Sie haben Feiertags-Charakter: die Autofreien Radtage auf Passstraßen. Sogar in Deutschland gibt es einen Tag, an dem ausschließlich radfahrend die asphaltierten Bergschleifen hinaufgecruist werden darf. Hier alle nur fürs Fahrrad freien Pässe und Termine 2026 in Frankreich, Italien, Schweiz und Deutschland.
Der Biketag am Stilfserjoch ist vielleicht der wichtigste Feiertag für alle Freunde der Passstraßenkunst. Er findet im August bereits zum 24. Mal statt und obwohl im vergangenen Jahr dichte Regenwolken und einstellige Temperaturen die legendären 48 Kehren im Stilfserjoch Nationalpark umklammerten, ließen sich 6772 Teilnehmer den Spaß nicht nehmen.
Auch beim berühmten Sellaronda Bike Day, an dem gleich vier Dolomiten-Pässe auf 58 Kilometern ohne Motorenlärm erkurbelt werden können, werden jedes Jahr 10.000 bis 20.000 Teilnehmer gezählt. Ein Grund, warum der Event mittlerweile zweimal im Jahr stattfindet und im kommenden Juni bereits zum 20. Mal.
Aber was reizt so viele Radfahrer an den autofreien Pass-Tagen, dass sie dafür sogar aus Australien und Japan anreisen? Passstraßen gelten als Meisterwerke der Straßenbaukunst. In enge Schleifen verlegt klettern sie selbst steilste Bergflanken hinauf und durchbohren dabei manchmal auch unüberwindbare Felswände. Mit jeder Kehre wächst die Höhe, das Panorama und die Spannung, was wohl der Blick auf die andere Passseite bereit halten wird.
All das aus eigener Kraft und ohne Motorenlärm und Abgase erkurbeln zu dürfen, ist schon ein großartiges Erlebnis. Dazu kommt die Vielfalt an Radfahrern aller Kategorien, denn es geht nicht um Zeit. Neben dem Liegeradfahrer pedaliert und fachsimpelt der ambitionierte Trekkingrentner mit E-Antrieb, der Marathon-Racer hat die gesamte Familie im Schlepptau, eine Roadbike-Gruppe versucht sich am Strava-Rekord. Unterwegs warten Verpflegungsstationen und Werkstattzelte, die bei Hunger und Pannen gern helfen. Insgesamt werden in diesem Sommer wieder ?? solche Passerlebnisse möglich:
Die Deutschen Alpen haben keine Gebirgspässe, die mit einer Sellaronda oder einem Alpe-d’Huez-Kult mithalten könnten - das stimmt. Aber es geht an solchen autofreien ja auch um das Community-Gefühl. Deshalb geht der Sudelfeld-Pass dieses Jahr mit gutem Beispiel voran:
An 364 Tagen im Jahr dominieren auf der Sudelfeldstraße in den Bayerischen Alpen die Motorradfahrer. Sie knattern den 1123 Meter hohen Pass am liebsten von der Inntalseite her hinauf (14-15 km). Doch am Samstag, den 9. Mai sollen die Asphaltkehren den Radfahrern gehören. Zusätzlich ist für Race-Ambitionierte ein Bergzeitfahren von der Grafenherberge zur Walleralm geplant und für Gravelbiker eine Schottervariante.
Elsass, Vogesen, Jura - auch bei den französischen Nachbarn werden nicht nur hochalpine, sondern auch kleinere Übergänge mit einem Radfahrertag gefeiert. Allerdings rollt man hier meist über die aufgepinselten Namen legendärer Tour-de-France-Helden. Und die Mystik-Auffahrt schlechthin ist natürlich auch dabei.
“Col'Attitude” heißt der Event, der jedes Jahr andere Vogesen-Pässe für Radfahrer only reserviert. Dieses Jahr sind es die Straßenkurven zum Col du Calvaire (1144 m): Von Orbey aus sind das 10 Kilometer und 580 Höhenmeter, die über das aussichtsreiche Pays Welche und den Lac Blanc führen.
Oder man startet in Plainfaing und nimmt den Col du Louschbach auf der 12 Kilometer langen Waldstraße in Angriff, um nach 436 Höhenmetern ebenfalls den Lac Blanc zu erreichen.
Der 1501 Meter hohe Passübergang liegt südwestlich des Genfersees und verbindet das Rhonetal mit dem Tal des Groin. 1200 Höhenmeter werden mit freiem Blick bis ins Mont-Blanc-Massiv belohnt und dem Ritterschlag, einen Tour-de-France-Pass der “Hors Catégorie” geknackt zu haben. Berüchtigt ist vor allem die Westrampe aus dem Jura-Inneren mit Virieu-le-Petit als Ausgangspunkt, die in der Spitze 20 Prozent Steigung erreicht.
Wer alle vier Auffahrtsvarianten zum Grand Colombier an einem Tag schafft, darf sich “Grand-Maître” nennen und wird im Club der “Fêlés du Grand Colombier” (die Verrückten des Grand Colombier) aufgenommen. Am besten dürfte das an den vier “Journées Cyclo” pro Jahr gelingen, da die Straßen dann acht Stunden lang für Autos gesperrt werden.
Bei der Tour de France dient dieser 2067 Meter hohe Alpenpass der “Hors Catégorie” als Vorprogramm für den Anstieg nach Alpe d’Huez hinauf: Von Saint-Jean-de-Maurienne türmen sich auf eine Strecke von 29,3 Kilometern satte 1620 Höhenmeter. Dabei sind drei Tunnel zu durchqueren, aber auch Vogelperspektiven übers Arves-Tal zu bestaunen.
Mehr Kult und Mystik geht nicht: Der berühmte Tour-de-France-Anstieg von Le Bourg-d'Oisans nach Alpe d’Huez ist 14,4 Kilometer lang und sorgt mit 21 nummerierten Haarnadelkurven für Gänsehaut. Die insgesamt 1100 Höhenmeter haben eine durchschnittliche Steigung von 7,9 Prozent. Viele warten gar nicht auf die insgesamt sieben autofreien Vormittage im Sommer - täglich pilgern hier Hunderte von Radfahrern aus aller Welt hinauf.
Die meisten Passstraßen jenseits des Brenners haben eine traurige Vergangenheit: Sie wurden von den österreichischen Kaiserjägern und Italienern während des Ersten Weltkriegs als Nachschubwege in die Felsen gezogen. In teils senkrechte Felswände, um vom Feind möglichst unentdeckt zu bleiben.
Bis heute reiben sich Straßenbau-Ingenieure die Augen, wie man in kürzester Zeit, mit einfachsten Werkzeugen, solch abenteuerliche Wegtrassen schaffen konnte. Hier die spektakulärsten Passstraßen in den Dolomiten, am Monte Grappa und am Stilfserjoch samt ihrer autofreien Radfahrer-Termine:
24. Mai von 9 - 13 Uhr: Campo Moro
30. Mai von 9 - 13 Uhr: Passo San Marco
6. Juni + 12. September von 8:30 - 15:30 Uhr: Sellaronda Bike Day (Sellajoch, Grödnerjoch, Pordoijoch und Campolongo)
8. Juni / 11. Juli / 27. August von 9 - 13 Uhr: Laghi di Cancano
20. Juni von 8:30 - 14:30 Uhr: Dolomites Bike Day (Campolongo, Falzarego, Valparola
28. Juni von 8 - 14 Uhr: Splügenpass
5. Juli / 30. August: Passo Gavia
9. Juli / 28. August: Passo Mortirolo
1. August von 19 -24 Uhr: Campo Moro
29. August von 8 – 16 Uhr: Stilfserjoch (Stelvio Bike)
19. September von 9 - 16:30 Uhr: Mendelpass
22. September: Nigerpass (1774 m) und Karerpass
28. Juni: von 8 - 14 Uhr: Splügenpass
6. September: Albula-Pass
13. September: Klausenpass