Slowenien

Gitta Beimfohr

 · 28.12.2018

Die besten MTB-Touren in Kärnten und SlowenienFoto: Franz Gerdl

Hohe Tauern, Kärnten, Karawanken, Julische Alpen – der südöstlichste Zipfel der Alpen strotzt vor imposanten Felsen, Seen und Militär-Trails für Mountainbiker. Und am Ende wartet die Adria.

Ach, Slowenien, das ist halt so weit weg. Stimmt nicht. Nach Kranjska Gora im Dreiländereck fährt man von München aus genauso lang wie zum Gardasee, nämlich etwa dreieinhalb Stunden. Nur, kaum hat man den Karawanken-Tunnel durchquert, steht man plötzlich in einer anderen Welt: Weiße, steile Karstfelsen drängen sich rund um den höchsten Gipfel, den 2864 Meter hohen Triglav. Schilder mit zunächst merkwürdig klingenden Orts- und Bergnamen weisen die Richtung, und viele Schotterwege sind nur im Tal breiter ausgebaut. Richtung Gipfel zerfleddern die Wege oft, und Trail-Abzweige verstecken sich hinter Gestrüpp. Hütten trifft man nicht allzu häufig an und wenn, dann sind sie oft nur am Wochenende geöffnet. Voilà, viel Raum also für ein echtes Bergabenteuer! Egal, ob man zu Tages-Touren ausrückt oder für ein paar Etappen der Soca folgt. Am aufregendsten ist aber immer noch eine Überquerung der Julischen Alpen. Hier kurbelt man sich vom hochalpinen Fels über sanfte Wald-Trails bis an den Strand der Adria. Die Unterkünfte sind zwar einfach, werden aber von freundlichen Gastgebern geführt, die meist recht gut Englisch sprechen. Auch in Sachen Bikeparks haben die Slowenen aufgeholt. Insgesamt sieben Trail-Anlagen mit Lift finden sich inzwischen in den Karawanken und Julischen Alpen.

Wer lieber eine Kulisse aus Almwiesen, glasklaren Seen, weniger komplizierten Bergnamen und aufgeräumten Wegen hat, nimmt einfach eine der Autobahnausfahrten vor der slowenischen Grenze. Denn auch die Kärntner bauen um ihre Liftanlagen herum immer mehr Sommer-Trails. Darunter auch den offiziell Längsten Europas, an der Petzen. Die elf Kilometer wickeln sich so in den Berg, dass man die Bremse kaum bemühen muss. Wir haben die besten Touren aus diesen Regionen für Sie herausgesucht.

  SüdostalpenFoto: Infochart
Südostalpen


Maut Richtung Slowenien

Günstig ist die Fahrt auf der Tauern-Autobahn nicht. Allein für die Maut muss man mit dem PKW für einen 10-Tagestrip insgesamt 61,40 Euro berappen: Pickerl Österreich 9 Euro, Tauerntunnel 2 x 11,50 Euro, Karawanken-Tunnel: 2 x 7,20 Euro, Slowenien-Vignette: 30 Euro. Wer die Maut online entrichtet, verkürzt wenigstens die Wartezeit.
Infos: www.asfinag.at

  Vignette für SlowenienFoto: Hersteller
Vignette für Slowenien

1. Triest: Slavnik-Runde (40,8 km | 1285 hm | 4:30 h)


Die Tour Erst einen italienischen Cappuccino an der Hafenmole von Triest frühstücken, dann Richtung slowenisches Küstengebirge touren. Die Runde klettert auf einer alten Bahntrasse oberhalb des Val Rosandras den Slavnik hinauf, den mit 1028 Metern höchsten Gipfel der Region. Oben ist die Aussicht entsprechend großartig, und am Wochenende hat sogar die Hütte geöffnet. Allerdings sind dann auch jede Menge Wanderer unterwegs. Doch das Highlight der Tour ist ja ohnehin die Abfahrt: Der Trail beginnt flowig durch eine Almwiese und legt später im Wald um ein paar spitze Kalkfelsen zu. Sobald sich der Wald wieder lichtet, entspannt sich auch der Pfad, um schließlich kurz vor Presnica noch mal grobsteinig zu werden. Über die Burg Socerb geht’s zurück.


Kondition 3 von 5 Punkten
Fahrtechnik 3 von 5 Punkten
Landschaft 4 von 5 Punkten
Schwierigkeit mittel

Infos: GPS-Daten und den Revier-Guide Triest mit zwei weiteren Touren: www.bike-magazin.de, Webcode #34606

2. Kranjska Gora: Dreiländereck (23,2 km | 816 hm | 3 h)


Die Tour Nordwestlich von Kranjska Gora stoßen die Ländergrenzen von Slowenien, Österreich und Italien in den Karawanken zusammen – ein Garant für spannende Schmuggler-, und Kriegspfade. Der erste schöne Wald-Trail wartet schon kurz hinter der Stadt. Dann folgt man für zwei Kilometer der steilen Wurzenpass-Straße, bis ein einsamer Schotterweg übernimmt und bis zum Dreiländereck hinaufführt. Bei schönem Wetter überblickt man von hier oben halb Kärnten. Bergab sind gute Bremsen von Vorteil, denn der Pfad schlägt sich recht steil und in engen Serpentinen ins Dörfchen Ratice hinunter. Vereinzelt pushen quer liegende Wurzeln zusätzlich den Puls. Wer auf diese Herausforderung keine Lust hat, kann diesen Abschnitt auch auf der Forststraße umfahren.


Kondition 3 von 5 Punkten
Fahrtechnik 4 von 5 Punkten
Landschaft 3 von 5 Punkten
Schwierigkeit mittel

Infos: GPS-Daten samt Revier-Guide Kranjska Gora: www.bike-magazin.de, Webcode #28431

3. Kobarid: Matajur-Grenz-Tour: (57,2 km | 1400 hm | 4:30 h)


Die Tour Der Ort Kobarid liegt am schönen Wildwasserfluss Soca. Eine Region, in der im Ersten Weltkrieg, während der Isonzo-Schlacht, viele Soldaten starben. Biker profitieren heute von der militärischen Infrastruktur von damals und zwar am schönsten auf dieser Tour, die zum Gipfel des 1650 Meter hohen Matajur hinaufführt. Auf seiner Rückseite wartet nämlich eine 13 Kilometer lange Supertrail-Abfahrt, die für lange Zeit auf dem Grenzkamm nach Italien hinüber entlangbalanciert und sich am Ende nach San Pietro hinunterwickelt. Von dort rollt man auf der Talstraße flach nach Kobarid zurück. Die Auffahrt kann man übrigens bis nach Idrsko mit einem Shuttle abkürzen. In Kobarid gibt es diverse Sport-Shops, die diesen Service anbieten.


Kondition 4 von 5 Punkten
Fahrtechnik 4 von 5 Punkten
Landschaft 4 von 5 Punkten
Schwierigkeit mittel

Infos: Die GPS-Daten zu dieser und zwei weiteren Touren: www.bike-magazin.de, Webcode #18697

Trans-Slowenien für Mountainbiker

Lange Zeit wagte sich niemand so richtig heran an die Überquerung der Julischen Alpen. Die Karten zu ungenau, die Namen der Berge für westliche Ohren zu kompliziert, das Wegenetz nicht so gepflegt wie in den Ostalpen und: Wie kommt man eigentlich wieder zurück zum Ausgangspunkt? Alles berechtigte Gründe, eine Tour mit einem Guide zu buchen. Fast jeder deutsche Transalp-Veranstalter bietet inzwischen Trans-Slowenien-Touren an. Wer es dennoch auf eigene Faust versuchen möchte, findet fertig ausgearbeitete GPS-Routen bei www.bike-gps.com und jede Menge Strecken-Infos bei www.mtb-slowenien.de

Tipp für den Rücktransfer: Mit der Fähre nach Triest und von dort mit dem Zug zurück nach Arnoldstein, Fahrzeit: ca. 3,5 Stunden mit Umsteigen in Udine. www.bahn.de

  Eine Trans-Slowenien ist eine lohnende Alternative zu einer Alpenüberquerung entlang der beliebten Routen weiter im Westen.Foto: Robert Niedring
Eine Trans-Slowenien ist eine lohnende Alternative zu einer Alpenüberquerung entlang der beliebten Routen weiter im Westen.


Cockta und Graupensuppe: Die Hüttenverpflegung in den Julischen Alpen fällt etwas einfacher als in den Ostalpen aus. Meist gibt es Graupen-, Kraut- und Gulaschsuppe, gebratene Wurst und manchmal auch Spaghetti Bolognese. Also eher fleischlastig. Dazu trinkt man seit 1953 Cockta. Es sieht zwar aus wie Cola, enthält aber kein Coffein, schmeckt fruchtig und wird aus den Hagebutten der Hundsrose gewonnen.

  Cockta - das OriginalFoto: Hersteller
Cockta - das Original

MTB-Tour von Bayrischzell zur Soca (466 Kilometer / 9820 Höhenmeter / 7 Etappen)

Vom Thierseer Tal über die Glockner-Straße durch die Hohen Tauern und dann hinein in die Kärntner Seenplatte. Möll- und Drautal führen weiter zum Millstädter See und am sechsten Tag über die slowenische Grenze. Hier klettert die Route noch mal die gepflasterten Kehren zum Vrsic-Pass (1611 m) hinauf, dann an der sprudelnden Soca nach Tolmin hinunter. Preis inkl. ÜF, Gepäcktransport und Rücktransfer 1149 Euro, Infos: www.bergbiken.de

  In sieben Etappen von Bayrischzell ins slowenische Soca-Tal: eine MTB-Alpenüberquerung abseits der vielbefahrenen Routen.Foto: Robert Niedring
In sieben Etappen von Bayrischzell ins slowenische Soca-Tal: eine MTB-Alpenüberquerung abseits der vielbefahrenen Routen.

KARAWANKEN-TRAIL-TOUR (5 Etappen mit bis zu 60 km und 2000 hm)

Das Grenzgebirge zwischen Kärnten und Slowenien tunnelt man normalerweise mit dem Auto. Dabei schlängeln sich hier die spannendsten Trails durch den weißen, oft steilen Karstfels. Bergauf hilft hin und wieder ein Lift, bergab nur gute Fahrtechnik. Übernachtet wird auf urigen Almen. Preis inkl. HP, Gepäcktransport und Rücktransfer 845 Euro. Termin: 2.–8.9., Infos: www.mtb-slowenien.de

NEUE MTB-TRAILS IN KÄRNTEN

Die mit elf Kilometern längste Flowtrail-Abfahrt der Alpen, nämlich die an der Petzen, bekommt einen ruppigen Downhill-Bruder namens "Thriller" (7 km). Außerdem werden dieses Jahr drei neue Trails am Weissensee eröffnet und drei am Faakersee. Alle Infos dazu: www.radland.kaernten.at

5 Tipps fürs Biken bei Hitze


• Früh starten: Die Felsen der Julischen Alpen und Karawanken heizen sich in der Sonne sehr stark auf. Wer seine Tour früh startet, entkommt der Hitze und den häufigen, heftigen Wärmegewittern am Nachmittag.
• Isotonisch trinken: Viel trinken hilft auch gegen Hitzekrämpfe. Da es in den Karstfelsen nur selten Auffüllmöglichkeiten gibt, morgens mit mindestens drei Litern Wasser starten, eventuell mit Elektrolyten.
• Sonnencreme 30+: Sonnenbrand an Armen und im Nacken unbedingt vermeiden, sonst wird der restliche Trip zur Tortur. Auch bei bedecktem Wetter: mind. Schutzfaktor 30!
• Auch bergauf: Helm! Ein Sonnenstich ist nichts anderes als die Reizung der Hirnhäute durch direkte Sonneneinstrahlung.
• HItzschlag: Starke Kopfschmerzen und Übelkeit können Vorzeichen eines Hitzschlags sein. Dann viel trinken sowie Kopf und Nacken mit nassen Tüchern kühlen!


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