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Downhill Worldcup #4 2019 Vallnord Downhill Worldcup #4 2019 Vallnord

UCI MTB Downhill Worldcup 2019 #4Vallnord: Rennbericht

Vergier vs. Bruni - Atherton siegt bei den Damen

Adrian Kaether am 09.07.2019

Beim staubigen Rennen in Andorra ging es heiß her. Rachel Atherton schlug sich unerwartet gut, Loic Bruni und Loris Vergier kämpften um alles – und fielen sich hinterher trotzdem in die Arme.

Wahnsinn, das Downhill-Rennen am letzten Wochenende in Vallnord in den Bergen von Andorra. Die Strecke ist zwar schon seit zehn Jahren dieselbe, doch so spektakulär haben wir sie noch nicht erlebt. Tiefer Staub in jeder Kurve, steil, steinig, ausgefahren und unglaublich anspruchsvoll. Im oberen Teil der Strecke ist auf flachen Stücken pedalieren und Geschwindigkeit-Halten angesagt, untenrum wird’s nur noch steiler und steiler. Rund viereinhalb Minuten Renndauer, selbst für die schnellen Herren, dazu die Höhenluft und die schlechte Sicht durch den oft noch immer aufgewirbelten Staub des Vordermanns. Wer hier gewinnen will, muss nicht nur fit sein und unglaublich talentiert, er muss auch Nerven haben wie Drahtseile.

Downhill Worldcup #4 2019 Vallnord

Rumms. Gerade durch den tiefen Staub und die daraus folgende schlechte Sicht wurden einige Fahrer aus dem Sattel gehoben. Vielleicht ist auch die Höhe ein Problem. Denn der Reifendruck ändert sich durch die Höhendifferenz zwischen Startgate und Ziel angeblich um bis zu 0,15 bar. Das zumindest sagt Jason Marsh (Mechaniker von Greg Minnaar).

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Aaron Gwin kämpft weiter mit Verletzungen. Im Rennen konnte er dann wegen einer neuen Trainingsverletzung am Finger nicht einmal starten.


Damenrennen: Hannah stürzt und fährt trotzdem in den Hot Seat


Bei den Damen war das Rennen vor allem durch Verletzungen geprägt. Myriam Nicole und Tahnée Seagrave – die Siegerinnen der letzten beiden Jahre – mussten verletzungsbedingt aussetzen. Auch Rachel Atherton war nach ihrem Crash in Leogang noch angeschlagen und fuhr in der Qualifikation nur auf Rang drei hinter Marine Cabirou und Nina Hoffmann, die damit ihren ersten Sieg in einer Worldcup-Qualifikation einfahren konnte.

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Platz drei trotz Highspeed-Crash. Nur ein Moment der Unachtsamkeit genügte um Tracey Hannah aus dem Sattel zu heben. So wie es aussieht wäre Rachel aber ohnehin schneller gewesen.


Und Tracey Hannah? Der erging es noch schlechter, denn in der Qualifikation stürzte sie mehrfach und konnte sich nur hinten einreihen. Im Rennen wollte sie es dann wieder gut machen und zunächst sah auch alles danach aus, als würde ihr das gelingen. Mit Highspeed fegte sie über die rutschige Strecke, immer hart am Limit, aber doch noch mit einem Quäntchen Kontrolle. Nur noch drei Kurven bis zum Ziel, da rutschte plötzlich das Hinterrad weg und die Australierin lag am Boden. Zwar war sie in Nullkommanichts wieder auf den Beinen und fuhr sogar in den Hot Seat, doch es war klar: für einen Sieg würde das nicht reichen.

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Trotz ihres Sturzes in Leogang war Rachel Atherton in Vallnord wieder voll da. Im Rennen deklassierte sie die Konkurrenz zwar nicht, echte Fehler konnten wir aber auch keine entdecken.


Rachel Atherton überraschend fehlerlos – Hoffmann und Cabirou ohne Chancen


Trotzdem: Es dauerte ein bisschen, bis Hannahs Zeit geschlagen wurde. Bis zur drittletzten Starterin nämlich, Rachel Atherton. Eigentlich hatten wir die Britin wegen ihrer Handgelenksverletzung aus Leogang ein bisschen abgeschrieben – sie hatte erst eine Woche vor dem Rennen in Andorra zum ersten Mal wieder auf dem Bike gesessen. Ein Fehler, wie sich schnell herausstellen sollte. Schon in den oberen Sektionen war sie gut eine halbe Sekunde schneller als Tracey Hannah, in den unteren Steilstücken spielte sie dann ihre Erfahrung aus und trug den Vorsprung auch bis ins Ziel. Ein grandioser Run der Waliserin, den wir so nicht erwartet hatten.

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Marine Cabirou in einer der oberen Kurven. Die Französin überriss sich an einigen Stellen und konnte Rachel Atherton nicht folgen. Sie blieb aber aufrecht und fuhr so auf Platz Zwei.


Da waren auch die beiden Young-Guns Marine Cabirou und Nina Hoffmann chancenlos. Für sie ging es um den Sieg, so viel war klar. Und beide gingen das volle Risiko ein, etwas zu viel vielleicht. Zumindest im Fall von Nina Hoffmann, denn die Deutsche musste insbesondere in den unteren Sektionen einiges an Zeit auf Rachel Atherton aufholen und überriss sich dabei. In einer engen Schikane landete sie in der Bande, verlor sogar ihren Schuh und musste dann auf Socken bis ins Ziel fahren. Sicher nicht sehr angenehm.

Mit ihrem Sieg in der Qualifikation dürfte sie trotzdem eine positive Bilanz des Wochenendes ziehen. Marine Cabirou erging es etwas besser, doch auch sie leistete sich zu viele Fehler und musste sich am Ende mit immer noch fantastischen Rang zwei vor Tracey Hannah auf Rang drei begnügen. Emilie Siegenthaler und Eleonora Farina rundeten das Podium ab.

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Rachel Atherton, die strahlende Siegerin. Es ist erst der zweite Sieg für sie in dieser Saison.


Herrenrennen: Thirion mit Bestzeit – ungeschlagen bis in die Top Ten


Im Rennen der Herren konnte der Sieger von 2013, Commencal-Athlet Remi Thirion die erste schnelle Zeit in den Staub brennen. Rund 4:19 Minuten brauchte der Franzose, um vom Startgate bis zum Finish zu gelangen. Eine Top-Zeit, wie sich schnell herausstellen sollte. Denn Sam Blenkinsop, Dakotah Norton, Connor Fearon, Matt Walker, Finn Iles, Gee Atherton, sie alle scheiterten bei dem Versuch, Thirions Zeit zu unterbieten. Sogar Greg Minnaar und Laurie Greenland konnten den Franzosen nicht schlagen.

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Remi Thirion war der Mann, den es im Rennen der Herren zunächst zu schlagen galt. Der Sieger von 2013 saß besonders lange im Hot Seat und wurde erst von Brook MacDonald entthront.


Erst der siebtletzte Starter des Tages, der Neuseeländer Brook MacDonald legte eine top Zeit hin und ging mit gut einer Sekunde Vorsprung in Führung, doch von da an war das Rennen nicht mehr aufzuhalten. Danny Hart folgte und demonstrierte wieder einmal seine Überlegenheit auf rutschigen und losen Strecken, indem er MacDonald direkt wieder vom Hot Seat verscheuchte. Der österreichische Privatier David Trummer verpasste Harts Zeit zwar knapp, zeigte aber auch, dass insbesondere in den unteren Sektionen noch etwas Luft war.

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Brook MacDonald mit dem Messer zwischen den Zähnen. Es zahlte sich aus. Der Neuseeländer war der Erste, der Remi Thirion vom Hotseat vertreiben konnte.


Vergier mit fünf Sekunden Vorsprung auf Hart – Kann Bruni da noch Paroli bieten?


Loris Vergier ging als nächstes aus dem Startgate und der Sieger des letzten Jahres war auch dieses Mal wieder in Topform. Wahnsinnige fünf Sekunden Vorsprung blinkten im Ziel für den Franzosen auf, dabei hatten wir eigentlich höchstens mit einem Zwei-Sekunden-Vorsprung auf Hart für einen perfekten Run gerechnet. War Loris Vergier also nun wirklich unschlagbar? Fährt der Franzose zu seinem zweiten Sieg in Folge auf dieser Strecke?

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Danny Hart im Vollgasmodus. Auf der rutschigen Strecke konnte der Brite seine Stärken ausspielen und holte den fünften Platz.


Brosnan und Pierron jedenfalls konnten trotz fantastischen Läufen Vergier nicht aus dem Hot Seat heben und reihten sich auf Rang zwei und drei hinter ihm ein. Blieb nur noch Vergiers „großer Bruder“ Loïc Bruni im Startgate zurück – die beiden sind nicht wirklich Geschwister, haben aber ein sehr ähnliches Verhältnis. Und Bruni scheint seinen Worldcup-Fluch endgültig losgeworden zu sein, das zeigte er auch diese Woche wieder. Mit der ihm eigenen Präzision fegte er durch den Staub und schien auch in den rausten Sektionen immer die ruhigsten Passagen zu finden, ohne zu viel von der Ideallinie abzuweichen.

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Troy Brosnan schnell wie immer. Rang drei wurde es für den Australier am Ende. Laut seinem Instagram-Account wäre noch etwas mehr gegangen, doch ein Crash am Morgen vor dem Rennen hatte ihn lieber auf Nummer sicher gehen lassen.

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Fast perfekt. Unglaublich was Loris Vergier mit seinem Run geleistet hat. Nie hätten wir gedacht, dass das noch einer toppen kann.

Unglaublich, wie „Superbruni“ noch fast eine halbe Sekunde auf Vergiers ohnehin schon abnormalen Run gut machen konnte. Wir jedenfalls können es uns nicht erklären. Doch die Zeitmessung lügt nicht. Loïc Bruni ist damit der bereits dritte Worldcup-Sieg in dieser Saison gelungen – schon jetzt mehr als der Franzose in all den Jahren davor zusammengenommen einfahren konnte.


Alle Ergebnisse zum UCI MTB Worldcup in Andorra finden Sie auf der Website der UCI. Die Wiederholung gibt es nach wie vor auf Redbull.tv zu sehen.

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Volle Dosis Sektdusche. Leider nicht zu sehen: Wie sich Bruni und Vergier nach dem Rennen im Ziel in die Arme fielen. Dabei hatte der eine dem anderen den Sieg abspenstig gemacht. Eine große Geste.

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Vier Rennen, drei Siege. Die Saison 2019 könnte für Loic Bruni wohl kaum besser laufen. 

Adrian Kaether am 09.07.2019

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