Eine landschaftlich schöne Strecke zu finden, war für BIKE Transalp Erfinder Uli Stanciu nicht das Problem. Er selbst hatte die Alpen in den 90er Jahren bereits mehrfach überquert und wusste, wo man ein Rennfeld von 500 Teilnehmern guten Gewissens durchschicken kann. Aber auch an welchen Pässen die Fotografen besonders starke Bilder schießen würden.
Deutlich komplizierter und zeitintensiver war es dagegen, die nötigen Etappenorte entlang seiner Wunschroute zu überzeugen. Manche Orte ließen sich sofort begeistern, andere hatten Bedenken, weil es durch ihren Naturpark gehen sollte und dafür erst langwierige Genehmigungen eingeholt werden mussten. Zwischendrin gab es auch immer wieder private Grundstücksbesitzer, die besonders feinfühlige Zuwendung brauchten. Ein Almbauer stellte sich beispielsweise am Renntag selbst noch quer, nachdem er eigentlich schon zugesagt hatte. Da war die Spitzengruppe des Transalp-Feldes bereits im Anflug. Dass die Rennteams von all dem trotzdem nichts mitbekommen haben, verdanken sie der Überredungskunst eines Uli Stanciu und einer hastig aus dem Rucksack gezerrten Flasche Grappa...
Auch diesen Gründen musste die Route in den folgenden 25 Ausgaben bis zum Jahr 2024 (2020 fiel die Transalp wegen Corona aus) immer wieder verlegt werden. Doch die Original-Route von 1998 war mit ihrem Start durchs Karwendel, der Hauptkamm-Passage übers Geiseljoch und ihrem großen Dolomiten-Anteil landschaftlich eine der schönsten. Nur der Trail-Anteil hielt sich mit insgesamt 25 Kilometern plus 18,7 Kilometern Wiesenweg einigermaßen zurück. Man wollte einfach so wenig Stürze wie möglich riskieren und mit dem großen Starterfeld auch keine Schneisen in idyllische Pfade ziehen.
Insgesamt misst die Strecke 593 Kilometer und 19.603 Höhenmeter. Für das Rennen wurden die Etappen natürlich extra lang gewählt. Wer die Route etwas entspannter nachfahren möchte, kann einige Abschnitte abkürzen oder für besonders lange Etappen zwei Tage einplanen.
Der Schotterweg, der sich von Mittenwald zunächst durchs idyllische Ried über die Grenze nach Scharnitz zieht und von dort schließlich das Große Karwendeltal bis zum Hochalmsattel hinaufklettert, ist für sich schon eine legendäre Biketour. Ein Hochtal, das an den Himalaya erinnert. Nach der langen Abfahrt durchs Johannistal in die Eng hinunter steht der zweite längere Anstieg zum Plumsjoch an. Bergauf mit angenehmen Steigungsprozenten, auf seiner Rückseite: steil abfallende Serpentinen mit grobem Geröll. Danach auf Asphalt am Achensee vorbei bis nach Weerberg.
1400 immer steiler werdende Höhenmeter am Stück, gleich nach dem Frühstück. Im Alpenhauptkamm wird Mountainbikern eben nichts geschenkt. Dafür passiert man nach 900 Höhenmetern die Weidener Hütte (tolle Einkehr!) und erlebt am 2292 Meter hohen Pass ein gigantisches Panorama. Gen Norden das mächtige Karwendel, auf der anderen Seite überblickt man die Zillertaler Alpen samt Olperer-Gletscher. Und in diese Szenerie geht es nun nach Vorderlanersbach hinunter, wo sich der zweite lange und wirklich harte Anstieg übers Tuxerjoch türmt. Heute kann man den Trail auf seiner Rückseite ganz gut fahren: 65 Spitzkehren mit Schwierigkeit S2, heißt es. 1998 standen hier noch 550 Tiefenmeter zermürbende Schiebepassage an, bevor man es nach Gries hinunter auf Asphalt rollen lassen kann. Als Hobbybiker hat man hier eigentlich genug, doch die Original-Transalp-Route klettert heute noch über die ebenfalls legendäre Brennergrenzkamm-Straße bis zum Sandjoch und lässt es dann erst nach Sterzing hinunter ausrollen.
Der Tag beginnt mit einer vermeintlich 30 Kilometer langen, flachen Wipptal-Roller von Sterzing über Franzensfeste nach Mühlbach. Allerdings kosten kurze Gegenanstiege auch jede Menge Körner. Dabei steht die Hürde des Tages noch an: 1400 Höhenmeter über Nauders zu den Rodenecker Almen hinauf. Tipp: In der Starkenfeld Hütte unbedingt beim legendären “Denim Destroyer” einkehren und/oder übernachten! Hier oben gibt’s schon die ersten schönen Dolomiten-Panoramen. Eine Vorschau auf das Landschaftsspektakel der nächsten Etappen.
Dolomiten - Film ab! Von St. Vigil schleicht sich die Route zur Pederü-Hütte hinauf und durchquert dort das Tor in den Naturpark Fanes-Sennes-Prags. Die Schotterstraßen werden gröber und steiler, das Panorama dafür aber immer umwerfender. Eigentlich viel zu schade, um hier im Renntempo durchzufeilen. Limojoch, Pralongia Hütte, Passo Incisa, Sellastock und an der Porta Vescovo der Superblick auf die Marmolada. Am Passo Pordoi geht’s nach Canazei hinunter, wo man das Landschaftsspektakel erstmal bei Aperol Sprizz und Pizza verdauen muss.
Ein Talroller führt nach Moena, wo es über den Passo di Lusia ins Kino-reife Val Venegia hinauf geht. 700 Höhenmeter, die sich leicht kurbeln lassen. So bleibt genug Zeit um sich an den Felsnadeln der Pale di San Martino satt zu sehen. Dahinter rollt die Etappe den Passo Rolle nach San Martino di Castrozza hinunter. Etappenziel: Cavalese im Fleimstal. Mit 1500 Höhenmetern ist das die kürzeste Etappe.
Abschied von den Dolomiten, aber die Berge nehmen langsam Gardasee-Optik an. Die Scharfrichter des Tages sind die Malga Tognola (1988 m) mit einem recht sportlich-stufigen Abfahrtstrail und der einsame Passo Cinque Croci (2016 m), auf dessen Almwiesen sich oft Schafsherden tummeln. Seine lange Schotterabfahrt mündet ins breite Valsugana. Hier folgt man dem Radweg flache 25 Kilometer gen Westen (meist mit fiesem thermischem Gegenwind), bis linkerhand der spektakuläre Kaiserjägerweg die senkrechte Felswand hinaufklettert. Oben folgt an der 100 Kilometri dei Forte-Route und sammelt im Auf und Ab nach Folgaria noch immer Höhenmeter. Nach diesen 100 Kilometern und 3300 Höhenmetern weiß man, was “Königsetappe” bedeutet.
Von Folgaria könnte man locker auch direkt schon zum Gardasee durchfahren. Aber für die Teilnehmer des damals härtesten Etappenrennens der Welt ging das natürlich nicht. Heute steht die längste und vielleicht auch härteste Trailabfahrt der gesamten Route an: 800 Tiefenmeter auf einem staubig, gerölligen Militärpfad im steilen Waldhang vom Passo Sommo hinunter. Eine Abfahrt, die einiges an Menschenhaut und Material kostete. Aber die Gewissheit, dass sich diese Abfahrt schon sehr nach Gardasee anfühlt motivierte dann doch wieder. Die Finisher-Linie war nun zum Greifen nah!
Als Hobbybiker würde man sich diesen steilen Asphaltschlenker über 1100 Höhenmeter zur Malga Somator hinauf wirklich sparen und lieber den flachen Radweg zum Gardasee nehmen. Aber wenn der Schmerz in den Beinen erstmal nachgelassen hat, schadet auch nicht hier oben gewesen zu sein. Man hat von der Malga einen schönen Blick auf den Pasubio und anschließend einen Trail nach Pannone vor der Gabel, der - mit geschulter Gardasee-Fahrtechnik - viel Spaß macht. Der zweite Trail des Tages klettert dagegen nochmal 200 Höhenmeter nach Santa Barbara hinauf, um dann auf der Marathon-Strecke des BIKE Festivals nach Bolognano hinunter zu schießen. Dann der Zielsprint auf den letzten zehn Kilometern über Arco bis nach Riva.
Nicht alle Teilnehmer haben es bei der Erstausgabe 1998 bis ins Ziel geschafft. Doch die Teilnehmerzahlen steigerten sich jedes Jahr.

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