Zukunft Laufräder Zukunft Laufräder

Zukunft der Laufradgrößen

Zukunft Laufrad: die drei Trends

Christian Artmann am 18.12.2014

Die anhaltende Diskussion um Laufradgrößen und der jüngste Fatbike-Trend hat Räder und Reifen wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. BIKE erklärt, wohin die Reise in Zukunft gehen könnte.

Nichts beeinflusst die Performance eines Mountainbikes so nachhaltig wie das System Laufrad/Reifen. Nur 80 bis maximal 120 Quadratzentimeter verbinden Vorder- und Hinterrad mit dem Boden. Doch genau auf dieser Fläche laufen alle Kräfte zusammen, die Bike und Biker in ihrer Fortbewegung beeinflussen: Antriebs-, Lenk-, Brems- und sogar Stoßkräfte. Dennoch haben Laufrad und Reifen in den letzten Jahren nicht so recht im Zentrum der Entwicklungsarbeit gestanden. Das hat sich jedoch mit dem Aufkommen der Diskussion um die Laufradformate geändert.

Fatbikes_schlammspuren

Fatbikes, wachsende Felgenbreiten, neue Reifendimensionen und Doppelkammer-Systeme. Wohin geht die Reise beim Laufrad?

Plötzlich wurden wieder vermehrt grundsätzliche Fragen gestellt: Wie funktioniert das System Laufrad/Reifen eigentlich im Gelände? Warum fahren sich 29er und Fatbikes so anders? Müssen 29er-Laufräder zwangsläufig Kompromisse in der Steifigkeit eingehen? Wieso wurden früher Reifendrücke unter 2 bar als unfahrbar abgetan? Wenn grundsätzliche Fragen ernsthaft gestellt werden, geraten immer wieder Dogmen ins Wanken. Nabenstandards werden ebenso in Frage gestellt wie Reifenbreiten und Felgenkonstruktionen. Am Ende stehen oft ganz neue Denkansätze. Manche davon sind sogar schon etwas älter, konnten sich in der Vergangenheit aber nicht durchsetzen. Syntace zum Beispiel hat die Diskussion um breitere Felgen schon vor fünf Jahren angestoßen – erst jetzt scheint die Zeit dafür reif zu sein, dass solche Ideen auf breitere Akzeptanz treffen. Andere Konzepte wie Fatbikes oder die Plus-Formate, also 2,8 bis 3,0 Zoll breite Reifen, sind noch taufrisch, produzieren aber jetzt schon verblüffende Ergebnisse – wie unter anderem unser Fatbike-Test in dieser Ausgabe zeigt. Doch auch ganz neue Ideen sind erlaubt. Schwalbe und Syntace haben eben erst mit Procore ein Doppelkammersystem für MTB-Reifen vorgestellt – ein Konzept, dessen Potenzial wir im Innovations-Check auf Seite 110 genauer unter die Lupe nehmen.

Fotostrecke: Die Laufrad-/Reifen-Zukunft

Stefan-Götz

Stefan Götz, Rocky Mountain

Keine breiten Reifen für alles

Wir denken, dass es auf jeden Fall Sinn macht, breitere Felgen einzusetzen. Je nach Zielgruppe und Einsatzbereich der jeweiligen Bike-Plattform wird dies zu unterschiedlichen Lösungen führen. Ein Szenario von Fatbikes oder generell extrem breiten Reifen halten wir allerdings für weniger zielführend. Es bedarf im Einzelfall einer genauen Analyse dessen, was man erreichen will. Die Laufräder sind ungefederte, rotierende Masse. Breitere Felgen/Reifen erhöhen ursächlich das Laufradgewicht und haben so je nach Auslegung erheblichen Einfluss auf das Roll- bzw. Federungsverhalten des Bikes. Es wird, wie immer, auf das richtige Gesamtkonzept ankommen.

Scot_Nicol_Ibis

Scot Nicol, Ibis

Breit und wenig Luft

Es gibt bereits einige richtig breite Felgen auf dem Markt, aber noch keine angepassten Reifen. Aktuell sind also die Reifenhersteller gefragt. Wir haben gehört, dass Specialized an aufeinander abgestimmten Felgen und Reifen arbeitet. Andere Reifenhersteller werden definitiv folgen. Es ist schwer zu sagen, um wie viel breiter die Felgen für den Trail-Einsatz werden sollten. Mit unseren Felgen mit 35 Millimetern Innenweite können wir bereits jetzt einen sehr geringen Druck fahren, ohne dass der Reifen instabil wird. In Verbindung mit den niedrigen Drücken muss in Zukunft am Schutz gegen Durchschläge für Reifen und Felgen gearbeitet werden.

Scheffer_Thoma_13

Lutz Scheffer, Entwickler

Fat rollt unschlagbar leicht

Fatbikes stehen noch ganz am Anfang der Entwicklung. Dabei sind das Gewicht und der Q-Faktor ein zentrales Thema. Ein Fatbike-Hardtail mit Federgabel sollte höchstens ein Kilo schwerer sein als ein vergleichbares Normal-Hardtail, zudem ist der Q-Faktor, also die Kurbelbreite, aktuell viel zu groß. Auf normalen Singletrails sind vier Zoll dicke Reifen vollkommen ausreichend. Bei vollgefederten Fatbikes sehe ich Reifenbreiten von 3,5 bis 3,8 Zoll als optimal an. Bei geschickter Reifenwahl und nicht zu breiter Felge rollt ein Fatbike im Gelände selbst auf feinem Schotter deutlich leichter als jedes herkömmliche MTB.

G.Gaastra_1

Gerrit Gaastra, Idworx & ZEG

Positive Entwicklung

29 und 27,5 Zoll werden friedlich koexistieren. Schmalere Reifen als 2,2 Zoll sind im anspruchsvollen Gelände selbst im CC zu langsam. Wo die obere, sinnvolle Grenze für die Breite liegen wird, hängt von der Kategorie ab. Dass künftig die Mehrheit auf vier und mehr Zoll breiten Reifen unterwegs sein wird, halte ich für ausgeschlossen. Sicher ist, dass da, wo höchste Performance gefragt ist, die Felgen noch breiter werden. Reifen- und Felgenbreite werden optimal aufeinander abgestimmt. Bei der Reifen/Felgen-Verbindung wird es in Zukunft ebenfalls noch Verbesserungen geben.

FR_098154_BODOPROBST2010LE

Bodo Probst, Radon

Breit, leicht, teuer

Fatbikes sind eine Spielart, über die man Nachdenken kann. Ich glaube allerdings nicht, dass in zwei Jahren alle nur noch auf breiten Reifen unterwegs sein werden. Diese Trends entfernen sich immer weiter vom eigentlichen Durchschnittsfahrer. Eine bedingungslose Breitendiskussion macht sowieso keinen Sinn. Breitere Felgen und Reifen bringen nur dann etwas, wenn auch ein guter Reifenentwickler mit involviert ist. Um das Gewicht der breiteren Felgen zu reduzieren, muss wiederum Carbon eingesetzt werden, was die Laufräder extrem teuer macht im Vergleich zu Aluminium.

BI_337661_HACHMEYER_09_1

Markus Hachmeyer, Schwalbe

Nie wieder Durchschläge

Der aktuelle Trend zu breiten und leichten Felgen wirkt sich sehr positiv auf die Reifen-Performance aus. Breitere Felgen stützen den Reifen besser ab und lassen geringere Drücke zu, wodurch die Traktion steigt und der Rollwiderstand im Gelände sinkt. Dies ist der Ursprung von unserem neuen Zweikammersystem, das die üblichen Probleme des "Low-Pressure-Riding" effektiv beseitigt.  Durchschläge werden abgefangen und "Burping", der Luftverlust bei radikaler Kurvenfahrt, wird eliminiert. Das hat zur Folge, dass unter extremen Bedingungen wiederum leichtere Reifen gefahren werden können.

Ob wir alle in ein paar Jahren mit 50 Millimeter breiten, einwandigen Carbon-Felgen unterwegs sein werden, dazu Doppelkammerreifen mit 2,8 Zoll Breite – wer will das heute wissen? Klar ist dagegen, dass sich die Branche in einer Art Aufbruchstimmung befindet, dass sich Konstrukteure und Produkt-Manager bereit zeigen, die Paradigmen der Vergangenheit zu hinterfragen. Die nächsten Seiten erbringen den Beweis dafür. 

Die drei Trends für die Zukunft

Die Entwicklungen, die für die nähere Zukunft richtungsweisend sein könnten.

Immer breitere Felgen

Betrugen vor ein paar Jahren die Innenweiten der meisten Felgen noch 17 bis 21 Millimeter, zeigt der Trend momentan Richtung 30 Millimeter. Das Gros der aktuellen Modelle rangiert zwischen 21 und 26 Millimetern – die extremeren Vertreter schaffen es bereits auf über 30 Millimeter.

Zukunft Laufrad

Zukunfts-Trend 1: immer breitere Felgen

Fatbikes Light

Der Name sagt es eigentlich schon: Fatbikes sind schwer. Während die Geometrien und das Handling oft schon in Richtung Trailbike gehen, ist gerade der Faktor "Beschleunigung" und "rotierende Masse" noch ein echter Hemmschuh. Doch Tubeless und Leichtbau bieten erste Lösungsansätze.

Zukunft Laufrad

Zukunfts-Trend 2: Fatbike-Laufräder Light

PLUS-Formate

Sei es in 26", 27,5" oder 29" – für jedes Format gibt es bereits Produkte, die einen "goldenen Mittelweg" in Sachen Reifenvolumen suchen. Anfangs als komplett eigener Standard eingeführt, mit speziellen Rahmen und Gabeln, sind die Plus-Formate mittlerweile auch auf ihre Kompatibilität mit bestehenden Bauteilen hin konzipiert und damit eine echte Nachrüstoption.

Zukunft Laufrad

Zukunfts-Trend 3: Plus-Formate

Alles über die drei Trends lesen Sie im gesamten Artikel, den Sie unten als PDF downloaden können.

Christian Artmann am 18.12.2014
    Anzeige
  • Branchen News
    Anzeige
  • Das könnte Sie auch interessieren