Dauertest Cannondale Scalpel HT Hi-Mod 1Zuverlässig & sportlich über lange Strecken

Stefan Loibl

 · 19.01.2023

Dauertest Cannondale Scalpel HT Hi-Mod 1
Foto: Georg Grieshaber

Mit seinem ungewöhnlich flachen Lenkwinkel bricht das Cannondale Scalpel HT Hi-Mod 1 mit dem Establishment. Im Dauertest offenbaren sich die Unterschiede zum klassischen Race-Hardtail.

Vor gut einem Jahr stellte Cannondale das neue Scalpel HT vor und ritt damit die Welle der immer längeren und flacheren Geometrien ein kleines bisschen weiter als alle anderen. Jahrelang waren Lenkwinkel um die 70 Grad die Norm unter den Marathon- und Cross-Country-Hardtails. Mit 66,9 Grad ist der Lenkwinkel des Scalpel HT so flach wie bei bisher keinem anderen Race-Hardtail. Ob das extreme Konzept auch auf lange Sicht überzeugen kann, zeigt unser Dauertest.

Zuverlässig & komfortabel: Sportgerät für die Langstrecke

Auf dem Scalpel HT sitzt man weniger unkonventionell, als es die Geometriedaten prophezeien. Bei 180 Zentimetern Körpergröße wirkt der Carbon-Rahmen in Größe L nicht zu lang. Mit dem 760 Millimeter breiten Lenker am 80 Millimeter langen Vorbau bietet das Cannondale eine hervorragende Wohlfühlsitzposition. Auf langen Touren mit hohem Trail-Anteil im Heimatrevier bei Pfaffenhofen verwöhnte das Scalpel HT mit außerordentlich hohem Sitzkomfort.

Das Zusammenspiel aus tief ansetzenden Sitzstreben und der 27,2 Millimeter dünnen Cannondale Save-Two-Carbon-Stütze erzeugt einen angenehmen Flex. Die hohen Komfortwerte waren bei den langen Stunden im Sattel Gold wert – egal, ob bei einer Tages-Tour mit 155 Kilometern durch die Fränkische Schweiz oder bei einer dreitägigen Bikepacking-Tour durch die Oberpfalz. Das Scalpel HT erwies sich als zuverlässiges und komfortables Sportgerät für die Langstrecke.

Beziehungs-Highlight: Bei einer Marathon-Trainingsrunde um Nürnberg mit 155 Kilometern und 2340 Höhenmetern zahlte sich der hohe Sitzkomfort des Scalpel HT aus.Foto: Markus Greber/Skyshot
Beziehungs-Highlight: Bei einer Marathon-Trainingsrunde um Nürnberg mit 155 Kilometern und 2340 Höhenmetern zahlte sich der hohe Sitzkomfort des Scalpel HT aus.

In der Gewichtswertung muss das Hi-Mod 1 mit seinen fahrfertigen zehn Kilo die Top-Modelle anderer Hersteller ziehen lassen. Wer das Bike nicht vorwiegend im Renneinsatz bewegt, kann das aber vernachlässigen. Zwar gehört das Cannondale nicht zu den spritzig-agilen Rennfeilen, in der Abfahrt ist es Hardtails mit konservativer Geometrie dafür deutlich überlegen.

Hat man sich erst mal an den flachen Lenkwinkel gewöhnt, liegt das Scalpel HT mit der sensiblen Lefty-Gabel und 110 Millimetern Federweg satt auf dem Trail und lässt sich laufruhig durch Wurzelpassagen steuern. Dennoch geht es auch willig um Kurven. Klassische CC-Bikes zirkeln zwar flinker durch eng verwinkelte Passagen, doch mit etwas mehr Nachdruck und vorausschauender Fahrweise hat das Cannondale hier kaum Nachteile. Auf fordernden Trail-Touren, wie der Jurassic-100-Runde rund um Kelheim mit 80 Prozent Singletrail-Anteil, sammelte das Scalpel HT ordentlich Sympathiepunkte als Allrounder.

Erfreuliche Bilanz: Geringer Verschleiß im Dauertest

Besonders erfreulich ist am Ende des Testzeitraums der Zustand der Verschleißteile. Die ersten Bremsbeläge haben auch nach 3860 Kilometern noch immer genügend Material auf den Trägerplatten, und die Kette müsste ebenfalls erst jetzt gewechselt werden. Nach 3400 Kilometern flogen die abgenutzten Schwalbe-Reifen vom Bike. Die Kombination aus Racing Ray und Racing Ralph bot neben langer Haltbarkeit auch geringen Rollwiderstand und guten Grip. An der Upside-down-Gabel wurde die Leitung der Vorderradbremse besonders beansprucht. Eine Führung löste sich und musste notdürftig mit einem Kabelbinder fixiert werden.

Bei der abschließenden Kontrolle in unserem Testlabor fielen die rau laufenden Nabenlager auf. Vor allem am Vorderrad wird es Zeit, diese zu ersetzen. Am Tretlager stellte sich nach 2000 Kilometern, trotz regelmäßiger Reinigung, ein immer wiederkehrendes Knacken ein. Als wenig haltbar erwiesen sich die Ergon-GXR-Griffe, welche die unkomfortablen Originalteile ersetzten. Das weiche und gut dämpfende Gummi der Steckgriffe begann schon nach 300 Kilometern, sich aufzulösen.

Tuning-Tipp: Lenkeinschlagbegrenzer

Durch den flachen Lenkwinkel und das Ungleichgewicht an der Gabel neigt das Vorderrad im Stillstand zum Kippen. Hier wäre das Mehrgewicht eines Lenkeinschlagbegrenzers sinnvoll, um das Oberrohr vor Defekten zu schützen.

Auf Dauer erschlaffte die Kraft des doppelseitigen Klebebandes unter der Leitungsführung der Gabel. Nun muss ein Kabelbinder herhalten.
Foto: Georg Grieshaber

Fazit von Stefan Loibl, BIKE-Chefredakteur Digital

Fein ansprechende Lefty-Gabel und viel Sitzkomfort machen das Cannondale Scalpel Hardtail für mich zum perfekten Langstreckenuntersatz. Der Lenkwinkel ist nur auf dem Papier ein Ausreißer, in der Praxis gewöhnt man sich schnell an das unaufgeregte Handling. Auf lange Sicht haben mich die Shimano-Komponenten überzeugt. Sie funktionieren tadellos und halten übermäßig lange.
Stefan Loibl, BIKE-
Chefredakteur Digital
 (36 Jahre, 75 kg, 180 cm
), fährt am liebsten Mittelgebirgs-Trails im Oberpfälzerwald.Foto: Max Fuchs
Stefan Loibl, BIKE- Chefredakteur Digital (36 Jahre, 75 kg, 180 cm ), fährt am liebsten Mittelgebirgs-Trails im Oberpfälzerwald.

Technische Daten und Bewertung Cannondale Scalpel HT Hi-Mod 1

  • Rahmenmaterial: Carbon, Größe L
  • Preis: 6999 Euro >> hier erhältlich*
  • Gewicht: 9,6 kg o. Pedale
  • Federweg: 107 mm
  • Laufradgröße: 29 Zoll
  • Gabel: Cannondale Lefty Ocho Carbon

Laufleistung: 3860 km | 59 500 hm

Bewertung Cannondale Scalpel HT Hi-Mod 1Foto: BIKE-Testabteilung
Bewertung Cannondale Scalpel HT Hi-Mod 1

Kosten im Dauerbetrieb

Insgesamt geben die Verschleißkosten keinen Anlass zum Tadel. Wer den Antrieb gewissenhaft sauber hält und Naben- sowie Tretlager selbst wartet bzw. erneuert, fährt mit dem Scalpel HT auch auf lange Sicht günstig.

*Den Wertverlust ermittelten wir anhand vergleichbarer Gebrauchtangebote auf den gängigsten Plattformen.Foto: BIKE-Testabteilung
*Den Wertverlust ermittelten wir anhand vergleichbarer Gebrauchtangebote auf den gängigsten Plattformen.

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