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Algarve Bike Challenge Algarve Bike Challenge

Algarve Bike Challenge 2017

Tavira Blues

Alexander Brempel Ballester am 21.03.2017

Nach dem Rennen auf Lanzarote hat es Marathon-Blogger Alexander nicht lange auf der Couch ausgehalten und sich direkt für die nächste Watt-Party in Portugal eingeschrieben. Die Algarve Bike Challenge.

Algarve Bike Challenge

Der Schauplatz der Algarve Bike Challenge: Tavira.

Die Algarve Bike Challenge ist ein UCI-Rennen mit zwei Marathons, einer mit sportlichen 93 Kilometern und 2850 Höhenmetern und zum Aufgalopp ein drei Kilometer langes Zeitfahren bei Nacht zwischen den Singletrail-breiten, bröckelnden Fassaden des beschaulichen Örtchens Tavira.

Wie viele Etappenrennen wird auch die Algarve Bike Challenge im Zweier-Team-Modus gefahren. Eine erste kleine Hürde für Egomanen und Eigenbrötler, die mit dem Messer zwischen den Zähnen dem bedrohlich kreisendem Zeiger der Uhr den Krieg erklärt haben. Ein Kumpel musste her – und zwar ein starker, damit er einen ja nicht ausbremst bei der Platzierungsjagd. Wenn man bei der Partnersuche nur auf die Watt-pro-Kilo schielt, kann es, wie ich es schon öfter erlebt habe, auch genau andersherum gehen. Das Gefühl einem locker im G2-Bereich kurbelnden Kraftpaket selbst mit vollem Druck auf dem Pedal nicht folgen zu können, macht schlechte Laune. Das Gefühl für den demütigenden, mehrere Tage dauernden Akt einem zu starken Partner als bleierner Schatten am Hinterrad zu lutschen, ist eine sauharte Erkenntnis. Schlimmer ist es nur, wenn er Joy Division nicht kennt oder Wiederholungen von Paris-Nizza nachts um eins auf Eurosport langweilig findet. Sprich als Zimmerpartner inkompatibel ist.

Mein baskischer Kumpel Ander sollte es diesmal sein, mit dem ich zwei Tage vor dem Rennen nonstop 1000 Kilometer von San Sebastián nach Sevilla gebrettert bin, um noch ein Zweier-Team aufzugabeln. Solche Roadtrips quer durchs Land mit Stopps in Fastfood-Ketten und Energydrink-Exzessen kommen zwar auf dem Papier cool daher, sind aber nach spätestens 300 Kilometern der Horror.

Der Prolog durch die Altstadt

Die erste Etappe der Algarve Bike Challenge ist die kürzeste, von der ich je gehört habe. 2,7 Kilometer quasi vom Marktplatz hoch zum Brunnen, an der Kirche vorbei und ab durch den Zielbogen. Wahnsinnige Stimmung, Gänsehaut, abends um 9:00 Uhr einseitig eingeklickt mit meinem Partner und zwei anderen Teams auf den Startpfiff wartend. Die ganze Stadt auf den Beinen. Vor allem an den gefährlichen Passagen wie Treppenstufen und schlecht einsehbaren Kurven hatten manche Zuschauer nach dem dritten Superbock-Pils echt Schaum vorm Mund, um jemanden über den Lenker gehen zu sehen. Nur die in der UCI-Pro-Kategorie gestarteten Biker durften auf dem Rundkurs trainieren.

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Tavira an der Algarve.

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Enge Kurven und Treppenstufen waren die Hauptschwierigkeiten.

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2,7 Kilometer lang war der Kurs durch die nächtlichen Gassen.

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Franz Hofer und Simon Gessler vom Team Texpa Simplon.

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Daniel Federspiel (links) und Gregor Raggl (beide AUT) gewannen den Prolog in der Altstadt.

Die Starter der offenen Klasse, wie wir Freizeit-Outdoor-Masochisten hier genannt werden, konnten nur am Raunen der Zuschauer und dem Geräusch von radierendem Gummi auf dem Kopfsteinpflaster erahnen, was hinter der nächsten Kurve auf einen lauert.

Tag 2: Der Regen macht einen Strich durch die Rechnung

Der zweite Tag und auf dem Papier der härteste bis jetzt dieses Jahr, begann für mich mit dem Prasseln von Haselnuss-großen Regentropfen an die Scheiben unseres schicken, retro-futuristischen Hotels. An der Lobby dann die Nachricht: Etappe verschoben und gekürzt. Richtig traurig bin ich darüber nicht gewesen. Also raus aus der mit Vaseline präparierten Trägerhose und noch mal unter die Bettdecke. Beim Start ist mir dann erst die Größe des Rennens bewusst geworden. 407 farbenfroh in Lycra gehüllte, mehr oder weniger ambitionierte Teams im Stadtzentrum von Tavira. Vom Start weg wie immer sofort Vollgas, um dann an der ersten steilen Rampe bei Kilometer fünf einen tiefen Schluck aus der Flasche zu nehmen, auszuspucken und sich auf ein hartes Stück Arbeit einzustellen. Die Strecke an Tag zwei – wie auch am dritten Tag – war gespickt mit brutalen Rampen von bis zu 38 Prozent laut Garmin. Immer wieder rauf und runter wie ein Boxkampf mit einem ausgewachsenen Gorilla. Immer wieder auf die Nase. Ein Rennen zum Einstecken. Eins von denen, bei dem man panisch mit 5 km/h an der Kurbel reißt und hofft, dass nach der Rampe nicht schon wieder ein breites, hellbraunes, von Minimal-Buschwerk flankiertes Schotterband vor einem auftaucht.

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Später Start auf die verkürzte Etappe am zweiten Tag.

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Von den vielen steilen Rampen etwas zermürbt: unser Autor Alexander.

Meinem armen Teampartner hab ich ein bisschen zu viel zugemutet und so bin ich am ersten Tag früher ins Ziel gerollt. Beim Abendessen musste ich ihm versprechen, dass wir den nächsten Tag zusammen fahren, damit er mich am selben Tisch platznehmen lässt.

Tag 3: Ziegenpfade und Flussdurchquerungen

Am dritten Tag ging es über ähnliche Autobahn-breite Schotterbänder, wurde dann aber zum Ende hin mit ein paar flowigen Ziegenpfaden und ein paar Flussdurchquerungen verfeinert. In einem der knietiefen Bäche hab ich den russischen Fotografen Igor Schifris in kurz-kurz im eiskalten Wasser lauernd dazu gebracht, ein paar Schnappschüsse von mir zu machen, um dem langen, etwas monotonen Tag ein bisschen mehr Farbe zu geben.

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Mit dem DIN A4-Olymp wurde es auch diesmal nichts für Alexander (links), dafür hatte er Spaß mit seinem Partner Ander auf der Strecke.

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Gezügelt: Am dritten Tag fuhr Alexander zusammen mit seinem Partner, der hinten im blauen Trikot gerade überholt.

Fünf Kilometer vor dem Finish haben wir nochmal richtig reingehallten und ein halbes Dutzend Teams überholt. Für mehr als das Mittelfeld hat es aber auch dieses Mal nicht gereicht. Der DIN A4-Heaven ist immer noch verdammt weit weg, aber ich bleib dran.

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Autor Alexander (rechts) mit seinem baskischen Kumpel Ander im Ziel.

Die Algarve Bike Challenge ist sicherlich ein feines Rennen in einem ruralen, außerhalb der Tourismus-Saison eher ruhigen Fleckchen Erde. Es versprüht den Charme vergangenen Glanzes. Den „Tavira Blues“ haben wir dieses Gefühl genannt. Das Rennen als solches ist für Hobby-Piloten wie uns zu schwer, um wirklich vorne mitzumischen. Aber zu einfach, um in Tränen unterm Zielbogen die Finisher-Medaille in Empfang zu nehmen, mit dem Gefühl ein Heldending gefahren zu sein.

Die Suche geht also weiter!

Schon bald geht es für mich mit der Fähre rüber nach Menorca zur Epic Camí de Cavalls.

Hasta luego,
mucho gas!

Alexander Brempel Ballester am 21.03.2017