E-Trailfully Test 2023Rotwild R.X735 Ultra

Josh Welz

 · 04.11.2022

E-Trailfully Test 2023: Rotwild R.X735 UltraFoto: Max Fuchs
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Mit dem brandneuen R.X735 Ultra will Rotwild die Lücke zwischen dem Lightbike R.X375 und dem Big-Mountain-Modell R.X750 schließen. Das Ergebnis: ein superleichtes Trail-Fully für eine gut betuchte Klientel.

Wozu braucht es das Rotwild R.X735, wenn es doch bereits das R.X750 gibt? Beide Bikes scheinen qua Federweg dieselbe Kundschaft anzusprechen, und die paar Wattstündchen Unterschied machen doch den Kohl nicht fett. Könnte man zumindest meinen, wenn man einen flüchtigen Blick aufs Rotwild-Tableau wirft. Doch das Modellkürzel führt den Betrachter auf eine falsche Fährte. Denn mit dem R.X735 zielt Rotwild auf einen anderen Fahrertyp. Während die Hessen das R.X750 als Big-Mountain-Bike für alpines Gelände positionieren, wollen sie mit dem neuen 735er eine Trail-orientiertere Zielgruppe ansprechen. Entsprechend diente nicht der größere Bruder als Role Model, sondern das Lightbike R.X375.

Verlagssonderveröffentlichung
Rotwild R.X375 Ultra
Foto: Max Fuchs

Das Rotwild R.X735 Ultra glänzt als Leichtgewicht mit 21,4 Kilo

Das Gewicht spielte zwar auch beim Rotwild R.X735 eine zentrale, aber nicht die entscheidende Rolle: Mit 21,39 Kilo fällt das Bike in dieser Federwegsklasse und mit dieser Akku-Kapazität zwar extrem leicht aus, liegt aber nur knapp 500 Gramm unter dem des größeren Bruders. Die maßgeblichen Unterschiede liegen in der Geometrie und Motorisierung. Während das Big-Mountain-Bike vom bulligen Brose-Aggregat angetrieben wird, steckt im 735er der filigranere Shimano EP8. Das bringt nicht nur eine Gewichtsersparnis von 400 Gramm, es bietet den Produkt-Managern auch die Möglichkeit, bei zukünftigen Modellen auf den EP801 mit all seinen neuen, spannenden Features (z. B. XT Di2 mit Auto- und Freeshift) umzusteigen.

Sportliche Gene machen das Rotwild temperamentvoll

Die sportliche Ausrichtung des Rotwild R.X735 bestätigt sich beim ersten Aufsitzen. Die Front ist recht tief, der Vorderrahmen lang. So sitzt man eher gestreckt als aufrecht komfortabel und das, obwohl zwei dicke Spacer unter dem Vorbau klemmen. Im Uphill hilft das eher tiefe Cockpit, dass sich das Bike nicht zu früh aufbäumt. Der feinfühlige Hinterbau generiert massig Traktion, bietet aber nicht so viel Gegendruck, wie wir es von den besten Kletterspezialisten in der All-Mountain-Klasse kennen. Dazu kommt, dass der mit 77 Grad an sich steile Sitzwinkel durch den 35-Millimeter-Versatz des Stützenkopfes etwas abgeflacht wird. So muss man den Körperschwerpunkt gut austarieren, damit das E-Bike hohe Stufen erklimmt und das Vorderrad auch in steilen Kurven seine Führung behält. Gute Fahrer können so aber fast jede Uphill-Herausforderung meistern. Wenn der Boden etwas loser wird oder auch bei matschigen Bedingungen, würde man sich im Uphill etwas mehr Profiltiefe am Hinterreifen wünschen. Schwalbes Hans Dampf ist dann nicht erste Wahl.

Neben dem Hauptrahmen ist auch der Hinterbau in Carbon laminiert. Nur der Dämpfer-Yoke wird aus Alu gefräst.Foto: Max Fuchs
Neben dem Hauptrahmen ist auch der Hinterbau in Carbon laminiert. Nur der Dämpfer-Yoke wird aus Alu gefräst.

Sein Temperament spielt das R.X735 so richtig im Trail- und Downhill-Einsatz aus: Spritzig und agil zirkelt das E-MTB über Trails, steuert mit viel Druck auf dem Vorderrad präzise durch Kurven und giert dabei nach Speed. Ausgesprochen verspielt ist das Rotwild dabei nicht: Das Bike aufs Hinterrad ziehen, über Hindernisse bunnyhoppen oder an Bodenwellen aktiv abziehen – das erfordert mehr Körpereinsatz als bei ausgewiesen spielerischen Kandidaten. Im flotten Downhill sammelt das sportliche All Mountain Bike wieder reichlich Punkte: Die recht tiefe Front erfordert zwar etwas Mut in sehr steilen Passagen, doch das Fahrwerk bietet hervorragende Traktion und Kontrolle. Sowohl der Hinterbau als auch die 36er-Fox-Factory reagieren sehr feinfühlig, bieten gleichzeitig aber auch genügend Progression für heftigere Schläge und Landungen nach Sprüngen. Das Heck fühlt sich nach mehr Hub an, als die Werksangabe (144 mm) vermuten lässt.



Die Carbon-Version R.X735 Ultra rechtfertigt den hohen Preis

Über die Ausstattung sollte man in dieser Preisklasse eigentlich keine große Worte verlieren müssen. Doch die Zeiten haben sich geändert. 12.499 Euro wären vor einigen Jahren noch ein Affront gewesen. Heute hat man sich – zumindest im Highend-Segment der Premiumhersteller – an solche Summen fast schon gewöhnt. Das R.X735 Ultra-Rotwild verzichtet auf elektronische Komponenten, kommt mit Vollcarbonrahmen, XTR-Komplettausstattung, Fox-Factory-Fahrwerk, Crank-Brothers-Carbon-Laufrädern und Eightpins-Teleskopstütze. Heutzutage ist das dem Preis wohl ange­messen, aber auch kein verschwenderischer Luxus. Der Einstieg beginnt mit dem Modell R.X735 Core bei 7999 Euro.

Fazit von Josh Welz, EMTB-Chefredakteur:

“Mit 21,4 Kilo setzt das R.X735 in der All- Mountain-Klasse die Benchmark. Als reichweitenstarkes Leichtgewicht mit sportlichen Genen deckt es einen breiten Einsatzbereich ab und stellt überdies eine drehmomentstarke Alternative zur aufkommenden Light-Kategorie. Leider begleitet den Trail-Spaß eine störende Geräuschkulisse.”
Josh Welz, EMTB-ChefredakteurFoto: Georg Grieshaber
Josh Welz, EMTB-Chefredakteur

Technische Daten und Noten zum Rotwild R.X375 Ultra

Allgemeine Infos

Messwerte²

  • Gewicht: 21,39 kg
  • Reichhöhe¹: 1678 (+36) hm
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 14,6 km/h
  • Schwerpunkthöhe: 528 mm
  • Lenkerbreite: 780 mm
  • Kurbellänge / Q-Faktor 165 mm / 182 mm
  • Bodenfreiheit⁵: 487 mm

Antrieb

  • Motor: Shimano EP8
  • Max. Drehmoment³: 85 Nm
  • Akku³ / -Gewicht² / Preis Ersatz-Akku: BMZ/Rotwild / 3624 g / 1249 Euro
  • Schaltung: Shimano XTR
  • Übersetzung (v. / h.): 34; 10–51
  • Display / Größe: SC-EM800 / 21 x 38 mm

Ausstattung

  • Zul. Gesamtgewicht³: 130 kg
  • Gabel / Dämpfer: Fox 36 Factory Fit4 / Fox Float X Factory
  • Federweg (v. / h.): 150 mm / 144 mm
  • Teleskopstütze: Eightpins NGS2 / 210 mm
  • Bremse / Disc Ø (vorne / hinten): Shimano XTR / 203 mm / 203 mm
  • Laufräder:: Crankbrothers Synthesis E-Bike 29
  • Reifen: Schwalbe Magic Mary SG Soft 29 x 2,4" / Hans Dampf SG Soft 29 x 2,35''
Rotwild R.X375 Ultra - GeometriedatenFoto: EMTB-Testabteilung
Rotwild R.X375 Ultra - Geometriedaten
Rotwild R.X375 Ultra - CharakteristikFoto: EMTB-Testabteilung
Rotwild R.X375 Ultra - Charakteristik

EMTB-BEWERTUNG⁴ (max. 10 Punkte)

Uphill (x 3,5): 8,5

Trail (x 2): 9,5

Downhill (x 2): 8,5

Tour (x 5,5): 9

Antrieb (x 2,5): 8,5

Qualität (x 1): 9

EMTB-Testurteil: 8,7 Punkte - sehr gut

¹ Die Reichhöhe wurde bei standardisierten Messfahrten an einem Asphaltanstieg mit 12,2 Prozent Steigung ermittelt. Höchste Unterstützungsstufe, 150 Watt Tretleistung des Fahrers, Fahrergewicht inkl. Ausrüstung 90 kg. In Klammern die Höhenmeter im deutlich gedrosselten Notlauf-Modus. Die Durchschnittsgeschwindigkeit bezieht sich auf die Fahrt bei voller Unterstützung.

² Ermittelt an den Prüfständen im EMTB-Testlabor, Gewicht ohne Pedale. Akku-Gewicht ggf. inkl. verschraubtem Cover.

³ Herstellerangabe

Das Urteil gibt den subjektiven Eindruck der Tester und die Ergebnisse der Reichhöhenmessung und der Labortests wieder. Das EMTB-Urteil ist preisunabhängig. EMTB-Urteile: super (ab 9,0), sehr gut (ab 8,0), gut (ab 7,0), befriedigend (ab 6,0), mit Schwächen (ab 5,0), darunter ungenügend.

Gemessen mit 36 Zentimeter erhöhtem Hinterrad (Stufe).

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