Dauertest Canyon Torque:On 9Laurins Abrechnung mit dem E-Enduro

Laurin Lehner

 · 03.01.2023

Laurin Lehner, FREERIDE-Redakteur, hat sein Canyon Torque in einem Dauertest hart gefordert.
Foto: Georg Grieshaber

Ein Bike; ein Tester; 7275 Kilometer; und kein Mitleid! Das Canyon Torque:ON 9 wurde von FREERIDE-Redakteur Laurin Lehner einem extremen Dauertest unterzogen. Die Abrechnung lesen Sie hier.

Die Blicke der Werkstattkollegen wurden Monat für Monat vorwurfsvoller. Der Grund: Die fehlende Pflege meines Dauertest-Bikes Canyon Torque:ON. Während des Testzeitraums von eineinhalb Jahren fuhr ich über 7000 Kilometer auf den Tacho – eine Strecke, so weit wie von Frankfurt nach Islamabad in Pakistan. Darunter waren viele Pendelkilometer durch Schnee, Matsch und Regen. Dazu jede Menge Trailrides auf Rumpelpfaden im Schwarzwald und so mancher Ausflug in den Bikepark.

Die fehlende Pflege war meinem Pflichtbewusstsein geschuldet. Denn ich nehme meinen Job als Tester ernst und wollte wissen: Wie schnell verschleißen die Antriebskomponenten unter Extrembedingungen? Wie reagieren Federelemente auf mangelnde Zuwendung? Wie gefährlich sind Dreck- und Salzbeschuss auf Dauer?

Verlagssonderveröffentlichung
Tester Laurin kam mit dem Sram-X01-Eagle-Antrieb trotz immenser Laufleistung und fehlender Pflege ohne Kettenriss davon. 
 Foto: Georg Grieshaber
Tester Laurin kam mit dem Sram-X01-Eagle-Antrieb trotz immenser Laufleistung und fehlender Pflege ohne Kettenriss davon.

Das Canyon Torque:ON wählte ich bewusst, denn ich kenne das Pendant ohne Motor und schätze die verspielte Geometrie und Nehmerqualitäten des Fahrwerks. Mit seinen super kurzen 430er-Kettenstreben kommt das Bike meinen persönlichen Vorlieben nach – ich komme vom Freeriden, liebe Manuals, enge Turns und drücke mich gerne an Geländekanten ab. Die Nachteile im Uphill nehme ich dafür gerne in Kauf.

Obwohl nur ein kleiner Akku im Unterrohr klemmt, liegen die 24 Kilo Gesamtgewicht des Torque:ON im Rahmen. Denn die Ausstattung ist dem Einsatzbereich entsprechend sehr potent: Im Modell 9.0 steckt das teure Fox-Factory-Fahrwerk und presst massig Hub aus Front und Heck (180/175 mm). Die Geometrie ist flach und tief, die Laufräder sind klein.

Beim Akku wurden für einen tieferen Schwerpunkt und eine Gewichtsersparnis (ca. 600 g) Abstriche gemacht. Der 504-Wh-Akku will am liebsten im Eco-Modus gefahren werden, der werksmäßig bereits ausreichend schiebt. Die „Turbo“-Fraktion kommt mit dem kleinen Akku nicht allzu weit (Kosten für einen Extra-Akku: 700 Euro). Der bewährte Shimano EP8 hat über den gesamten Einsatz nicht gemuckt, doch das nervöse, laute Surren nervte im Uphill.

Die Ladebuchse riss bereits nach rund 2500 Kilometern, blieb aber intakt. Der 504-Wattstunden-Akku musste mehr und mehr an Kapazität einbüßen. Man kennt’s vom Smartphone. Nach 3000 Kilometern besaß der Akku unseren Messungen zufolge 17 Prozent weniger Kapazität. Foto: Georg Grieshaber
Die Ladebuchse riss bereits nach rund 2500 Kilometern, blieb aber intakt. Der 504-Wattstunden-Akku musste mehr und mehr an Kapazität einbüßen. Man kennt’s vom Smartphone. Nach 3000 Kilometern besaß der Akku unseren Messungen zufolge 17 Prozent weniger Kapazität.

Die zentrale Erkenntnis aber: Die Ausstattung des Canyon Torque:ON hielt stand. Bremsen, Vario-Stütze, Antrieb, Federelemente – die Verschleißerscheinungen halten sich selbst nach dieser Laufleistung in Grenzen. Runtergefahrene Reifenprofile und ein paar gewechselte Bremsbeläge – das versteht sich von selbst. Etwas axiales Spiel in der Teleskopstütze – auch das kann nicht überraschen. Erstaunlich dagegen: kein Kettenriss, kein Zahnausfall an Ritzeln und Kettenblatt.

Die Vario-Stütze der Canyon-Hausmarke Iridium überzeugte trotz der schweren Einsatzbedingungen. Am Ende hatte die Stütze axiales Spiel, das aber aufgrund der Bedingungen in Ordnung geht. Ein Service würde helfen. Mit dem Canyon-SD:ON-Sattel kam unser Tester nicht zurecht.
 Foto: Georg Grieshaber
Die Vario-Stütze der Canyon-Hausmarke Iridium überzeugte trotz der schweren Einsatzbedingungen. Am Ende hatte die Stütze axiales Spiel, das aber aufgrund der Bedingungen in Ordnung geht. Ein Service würde helfen. Mit dem Canyon-SD:ON-Sattel kam unser Tester nicht zurecht.

Besonderes Lob geht an die robusten Laufräder von DT Swiss: Die H 1700 ließen sich auch durch rabiates Kurvengeballere nicht in die Knie zwingen. Am Ende wurde es dem Torque:ON dann doch zu viel mit mir. Beim Knopfdruck auf den ON-Schalter ging nichts mehr. Wie sich später herausstellte, löste sich eine Verbindung zwischen Anschaltknopf und Motor. Meine Werkstattkollegen dagegen meinten: Das Bike wollte sich jetzt einfach mal einen Werkstatt-Service erstreiken.

Die Maxxis-Reifen wurden konsequent durchgefahren. Das Profil in der Mitte ist vorne wie hinten wegradiert. Sind sichere Trail-Fahrten damit noch möglich? „Definitiv, die seitlichen Stollen halten bei Kurvenfahrten. Erstaunlich, wie gut sich die Reifen in dem Zustand noch fahren“, sagt Tester Laurin. Foto: Georg Grieshaber
Die Maxxis-Reifen wurden konsequent durchgefahren. Das Profil in der Mitte ist vorne wie hinten wegradiert. Sind sichere Trail-Fahrten damit noch möglich? „Definitiv, die seitlichen Stollen halten bei Kurvenfahrten. Erstaunlich, wie gut sich die Reifen in dem Zustand noch fahren“, sagt Tester Laurin.

Fazit von Laurin Lehner, Tester:

Das Canyon Torque:ON 9.0 ist ein potentes E-Mountainbike mit viel Komfort in der Abfahrt und einer Top-Haltbarkeit. Auf zahmen Trails wirkt das Bike zu großkalibrig, besitzt aber mit einer aktiven Fahrweise dennoch genug Spieltrieb.
Laurin Lehner, Tester Foto: Wolfgang Watzke
Laurin Lehner, Tester

Technische Daten und Bewertung Canyon Torque:On 9

  • Federweg: 180 mm/175 mm
  • Rahmengröße: Medium
  • Reach / Stack: 460 mm / 625 mm
  • Gewicht: 24 Kilo (o. Pedale)
  • Preis: 5999 Euro

PLUS

  • Fahrwerk
  • Handling
  • Robuste Ausstattung

MINUS

  • Nur 504-Wh-Akku
  • Lauter Motor

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