XCO Worldcup #2 2018 Albstadt XCO Worldcup #2 2018 Albstadt

XCO MTB Worldcup 2018 #2 Albstadt Rennbericht

Technische Prüfung in Albstadt

Adrian Kaether am 22.05.2018

Die anspruchsvolle „Kletterstrecke“ in Albstadt wurde 2018 beim MTB-Worldcup zu einer technischen Herausforderung. Die Schweizer triumphierten, Elisabeth Brandau holte sensationell Platz fünf.

Der Mercedes-Benz UCI Mountain Bike World Cup in Albstadt sollte im 2018er-Worldcup-Kalender vor allem als athletische Prüfung hervorstechen. Die Strecke im Süden Deutschlands gilt als schwer und „oldschool“. Und auch wenn es die technischen Passagen mittlerweile mächtig in sich haben, so hält sich doch beständig das Klischee, Albstadt sei eine Kletterstrecke. Sicher nicht völlig daneben, schließlich sind 190 Höhenmeter pro Runde relativ viel und die müssen in lediglich zwei langen und steilen Anstiegen bewältigt werden.

XCO Worldcup #2 2018 Albstadt

Brutaler Schlamm im Damenrennen. Kein Wunder, dass nicht alle fest im Sattel blieben.


Regen macht Albstadt zu einer technischen Prüfung


Doch der Wettergott hatte für 2018 anderes im Sinn. Beständig regnete es vor dem Start des Damenrennens, erst wenige Minuten vor dem Startschuss fielen die letzten Tropfen. Die Strecke war dementsprechend ein einziger Albtraum. Die Damen erwischte es am härtesten. Der Schlamm war schon leicht angetrocknet und hatte diese fiese Konsistenz zwischen völlig nass und schon leicht fest. Wie braune Schmierseife bedeckte die oberste Schicht der Strecke, Grip war hier kaum zu finden.

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Yana Belomoina räumte das Feld von hinten auf. Auch Nachwuchstalent und Cape-Epic-Siegerin Kate Courtney konnte ihr keine Paroli bieten.


Ausgerechnet Albstadt, die „Kletterstrecke“, wurde damit zu einer der technisch härtesten Prüfungen des gesamten Weltcupkalenders. Auch wirklich fähige Fahrerinnen wie die erfahrene Gunn-Rita Dahle-Flesjaa oder die junge Alessandra Keller wurden zum Teil gleich mehrfach von besonders schmierigen Stellen aus dem Sattel gehoben. Der Weltcupführenden Annika Langvad machte der Schlamm ebenfalls einen fiesen Strich durch die Rechnung. Der Start war mies, dann landete sie ebenfalls im Dreck, kein guter Tag für die Dänin und kein guter Tag für Specialized insgesamt.


Jolanda Neff gewinnt das Rennen in den Abfahrten


Triumphieren konnte dagegen Jolanda Neff. Mit dem Start hatte die Schweizerin, wie eigentlich immer, keine Probleme. Und während die meisten Konkurrentinnen sich unrund, unrhythmisch und langsam durch die technischen Downhills kämpften, flog Neff Runde um Runde ganz besonders bergab dem Ziel mit Highspeed entgegen. Im Downhill eine echte Klasse für sich, leistete sie sich auch bergauf keine Schwächen und fuhr am Ende einen Vorsprung von über zwei Minuten nach Hause. Ein klarer Sieg.

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Jolanda Neff konnte in Albstadt ihre technischen Fähigkeiten und ihre Kletterstärke ausspielen und fuhr im Damenrennen zu einem überlegenen Sieg.


Aufholjagd von Yana Belomoina – Elisabeth Brandau holt Platz fünf


Ein Fragezeichen schwebte dagegen vor dem Rennen über Yana Belomoina. Die Ukrainerin war erst letzte Saison zu ihren ersten Worldcup-Siegen gefahren und war gerade auf Strecken mit langen Anstiegen immer schwer zu schlagen. Doch im letzten Winter brach sie sich bei einem Trainingsunfall die Hüfte und musste mehrere Wochen im Krankenhaus verbringen. Beim ersten Worldcup in Südafrika konnte sie nicht an den Start gehen, erst Mitte April fuhr sie wieder ihre ersten Rennen.

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Joland Neff (Mitte) genießt ihren Sieg mit einer ordentlichen Dusche. Auch Yana Belomoina (links) und Anne Tauber (rechts) können sich über extrem gute Ergebnisse freuen.


Aber in Albstadt gewann sie vergangenes Jahr ihren ersten Worldcup. Albstadt und Yana Belomoina, das passt wohl einfach zusammen. Sie räumte das Feld von hinten auf, kämpfte sich Position um Position nach vorne und überbrückte auch bald die große Lücke zwischen dem Hauptfeld und der Verfolgergruppe. Sogar Anne Tauber und Alessandra Keller, die lange die Verfolgung von Jolanda Neff angeführt hatten, mussten sich Belomoina am Ende geschlagen geben. Sie holte einen verdienten zweiten Platz und hat damit nicht nur ihre Form, sondern auch ihre mentale Stärke unter Beweis gestellt.

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Auch technisch talentierte Fahrerinnen waren im Schlamm von Albstadt nicht vor Stürzen gefeit. Gunn-Rita Dahle Flesja, Alessandra Keller oder hier Kate Courtney.


Die größere Sensation aus deutscher Sicht war trotzdem das Rennen von Elisabeth Brandau. Die Deutsche hat in Albstadt schon mehrfach ihre Klasse unter Beweis gestellt, dieses Mal konnte sie noch eine ordentliche Schippe draufsetzen. Ein starker Start, dann ging sie schon zu Beginn an die Spitze des Rennens und hängte sich fest an die Verfolgergruppe. Der schnelle Start kostete zwar Körner, aber Brandau biss sich durch und konnte den vierten Platz lange halten, erst mit der Aufholjagd von Yana Belomoina wurde sie auf Platz fünf verdrängt. Egal, Podium ist Podium und Platz fünf ist ein unglaublich gutes Ergebnis. Nach dem sehr guten Platz 13 in Stellenbosch, trotz einer schlechten Startposition, schon das zweite gute Rennen in dieser Saison. Wir sind gespannt, was da noch kommen mag.

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Yana Belomoina und Anne Tauber haben allen Grund zu feiern. Belomoina startete weit hinten und räumte im ersten Worldcup nach längerer Verletzungspause das Feld von hinten auf, Anne Tauber holt schon den zweiten Platz drei in dieser Saison. Ebenfalls ein super Ergebnis.


Sam Gaze stapelt tief – wer kann Schurter zusetzen?


Im Rennen der Männer wurde eigentlich eine Revanche des Showdowns zwischen Sam Gaze und Nino Schurter erwartet. Doch der frischgebackene Worldcup-Sieger von Stellenbosch stapelte im Vorfeld des Rennens lieber tief. Albstadt sei nicht seine Strecke, so Gaze, zu wenige und zu lange Anstiege und hier sei es noch nie gut für ihn gelaufen. Er wolle sich lieber darauf konzentrieren, auf den guten Strecken starke Resultate einzufahren und sich auf den schlechten Strecken nicht zu übernehmen. Eine überraschend reife Entscheidung des 22-Jährigen, die von einem gehörigen Respekt zeugt, den Gaze für seinen erst gerade wieder besiegbar gewordenen Gegner Schurter hegt.

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Mathieu van der Poel vor dem Rennen maximal konzentriert.


Kämpferisch gab sich dagegen Mathieu van der Poel. Der Niederländer gewann das neu eingeführte Short Track Race am Freitagabend und katapultierte sich damit in die erste Startreihe. Zwar war er erst wenige Tage vor dem Rennen nach einem Bruch des Kahnbeins am Handgelenk operiert worden, doch das würde ihn nicht groß einbremsen, wie schon das Short Track Race zeigte. Kein Wunder also, dass es nach einem anfänglichen schnellen Start von Sam Gaze, der sich dann aber bald zurückfallen lassen musste, ausgerechnet Mathieu van der Poel war, der Druck auf Nino Schurter ausüben konnte.

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Maxime Marotte ist gekommen, um zu bleiben. Der Franzose stand in den letzten zwei Jahren fast immer auf dem Podium, mit konstant sehr guten Ergebnissen ein gefährlicher Kandidat für die Gesamtwertung.


Schurter kontrolliert das Rennen


Nur dass Schurter ihm dieses Privileg nicht lange ließ. Wegen eines technischen Defekts im Short Track Race musste Schurter zwar von der ungewohnten dritten Startreihe in das Rennen gehen, kämpfte sich aber schon vor der ersten Kurve in einem Raketenstart bis an die Spitze und startete bereits im ersten langen Anstieg die erste Attacke. Kurz riss der Kontakt zum Hauptfeld ab, dann holte die Verfolgergruppe wieder auf, doch es war ganz klar, Schurter hat das Heft hier selbst in der Hand.

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Nichts für Weicheier. Albstadt gilt als Kletterstrecke, hat es aber auch technisch mittlerweile ziemlich in sich. Fitness allein reicht hier schon lange nicht mehr aus.


Daran änderte sich auch im gesamten Rennen nichts. Mathieu van der Poel versuchte eine Attacke gegen Schurter in der Mitte des Rennens, die Schurter problemlos parieren konnte. Maxime Marotte klebte lange an Schurters Hinterrad, auch Matthias Flückiger konnte lange mit Schurter mithalten, wurde dann aber durch einen Platten ausgebremst. Und auch wenn Schurter gegen Ende des Rennens die Anstrengung deutlich ins Gesicht geschrieben stand, so hatte er doch trotzdem die beste Form. Bald konnte er sich von den Verfolgern etwas absetzen, auch eine Attacke von Bianchi-Fahrer Stephane Tempier, der sich im Verlauf des Rennens von den hinteren Rängen bis ganz nach vorne durchgekämpft hatte, konnte Schurter noch abwehren. Im letzten Anstieg ging der Schweizer dann aufs Ganze, Tempier hatte nicht mehr die Kraft, ihm noch zu folgen und musste abreißen lassen. Mit 16 Sekunden Vorsprung erreichte Nino das Ziel in Albstadt, auch mehrere heftige Attacken verschiedener Fahrer hatten dem Olympiasieger den Sieg hier nicht nehmen können.

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An Attacken gegen ihn fehlte es nicht in Albstadt, doch der Siegeswillen von Nino Schurter ist ungebrochen und am Ende konnte ihm niemand das Wasser reichen. Spannend: Schurter fuhr eine Variostüzte in seinem Scott-Hardtail.


Mathieu van der Poel wurde Dritter hinter Stephane Tempier, Maxime Marotte landete auf Rang vier, Jordan Sarrou holte den letzten Platz des Podiums. Das stärkste Rennen aus deutscher Sicht fuhr wie zu erwarten Manuel Fumic. Auf der schlammigen Strecke konnte der Kirchheimer seine technischen Fähigkeiten ausspielen und verteidigte sich über die gesamte Renndistanz erfolgreich gegen viele Angriffe aus den hinteren Rängen. Albstadt war ein hartes Rennen, das sah man auch Manuel Fumic am Ende an, doch der eigene Willen und die vielen Fans neben der Strecke motivierten den Cannondale-Fahrer auch bis zuletzt, alles zu geben und bescherten ihm nach einer längeren Pause mit Platz neun endlich wieder ein schönes Ergebnis im Worldcup. Als zweitbester Deutscher landete Georg Egger auf Platz 43 in Schlagweite zu Florian Vogel und Fabian Giger. Auch für den Nachwuchssportler ein gutes Ergebnis, dass noch auf mehr hoffen lässt in den nächsten Jahren.

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Mathias Flückiger fuhr in Albstadt ein gutes Rennen. Sicher wäre eine Podiumsplatzierung möglich gewesen, doch ein platter Reifen machte dem Schweizer einen Strich durch die Rechnung.

In der U23 siegten Sina Frei (Ghost Racing Team) und Joshua Dubau, Sina Benz mit Rang 16 und der ehemalige BIKE Junior Team-Fahrer Simon Schneller mit Rang 18 waren jeweils die besten Deutschen, außerdem fuhr die Österreicherin Lisa Pasteiner auf Rang 13 im Damenrennen. Alle Ergebnisse zum Worldcup in Albstadt finden sie auch auf der Website der UCI.

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Das Podium der Herren: Maxime Marotte, Stephane Tempier, Nino Schurter, Mathieu van der Poel und Jordan Sarrou (von links). 


Weiter geht’s bereits am nächsten Wochenende (25.-27. Mai 2018) mit dem dritten Cross-Country-Worldcup in Nové Město na Moravě in Tschechien.

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Handschlag von Stephane Tempier und Nino Schurter nach dem Rennen. Tempier setzte Schurter am Ende des Rennens noch einmal unter Druck, der Olympiasieger zollt ihm Respekt.

Adrian Kaether am 22.05.2018