Legendäre MTB-Touren, Teil 9Monte Grappa Sentiero 153

Gitta Beimfohr

 · 13.09.2026

Legendäre MTB-Touren, Teil 9: Monte Grappa Sentiero 153Foto: Delius Klasing
Der Sentiero 153 ist so schön, dass er es bei Delius Klasing bereits auf ein Buchcover geschafft hat.
Als in den 90er-Jahren die Suche nach den spannendsten Militärtrails boomte, wurde der Sentiero 153 am Monte Grappa als absolute Goldader gefeiert: acht Kilometer Zickzack- und Tunnel-Kurs durch die Steilwand. Das Ganze vor einer Aussicht, die bis nach Venedig reicht.

Nur 1775 Meter hoch, liegt der Monte Grappa wie hingewürfelt am Rand der Poebene. Mit seiner Südwand brechen die Alpen hier ab - allerdings weit von den bekannten Mountainbike-Revieren entfernt. Selbst vom Gardasee aus sind es noch mal zwei Stunden Autofahrt bis zum Monte Grappa. Doch aufmerksamen Kartenlesern in den 90er-Jahren stach dieser Berg trotzdem ins Auge:

Zum Einen natürlich wegen seines Namens. Wobei der laut Sprachforschern nichts mit dem hochprozentigen Traubensaftkonzentrat zu tun haben und sich eher vom althochdeutschen Wort „Krapfen“ oder „Fels“ ableiten soll. Vor allem aber rieben sich die damaligen Trail-Sucher die Augen, weil der Berg bereits auf der Karte so aussah, als hätte ihn Picasso persönlich rundherum mit Girlanden verziert. Sämtliche Straßen, Wege und Trails um und über diesen Felsstock sind im Zickzack-Modus angelegt - ein eindeutiger Hinweis darauf, dass es hier für Biker noch mehr als Trailspaß zu entdecken gibt.

Der Monte Grappa - bis heute ein Wallfahrtsort

Und richtig: Der Monte Grappa ist in Italien bis heute ein Wallfahrtsort. Ganze Schulklassen werden hier in Bussen auf den Gipfel gekarrt. Denn hier oben haben ihre Urgroßväter im Ersten Weltkrieg das Land verteidigt. Ein riesiges Ossarium mit 25.000 gefallenen Soldaten zeugen heute noch von der berühmten, sechstägigen Frontschlacht am Monte Grappa. Schon deshalb fährt die Gänsehaut immer mit, wenn man auf dem Sentiero 153 unterwegs ist. Ein Trail, der natürlich nicht von Picasso, sondern im Winter 1917/18 von Soldaten mit einfachsten Werkzeugen, Blut und Schweiß und in Rekordzeit als Nachschubweg in den Fels geschlagen wurde. Ein Meisterwerk an der senkrechten Wand. Direkt am Abgrund. Mit Tunnels, meist fein gekieselt und mit sanftem Gefälle.

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Das Tollste an dem Trail ist seine Optik. Sie macht den 153er so einzigartig unter all den Trails, die sich die anderen Wände des Monte Grappa ins Tal hinunter wickeln. Ein Anblick, mit dem man gar nicht rechnet, wenn man vom Gipfelplateau losrollt. Auf einem breiteren Schotterweg (Sentiero 156) geht’s nämlich zunächst im Auf und Ab an der Aussichtskante entlang, dann im ersten Zickzack zu einem alten Fort hinunter, wo der Sentiero delle Meatte abzweigt. Ein Trail, bei dem man sich ein bisschen vorstellen kann, wie hart es war, ihn in die verwinkelte Wand zu schlagen. Bereits das Fahren und Schieben auf dieser geröllhaltigen und rampendurchsetzten Schmalspur sorgt 2,5 Kilometer lang für erhöhten Puls. Gerade beschleicht einen das Gefühl, dass man vielleicht den falschen Abzweig genommen haben könnte, da folgt man dieser Linkskehre und plötzlich liegt der 153er in seiner ganzen Pracht vor einem: weiße Zickzack-Kehren im grün-bewachsenen Gegenhang. Nur unterbrochen von zwei Tunnels, die von hier aus wie Mauselöcher aussehen. Ein Trailbild, wie man es woanders nur mit der Drohne hinbekommen würde.

Sein Anblick hat ihn berühmt gemacht

Es ist schwer, sich von diesem Anblick zu trennen, aber auch die Spannung wird immer größer: Wie fühlt es sich wohl an, durch diese Mäuselöcher zu fahren? Wird man in den Serpentinen das Hinterrad versetzen müssen? Auch der Untergrund des Trails ist von hier aus schwer einzuschätzen. Also steuert man das kurze Stück Pfad bis zum Einstieg in den 153 doch irgendwann an und erkennt von diesem Blickwinkel aus: Huch, ganz schön ausgesetzt, das Ganze. Der Weg hat zwar meist gute Handtuchbreite, daneben aber nur einen seht schmalen Grünstreifen. Dahinter lauert auch nicht der freie Fall, aber doch einer, bei dem man zwischen großen Felsbrocken und Vorsprüngen zur Flipperkugel werden dürfte.

Auf dem Trail selbst halten sich die großen Steine jedoch in Grenzen. Mit Fahrtechnik-Skills für Schwierigkeitsgrad S1 könnte man der schottrigen, sanft abfallenden Spur sehr gut folgen. Manche Kehren sind etwas enger geschnitten und dann auch mal hängend oder etwas verblockter. Dann steuert man also kurz auf den Abgrund zu und muss dann beherzt umschwenken. Aber sonst sind die knapp 700 Tiefenmeter leicht zu rollen. Man muss nur stets darauf achten, dass auf der Felswandseite Lenker und Pedale nicht im heraussprießenden Gestrüpp einfädeln. Das würde definitiv den Impuls für die gefürchteten Absturzseite geben. So fährt man diesen Trail mit einer gewissen Anspannung, aber auch der angebrachten Ehrfurcht für seine Erbauer.

Am Fuß der Grappa-Steilwand weitet sich der Trail schließlich zu einem ausgesprochen flowigen Waldweg. Auf seinem Kehrenkurs darf man bedenkenlos Gas geben bis die ersten Häuser von Sacello San Liberale auftauchen. Dann geht’s auf Nebenstraßen und Schotterwegen zurück nach Borso del Grappa zurück.

Info Sentiero 153

  • Länge der Tour: 21,8 Kilometer
  • Trail-Länge: 8,2 Kilometer
  • Bergauf: 344 Höhenmeter (wenn man den Shuttle zum Gipfel nimmt)
  • Bergab: 1817 Tiefenmeter
  • Schwierigkeit: S1, max. S2-Schlüsselstellen
  • GPX-Daten: Abonnenten des BIKE Magazins oder der digitalen Premium-Version können die GPS-Daten der Tour auf bike-magazin.de unter “Mein Bereich” gratis downloaden.

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Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr

Redakteurin

Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.

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