Rissveds holt Gold – Grobert wird Zwölfte Rissveds holt Gold – Grobert wird Zwölfte Rissveds holt Gold – Grobert wird Zwölfte

Rio 2016: Rennbericht Damen

Rissveds holt Gold – Grobert wird Zwölfte

  • Stefan Loibl
 • Publiziert vor 6 Jahren

Die U23-Weltmeisterin Jenny Rissveds (SWE) holt sich in Rio 2016 die Goldmedaille. Silber geht an die Polin Maja Wloszczowska vor Catherine Pendrel (CAN). Helen Grobert wird Zwölfte, Sabine Spitz 19.

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Die Einführungsrunde war nur 570 Meter lang. Ein großes Sturz, den manche prognostiziert hatten, blieb zum Glück aus.

Am Samstagmittag um 12:30 Uhr Ortszeit in Rio starteten 29 Damen ins olympische MTB-Rennen. 33 Grad zeigte das Thermometer und eine laue Brise wehte über den Kurs in Deodoro. Sechs harte Runden auf dem schnellen Kurs standen nach der kurzen Einführungsrunde an. Und genau diese Startloop nutzte die Schweizerin Linda Indergand, um sich gleich einmal vom Feld abzusetzen. Die Focus-Fahrerin sprintete los wie beim Sprint Eliminator und hatte schnell ein paar Meter Vorsprung auf das Feld. Mit Schweizer Taktik hatte das aber nichts zu tun, wie Indergand später sagte: "Geplant hatte das aber definitiv nicht so. Ich hatte einen guten Start und dadurch, dass ich andere Linie gefahren bin, konnte ich die anderen schnell distanzieren. Aber es war keine Team-Taktik, auch wenn es so ausgesehen hat." Auch Helen Grobert kam super weg am Start und reihte sich kurzzeitig man auf dem dritten Rang ein, vor Favoritinnen wie Neff oder Langvad. "Ich hatte extremen Respekt vor dem Start und habe einfach probiert, gut und schnell nach vorne zu kommen. Der Plan ist auch aufgegangen. Ich wollte einfach mitfahren und schauen, was geht", sagte Grobert. Wie von einigen befürchtet, gab es dann zu Beginn der ersten Runde einen Sturz, in den Catherine Pendrel verwickelt war, die danach auch noch mit Schaltproblemen zu kämpfen hatte und dadurch zwischenzeitlich auf Platz 25 zurückfiel.

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Vor diesem ersten Anstieg stürzte Catherine Pendrel, was die Kanadierin weit zurückwarf.

Sabine Spitz fällt schnell zurück

Im Laufe der ersten Runde formierte sich dann eine Verfolgergruppe von Indergand. Dabei waren Jenny Rissveds, Maja Wloszczowska, Katerina Nash, Jolanda Neff und Gunn-Rita Dahle-Flesjaa. Doch Indergand konnte sich vorne behaupten. Helen Grobert überquerte als Neunte alleine die Ziellinie mit 38 Sekunden Rückstand. "Die ganz vorne waren einen Tick zu schnell, deshalb musste ich sie fahren lassen. Mann, waren wir dicht zusammen! Ich habe so gekämpft, um nochmal an die Gruppe dranzukommen, aber es ging nicht", sagte Grobert. Sabine Spitz lag zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als eine Minute hinter der führenden Schweizerin.

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Sabine Spitz hatte von Beginn an nichts mit der Spitze des Rennens zu tun. Sie genoss ihren letzten Olympia-Auftritt trotzdem.

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Dominierte vom ersten Meter an das Rennen: die Schweizer Sprint-Spezialistin Linda Indergand. 

In der zweiten Runde hatte Rissveds dann in einem steilen Anstieg ein technisches Problem, musste absteigen und zwang auch ihre Begleiterinnen vom Rad. Das sprengte die große Verfolgergruppe. Rissveds, Neff und Wloszczowska schlossen im langen Anstieg dann aber die Lücke zu Indergand. Aber die Schweizerin setzte sich in der folgenden Abfahrt gleich wieder ein paar Sekunden ab.

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Das Verfolger-Trio, das in der dritten Runde erstmals zu Indergand aufschloss.

In der dritten von sechs Runden lag die 23-Jährige Schweizerin bis zur Hälfte alleine in Front. Doch dann wurde es Rissveds, Neff und Wloszczowska zu bunt. Im längsten Uphill des Kurses, der 70 Höhenmeter am Stück hat, kassiert das Trio Indergand und setzt sich sofort von ihr ab. "Da war es schwierig im Rennen zu bleiben für mich, ich wollte mich aber nicht zu viel beeinflussen lassen vom Tempo der anderen", sagte Indergand. Ihre Teamkollegin Jolanda Neff übernahm sofort das Kommando, Wloszczowska muss kämpfen im Downhill dranzubleiben.

Catherine Pedrel stürmt nach Sturz von hinten heran

In Runde vier bestimmte Rissveds dann das Tempo des Führungstrios. Dahinter formierte sich ein Quartett mit Emily Batty, Dahle-Flesjaa, Nash und Indergand, die aber das Tempo schließlich nicht mehr mitgehen konnte. Dafür stürmte Catherine Pendrel von hinter heran. Die 35-Jährige Kanadierin überholte Indergand und reihte sich in der Gruppe ein. Die Schellstarterin Intergand fiel dagegen auf den achten Platz zurück.

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Erst war es ein Trio an der Spitze, dann fiel Jolanda Neff wegen Rückenproblemen zurück. 

Auf dem Weg zum höchsten Punkt der Strecke dann die Überraschung: Wloszczowska und Rissveds setzten sich von Neff ab, die schnell 20 Sekunden zurückfiel. Wieder mal aufgrund von Problemen mit dem Rücken. "Irgendetwas habe ich offensichtlich falsch gemacht heute, aber ich weiß im Moment selbst nicht, woran es lag. Es ist mir im Vorfeld gut gegangen. Irgendetwas habe ich unterschätzt oder falsch gemacht. Bis zur Hälfte lief es gut, aber dann hatte ich Rückenprobleme. Ich weiß nicht genau, woher die kommen und woran es liegt. Das habe ich erst seit diesem Jahr", sagte eine sichtlich enttäuschte Jolanda Neff im Ziel.

Vorne also nur noch ein polnisch-schwedisches Duo. In den Abfahrten musste Wloszczowska auf die Zähne beissen, um an Rissveds dranzubleiben, die auf einem Fully unterwegs war. In der fünften Runde griff die 32-jährige Polin dann selbst an, aber ohne Erfolg. Rissveds taktierte ein wenig und ließ Wloszczowska das Tempo machen. Dahinter der Kampf um Bronze: Im langen Anstieg schnappen sich Pendrel und Batty Jolanda Neff und lassen die junge Schweizerin hinter sich. "Linda hat einen perfekten Start hingelegt, sie ist wirklich ein perfektes Rennen gefahren. Ich hätte es eigentlich nur noch zu Ende bringen müssen", sagte Neff, die den beiden Kanadierinnen nichts mehr entgegen zu setzen hatte.

Rissveds fährt taktisch kluges Rennen

Dann die letzte Runde: An der Ziellinie schaut Wloszczowska ins Gesicht von Rissveds und übernimmt die Führungsarbeit. Denn sie weiß: Von hinten fliegt Pendrel heran, die nur noch 30 Sekunden zurückliegt, als die Glocke für die letzte Runde erklingt. Und sie hat Emily Batty im Schlepptau, die nur acht Sekunden dahinter liegt.

Obwohl Rissveds zehn Jahre jünger ist als ihre Konkurrentin, fährt sie taktisch ein super Rennen. Vor dem ersten technischen Downhill setzt sie sich an die Spitze und kann schnell ein paar Meter zwischen sich und Wloszczowska bringen. Sie gibt nun alles und kann 15 Sekunden herausfahren. Im langen Anstieg blickt sie sich um und packt noch ein paar Sekunden drauf. Wloszczowska kämpft, beißt die Zähne zusammen und kann Pendrel auf Distanz halten, die nun auch nicht mehr so frisch aussieht.

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Jenny Rissveds krönte sich zur jüngsten Olympiasiegerin im Mountainbiken und sicherte Schweden ihre erste Gold-Medaille bei den Spiele in Rio 2016.

Nach 1:30:15 Stunden überquert Rissveds dann als erste die Ziellinie und holt mit 22 Jahren olympisches Gold. Zweite wird Maja Wloszczowska, die bei der WM aufgrund eines Plattens dramatisch die Bronze-Medaille im Zielsprint verloren hatte. „Es war unmöglich, Jenny heute zu schlagen“, sagte die Polin, die 2008 in Peking bereits Silber gewonnen hatte. Bronze geht an Kanada: Catherine Pendrel kommt zwei Sekunden vor ihrer Landsfrau Emily Batty ins Ziel, für die nur die Holzmedaille bleibt. "Ich bin schon enttäuscht, aber morgen geht die Vorbereitung für Tokio los. Ich bin sauber gefahren und fühlte mich extrem stark. Aber ich habe eben eine Medaille nur um ein paar Radlängen verpasst, deshalb habe ich gemischte Gefühle. Ich bin zufrieden mit meiner Leistung, aber auch enttäuscht, damit es mit der Medaille nicht geklappt hat", sagte Batty im Ziel. Die Bronze-Frau Pendrel blieb trotz des katastrophalen Rennbeginns ruhig. „Ich hatte schon ähnlich schlechte Starts wie den heute und wusste, dass ich mich durchs Feld nach vorne kämpfen kann. Mein Coach erinnerte mich an La Bresse, wo ich schon 1:40 Minuten zurücklag und am Ende die Silbermedaille holte. Ich wusste also, dass ich einen großen Rückstand gutmachen kann“, so Pendrel.

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Bei der WM in Nove Mesto schrammte sich noch an Bronze vorbei, jetzt hat sie Silber gewonnen: Maja Wloszczowska.

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Die Medaillen-Gewinnerinnen vom MTB-Rennen in Rio 2016: Maja Wloszczowska, Jenny Rissveds und Catherine Pendrel (von links).

Helen Grobert mit 12. Platz zufrieden

Helen Grobert beendete ihr erstes Olympia-Rennen auf dem zwölften Platz, mit 3:53 Minuten Rückstand auf die Siegerin. "Ich bin zufrieden, ich habe alles gegeben und das war mein Ziel. Die zweite Runde war die härteste für mich, weil es da zäh ging. Aber so viele Plätze habe ich da nicht verloren. Im Gegensatz zu Kanada, als ich sieben Minuten hinter der Spitze lag, war das so ein schnelles, starkes Rennen. Damit bin ich zufrieden."

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Helen Grobert legte einen super Start hin, verlor dann in der zweiten Runde ein paar Plätze und finishte als 12.

Sabine Spitz machte in der letzten Runde noch einen Platz gut und landete am Ende bei ihrem letzten Olympia-Rennen auf dem 19. Platz.

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Sabine Spitz sagte nach dem 19. Platz im Ziel: „Das Knie hat mir auf der Strecke zwar keine Probleme bereitet, aber mir hat das Training gefehlt, die Kraft, die Intensität.  Ich habe nur von Runde zu Runde gedacht und versucht, meinen Rhythmus zu fahren.“

Screenshot Die Ergebnisse des Mountainbike-Rennens von Rio 2016 im Überblick

Themen: Cross CountryDamenOlympia-MTB-RioRennen


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