Marathon-KlassikerMit dem E-MTB auf den schönsten Routen

Gitta Beimfohr

 · 03.11.2022

Marathon-Klassiker: Mit dem E-MTB auf den schönsten RoutenFoto: Markus Greber/Skyshot
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Einen MTB-Marathon mit 7000 Höhenmetern tun sich nur wirklich gut Trainierte an. Schade eigentlich! Denn gerade die Extremrouten dieser fünf Marathon-Klassiker führen durch besonders schöne Alpenkulissen. Ohne tickende Stoppuhr im Nacken und einem E-MTB als Gefährten: ein absoluter Traum!

Fragt man einen eingefleischten Marathon-Racer, für welche Distanz er sich angemeldet hat, erntet man meist diese Reaktion: langer, irritierter Blick – dann die leicht überhebliche Antwort: „Es gibt nur einen Marathon“. Gemeint ist natürlich die Extrema, die Langdistanz. Die Strecke, auf der man gewaltig beißen muss, schon um die gefürchteten Zeitlimits unterwegs einzuhalten. Wer es dann noch ins Ziel schafft, darf sich vor allem konditionell zur Elite zählen. Fragt man diese Helden nach dem Rennen allerdings nach der Landschaft, in der sie unterwegs waren: Schulterzucken. Tja, außer dem Hinterrad des Vordermanns, Verpflegungsstationen, Laktatrausch und Pulshämmern im Ohr gar nichts mitbekommen. Und das ist ausgesprochen schade, denn die meisten MTB-Marathons sind ja gerade wegen ihrer Kulisse so beliebt, und die Streckenchefs geben sich jedes Jahr viel Mühe, um Racern und Fotografen zu den Schmerzen maximal intensive Panoramen zu präsentieren.

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Manche schinden sich bei den Marathons bis zur Erschöpfung, andere genießen die Extremrouten ohne Stoppuhr.Foto: Sportograf und Markus Greber/Skyshot
Manche schinden sich bei den Marathons bis zur Erschöpfung, andere genießen die Extremrouten ohne Stoppuhr.

Schon deshalb sind die Routen der Marathon-Klassiker ein perfektes Touren-Erlebnis mit dem E-Mountainbike. Zeit- und Konditionsschranken fallen weg, und bei diesen fünf Superstrecken, die wir ausgewählt haben, lohnt es sich sogar, eine Hüttenübernachtung einzuplanen. Zum einen, weil der Akku auf der langen Strecke bestimmt einmal komplett nachgeladen werden muss und zum anderen, weil das hektische Riegelknabbern an den Verpflegungsstationen ja auch wegfällt. Stattdessen warten entlang der Route jede Menge Einkehrmöglichkeiten in Form gemütlicher Hüttenterrassen. Da bleibt man gern mal etwas länger sitzen. Wichtig wäre nur, dass Sie sich ein besonders schönes Wochenende heraussuchen, damit sich das Panorama auch gebührend entfalten kann und sich nicht am Ende hinter Wolken versteckt. Oder, wie zum Beispiel bei der Salzkammergut Trophy, noch im Dunklen schlummert, denn beim härtesten Bike-Marathon Europas mit unglaublichen 7000 Höhenmetern fällt der Startschuss bereits morgens um fünf Uhr, damit das Pensum an einem Tag überhaupt zu schaffen ist. Als entspannter Touren-Fahrer mit einem E-Bike aber hat man die Freiheit, sich Wetter, Startzeit und Erlebnisdauer auszuwählen. Nur an einem Tag im Jahr sollten Sie diese Marathon-Routen besser meiden, wenn Sie sie in Ruhe genießen wollen: am Renntermin selbst.

Diese fünf MTB-Marathon-Klassiker haben wir für Sie ausgewählt:

Gardasee - Ronda Extrema
Foto: Wolfgang Watzke

Dolomiti Superbike

Rein optisch ist es seit 26 Jahren vielleicht der schönste Marathon der Ostalpen. Das erkennen hier sogar die Race-Profis, trotz Tunnelblick und Schweißtropfen in den Augen. Vom Südtiroler Ort Niederdorf klettert die Route über Rotwand, Kreuzbergpass und Plätzwiese und lässt den Blick dabei weit über die Felstürme der Sextener Dolo­miten samt der berühmten Drei Zinnen kreiseln. Fahrtechnisch muss man sich auf geröllige Schotterstraßen einstellen und typisch hochprozentige Dolomiten-Rampen, die mit einem E-MTB ja ein wenig den Schrecken verlieren.

Die Strecke / GPS-Daten: 123 Kilometer und 3400 Höhenmeter misst die längste Distanz. Beim Marathon wird die Route abwechselnd in beide Richtungen gefahren. GPS-Daten und den nächsten Renntermin gibt’s unter Dolomiti Superbike.

Einkehr / Akku-Laden: Rudi Hütte, Rotwandwiesen, Tel. 0039/0474/710063, Rifugio Baranci (Haunold Hütte), Tel. 0039/0474/916582, Dürrensteinhütte (Plätzwiese).

Fahrtechnik: leicht - Die Route führt hauptsächlich über Schotterstraßen, die mit ihrem kantigen und teils tiefen Geröll aber dennoch mit Vorsicht zu genießen sind.

Dolomiti SuperbikeFoto: Maria Knoll
Dolomiti Superbike

Grand Raid, Verbier

Der Cristalp, wie der Marathon früher hieß, findet diesen August zum 32. Mal statt. Er ist damit Europas älteste Leidensstrecke, eine „Erfahrung fürs Leben“, sagen all diejenigen, die ihn überlebt haben. Warum sie sich die legendäre Strecke von Verbier (Start morgens um 6:30 Uhr) bis nach Grimentz dennoch immer wieder antun? Über den Dächern des Schweizer Skirortes drängen sich die Viertausender und das Mont-Blanc-Massiv. Das bedeutet: Auch mit dem E-Bike sind die Anstiege lang, hart und sauerstoffarm – aber die Panoramen, die man sich dabei erkämpft, bleiben unvergesslich. Umso herrlicher, wenn man sich auf halber Strecke, mitten in dieser Kulisse, auf einem Hüttenbett ausstrecken kann!

Die Strecke / GPS-Daten: 125 Kilometer und 5025 Höhenmeter. Die Strecke ist keine Runde, sondern führt über dem Rhônetal von Verbier bis nach Grimentz. Die GPS-Daten können Sie hier downloaden.

Einkehr / Akku-Laden: Schön übernachtet man auf der Alpage la Vieille. So ergeben sich zwei Etappen (93 km/4300 hm und 71 km/1610 hm).

Fahrtechnik: schwer - Die Route enthält verblockte Trail-Passagen bis S2 und eine heftige Schiebepassage am Pas de Lona (2787 m).

Grand Raid, VerbierFoto: Markus Greber/Skyshot
Grand Raid, Verbier

Nationalpark-Marathon

Seit 1914 gehört der Schweizerische Nationalpark in Graubünden zu den streng geschützten Zonen der Alpen. Klar, dass die Marathon-Route nicht quer durch das Bartgeier-Revier hindurchführt, sondern ein Mal drumherum. Aber es ist die Schweiz, und deshalb warten hier nicht nur vier Passanstiege, Pass da Costainas, Döss Radond, der Alpisella-Pass nach Livigno hinüber und zum Schluss noch das wirklich fiese Rampenbrett zum Passo Chaschauna hinauf, sondern auch jede Menge Singletrails zur Belohnung. Ohne den Wettkampf-Zeitdruck und einem E-Mountainbike eine überaus lohnende Unternehmung. Und landschaftlich wird’s auch nicht langweilig: Den Arvenwald God da Tamangur und das berühmte Val Mora muss man mal erlebt haben.

Die Strecke / GPS-Daten 141 Kilometer und 3848 Höhenmeter misst die komplette Runde. Die kürzeren Distanzen starten in anderen Orten im Unterengadin. GPS-Daten zum Nachfahren gibt’s auf Bike Marathon oder bei Herbert Bike.

Einkehr / Akku-Laden: Für die Übernachtung bieten sich das Biobauerntal Val Müstair oder Livigno auf italienischer Seite an (günstiger!).

Fahrtechnik: mittel - Die Trails der Route, trotz Hochgebirgslage, haben einen maximalen Schwierigkeitsgrad von S1.

Nationalpark-MarathonFoto: Markus Greber/Skyshot
Nationalpark-Marathon

Salzkammergut Trophy

7059 Höhenmeter an einem Tag – das ist selbst mit Motorunterstützung und diversen Ersatz-Akkus eine Herausforderung. Zum 25. Jubiläum dieses Marathon-Klassikers in Bad Goisern haben die Veranstalter dieses Jahr noch eine Extra-Kleeblatt-Schleife draufgelegt. Selbst der schnellste Mann saß für diese Extremdistanz 9:35 Stunden im Sattel, 25 Prozent der Aspiranten geben im Durchschnitt auf. Es wird beim entspannten Nachfahren mit dem E-MTB also Gänsehautmomente geben, weil hier schon viele Träume zerplatzt sind. Aber auch auf dem spektakulären Gallerie-Weg in der Ewigen Wand. Wegen Steinschlag­gefahr ist die Klassiker-Abfahrt über die Blaa-Alm derzeit gesperrt, die neue Route wurde entsprechend umgelegt und ist ausgeschildert.

Die Strecke / GPS-Daten: 213 Kilometer und 7059 Höhenmeter – hier lohnen sich sogar zwei Übernachtungen. Einige Trail-Abschnitte sind nur zum Rennen freigegeben. Die erlaubte Route zum Nachfahren gibt’s hier.

Einkehr / Akku-Laden: Da die Route(n) in Kleeblatt-Form angelegt ist, reicht ein Basislager in Bad Goisern.

Fahrtechnik: leicht - Einzige Schlüsselstelle: die Rampe zur Hochmuth hoch!

Salzkammergut TrophyFoto: Peter Neusser
Salzkammergut Trophy

Gardasee - Ronda Extrema

Im Prinzip kann man den Frühjahrsklassiker das ganze Jahr über fahren. Der Lago-Marathon startet in Riva del Garda auf 70 Metern Höhe und erreicht den höchsten Punkt auf der 1433 Meter hohen Prà dei Muci. Da verirren sich nur sehr selten ein paar Schneeflocken hin. Trotzdem warten drei lange Uphills und jede Menge knackige Gegenanstiege auf dem Weg über Tennosee, Monte Calino, Val Lomasone, Malga di Vigo mit Adamello-Panorama, die Betonrampe am San Giovanni und schließlich noch die 400 Höhenmeter zur Bocca di Tovo hinauf. Bequemerweise ist die Route ausgeschildert, man folgt einfach der Wegnummer 773.

Die Strecke / GPS-Daten: 83 Kilometer und 3484 Höhenmeter misst die Ronda Extrema am Lago. Deutlich weniger als die anderen vier Routen, aber beim ersten Marathon der Saison tut das schon ordentlich weh - auch auf einem E-Bike. Die GPS-Daten können Sie hier downloaden.

Einkehr / Akku-Laden: Das Rifugio Monte Calino San Pietro wartet bei km 56 (Tel. 0039/0464/500647).

Fahrtechnik: mittel - Die Trails Sentiero dei Russi, an der Prà dei Muci, der Bocca di Tovo und der Novino-Trail sind teils verblockt, gehören am Lago aber zu den leichteren Abfahrten.

Gardasee - Ronda ExtremaFoto: Wolfgang Watzke
Gardasee - Ronda Extrema

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