Gitta Beimfohr
· 27.05.2026
Val die Fiemme und Val di Cembra - die verlängerten Arme des Val di Fassa - haben sich zum Thema Mountainbike bisher stets im Hintergrund gehalten. In Sachen Trails wollten diese beiden Täler im Trentino mit den benachbarten Spots nicht mithalten. Doch beim großen Gravel-Trend können sie nun punkten mit einsamen Höhenwegen durch idyllische Almwiesen, ursprünglichen Dörfern und Orten und viel spannender Geschichte. Perfekt für ausgiebige Erkundungsausfahrten mit dem Gravelbike.
Oder hat schon mal jemand etwas von der “Piana Rotaliana Königsberg” gehört? Auf dem Weg zum Gardasee schießt man eher achtlos an dieser grünen Hügellandschaft vorbei. Auch hier wurde nun eine Gravel-Route ausgetüftelt, die in sanften Wellen von einem ursprünglichen Weingut zum nächsten tingelt, echtes Trentiner Landleben zeigt und in historischen Ortskernen an der Espresso-Bar Geschichten aufschnappt (Touren-Info am Ende des Artikels).
Die meisten Graveler wird es aber sehr wahrscheinlich auf die “DoGa”-Route ziehen. Sie startet zu Füßen der Brenta-Dolomiten und endet nach 110 Kilometern am Ufer des Gardasees. Eine Tour, die nicht einfach abzurollen ist, aber ganz ohne Fahrtechnik geht’s am Lago auch beim Graveln nicht. Hier die Infos zu den vier landschaftlich schönsten Graveltouren des Trentino:
Direkt ans Val di Fassa schließen sich die Täler Val di Fiemme und Val di Cembra an, mit all ihrer Idylle. Eingebettet zwischen den Dolomiten und der Lagorai-Kette, rollt man hier auf sanften Waldwegen und einsamen Straßen entspannt durch Dörfer und zu gemütlichen Almhütten hinauf. Stets in Höhenlagen, die bis spät in den Herbst schneefrei sind und saftig grün leuchten. In den magischen Fichtenwäldern des Naturparks Paneveggio kann man sogar Hirsche beobachten, während auf den Weiden der Alpe Lusia friedlich die Kühe grasen. Highlight: Die Hochebene von Lavazè, die mit tollen Ausblicken aufwartet.
Die Runde startet am Passo Lavazè und klettert auf Asphalt bis zum 2000 Meter hohen Passo Oclini hinauf. Dort beginnt der Offroad-Teil: Entlang der Butterloch-Schlucht mit ihren bunten geologischen Schichten, dann über Weiden mit grandiosem Ausblick. Und dort, wo die Aussicht in die Dolomiten ganz besonders eindrucksvoll ist, wartet eine urige Hütteneinkehr.
Von den Brenta-Dolomiten bis ans Nordufer des Gardasees: Die neu ausgetüftelte „DoGa“-Gravelroute kann man an einem Tag abreißen, muss man aber nicht. Man passiert diverse Unterkunfts- und Einkehrmöglichkeiten, sodass sich daraus auch eine gemütliche Zwei-Tagestour genießen lässt. Vom Anspruch her ist die Tour zwar leicht, aber eine Reifenbreite von 32 Millimetern macht so manche Schotterpiste bequemer.
Der Streckenverlauf: Malé in Val di Sole – Naturpark Adamello Brenta – Madonna di Campiglio – Vallesinella – Val Genova – Burg Stenico – Mittelalter-Dorf Canale – Tennosee – Riva del Garda. Den höchsten Punkt markiert der 1650 Meter hohe Campo-Carlo-Magno-Pass. Den tiefsten: der Badestrand am Gardasee (65 m).
Das Schotterwegenetz auf der weiten Hochebene der Alpe Cimbra eignet sich perfekt zum Gravelbiken. Es muss ja nicht gleich die ganz große „100-Kilometri-dei-Forti“-Runde sein. Die 60 Kilometer lange Tour über das Vigolana-Hochplateau punktet ebenso mit Weinbergen, historischen Dörfern, Apfelgärten, Kastanien-Wäldern und einer Vogelperspektive über den Caldonazzo See. Sollten die Kräfte unterwegs doch schwinden, lässt sich diese Tour auch abkürzen. Oder man schmökert auf der Homepage gleich nach einer kürzeren Tour. Zum Beispiel die spektakuläre Runde von Folgaria rund um den Gipfelaufbau des Monte Toraro und über den Valbona-Sattel (19,2 km / 652 hm).
Im grünen Etschtal, auf halbem Weg zwischen Trento und Bozen, breitet sich das Gebiet der Piana Rotaliana Königsberg aus. Hier geben sich kleine Dörfer die Hand, die von Weinbergen umgeben sind. Zwischendrin folgt die Route mal einem Bachlauf, kreist um einen kleinen See oder klettert einen panoramareichen Hügel hinauf. Die steilen, imposanten Felswände im Hintergrund wollen dagegen nur dekorieren. Der Giro del Vino 50 ist ausgeschildert und führt vor allem über Radwege und wenig befahrene Nebenstraßen. Es gibt aber auch lange Abschnitte auf Feldwegen oder Schotterstraßen im Wald. So bleibt genug Zeit, um in den Weingütern für ein Gläschen anzuhalten.

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