EWS #2 2018 in Manizales (COL) EWS #2 2018 in Manizales (COL)

EWS 2018 #2 in Mazinales (COL)

Zwischen Matsch und Straße: Hill und Ravanel dominieren

Adrian Kaether am 04.04.2018

Viele Fans, tiefer Matsch und ein Straßenrennen: Das EWS-Rennen in Kolumbien war mindestens ungewöhnlich. Am Ende siegten wieder Sam Hill und Cecile Ravanel.

Kolumbien oder Chile, Hauptsache Südamerika könnte man vielleicht denken. Doch anders als im letzten Jahr mit den beiden Austragungsorten Chile und Argentinien, könnten dieses Jahr die beiden Eröffnungsrennen der Enduro World Series unterschiedlicher kaum sein. Vor einer guten Woche erlebten wir, wie Sam Hill und Cecile Ravanel in der Höhenluft der Anden auf teils extrem langen Stages und tiefem Staub mit Highspeed zum Ziel rasten. Kolumbien sollte das Kontrastprogramm dazu werden und erfüllte diese Erwartungen auf ganzer Linie.

EWS #2 2018 in Manizales (COL)

Die kolumbianische Presse interessierte sich vor allem für Marcelo Gutierrez Villegaz.

Kolumbien: Kontrastprogramm zur EWS #1 in Chile

Es war eines der ungewöhnlichsten Rennen, dass die Enduro World Series bis heute erlebt hat. Tiefer Schlamm im kolumbischen Regenwald, eine unglaubliche Zahl von Fans neben der Strecke, eigentlich nur ein einziger Renntag. Doch das Rennen wurde schon am 31. März abends eröffnet, mit einer kurzen Stage, die im Slalom durch die Innenstadt von Manizales führte.

EWS #2 2018 in Manizales (COL)

Sam Hill gibt auf der Prolog-Stage in der Stadt ordentlich Gas.

Sprintstärke und Risikofreudigkeit waren hier gefragt und so überraschte es kaum, dass vor knapp 20.000 Zuschauern der Local und Downhill-Profi Marcelo Gutierrez Villegaz zum Sieg fuhr. Im Rennen der Damen konnte Ex-Fourcrosserin Anneke Beerten ihr Comeback feiern und holte den ersten Stage-Sieg für ihr neues Team Alchemy Bicycles Factory Racing.

EWS #2 2018 in Manizales (COL)

Durch den Slalom auf halber Strecke des Prologs musste man einen guten Rhythmus finden. Hier Isabeau Courdurier.

Sieben Stages an Tag zwei

Alle sieben restlichen Stages sollten dann an Tag zwei folgen, auf nur rund 40 Kilometern Renndistanz. Die Stages waren extrem kurz, selten länger als zwei Kilometer und hatten es doch mächtig in sich. Local Marcelo Gutierrez hatte die Bedingungen am besten einschätzen können und auch wenn er sich bergauf mächtig quälte, so brachten ihm Ortskenntnis und vor allem seine Matschreifen bergab den entscheidenden Vorteil. Er konnte seine Verfolger mit mehr als zehn Sekunden Abstand hinter sich lassen.

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Anneke Beerten konnte die erste Stage des Rennens auf ihrem neuen Alchemy-Bike für sich entscheiden.

Bis auf Sam Hill. Der Australier unterwarf sich keiner uns bekannten Logik und deklassierte selbst Gutierrez Villegaz um teils sogar mehr als 20 Sekunden pro Stage. Und während der Rest des Feldes recht unelegant im Sattel sitzend mit zwei Füßen auf dem Boden die Balance zu halten versuchte, hielt Sam Hill seine Füße auf den Flatpedals und konnte sogar an einigen Stellen noch die eine oder andere Kurbelumdrehung einflechten. Auf losem Staub oder in tiefem Matsch, dann wenn alle anderen Fahrer an ihre Grenzen stoßen, rollt Sam Hill zu Topform auf.

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Josh Bryceland hat bei der Enduro World Series sichtlich Spaß. Auf Stage fünf (hier im Bild) holte er am Ende Platz zwei.

Sieg auf Stage zwei, Sieg auf Stage drei und vier, Sieg auf Stage fünf. Stage sechs fiel aus wegen zu viel Regen, Stage sieben lag Sam Hill dann nicht mehr, ebensowenig wie der kurze Sprint von einem halben Kilometer durchs Fahrerlager ins Ziel auf Stage acht. Doch auch wenn seine Position auf den letzten Stages nicht mehr so gut war: Aufhalten konnte den Australier in Kolumbien niemand mehr. Wieder erreichte er das Ziel mit gutem Vorsprung, zwei Rennen, zwei Siege. Es scheint, als könnte es tatsächlich schwierig werden, Sam Hill 2018 noch zu schlagen.

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Im tiefen Schlamm hatte selbst Damien Oton Probleme, elegant auszusehen. Der Devinci-Fahrer gewann dafür dann die etwas trockenere Stage sieben.

Damenrennen: Ravanel dominant – Ines Thoma holt Stagesieg und Platz vier

Im Rennen der Damen konnte Cecile Ravanel an ihre Erfolge vom ersten EWS-Rennen des Jahres anknüpfen, wenn auch nur mit insgesamt drei von sechs gewerteten Stages. Doch die konnte sie ganz klar für sich entscheiden. Stage eins ging an die sprintstarke Anneke Beerten. Auf den matschigen und physisch fordernden Stages zwei bis vier war Cecile Ravanel allen anderen Fahrerinnen überlegen, auf Stage fünf bremste ein Crash sie aus, Platz drei schnappte sie sich aber nichtsdestotrotz. Nach der gestrichenen Stage sechs ging Stage sieben an Ines Thoma, den Sieg auf der Sprintetappe Nummer acht holte Katy Winton.

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Der kolumbianische Regenwald gab das Setting vor, Marcelo Guttierez Villiegaz ist mittendrin.

Erfreulich war das Rennen deswegen am Ende auch für Ines Thoma, die neben ihrem Sieg auf Stage sieben auch auf den Stages drei und vier aufs Podium fuhr. Damit konnte sie nur noch von Cecile Ravanel und dem ewigen Verfolgerduo Katy Winton und Isabeau Courdurier geschlagen werden. Nach dem miesen ersten Rennen, bei dem Defekte die Canyon-Fahrerin ausbremsten, endlich ein würdiger Start in die Saison für die deutsche Hoffnungsträgerin in der EWS.

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Wieder eine starke Performance von Katy Winton. Die Schottin holte in Kolumbien Platz drei.

Alle Ergebnisse zur EWS in Kolumbien finden Sie auf der Website der Enduro World Series. Weiter geht es mit dem nächsten Rennen der EWS am 12. und 13. Mai in Olargues in Westfrankreich.

EWS #2 2018 in Manizales (COL)

Sam Hill fuhr im tiefen Schlamm in einer Klasse für sich. Daran waren sicher nicht nur die Flatpedals schuld.

Adrian Kaether am 04.04.2018