Zwei-Meter-RegelMountainbike-Kongress sucht neue Wege für Baden-Württemberg

Josh Welz

 · 13.05.2026

Zwei-Meter-Regel: Mountainbike-Kongress sucht neue Wege für Baden-WürttembergFoto: Anatole Serexhe
​Wie trotz Zwei-Meter-Regel mehr legale Single-Trails entstehen können, diskutieren 150 Fachleute beim Deutschen Mountainbike-Kongress in Aalen – mit Politik, Praxisbeispielen und neuen Impulsen für die Kommunen. Hoffnung für die Biker im Ländle?

​Der neue Koalitionsvertrag in Baden-Württemberg eröffnet neue Perspektiven für naturnahe Mountainbike-Angebote. Bündnis 90/Die Grünen und CDU wollen Kommunen künftig stärker dabei unterstützen, Single-Trails einzuführen und über Runde Tische gemeinsam mit allen Akteuren Lösungen zu entwickeln. Die umstrittene Zwei-Meter-Regel bleibt dabei zwar bestehen, doch der politische Wille zur pragmatischen Umsetzung wächst.

Vor diesem Hintergrund veranstaltet das Mountainbike Forum Deutschland e. V. vom 16. bis 18. Juni den 9. Deutschen Mountainbike-Kongress im KulturBahnhof Aalen. Rund 150 Fachleute aus Kommunen, Tourismus, Forst, Verwaltung und Verbänden kommen zusammen, um rechtssichere, naturverträgliche und qualitativ hochwertige Bike-Angebote voranzubringen.

Zwei-Meter-Regel: Wo neue Spielräume entstehen

Seit 1995 erlaubt die Zwei-Meter-Regel das Radfahren im Wald nur auf Wegen mit mindestens zwei Metern Breite. Baden-Württemberg ist damit bundesweit eine Ausnahme. Ein politisches Fachpanel des Kongresses beleuchtet, welche Spielräume sich dennoch für Kommunen, Vereine und Destinationen eröffnen. Diskutiert werden unter anderem Unterstützungsmodelle des Landes, vereinfachte Genehmigungsverfahren und Wege zum Abbau bürokratischer Hürden.

Fachprogramm mit drei Schwerpunkten

Das dreitägige Kongressprogramm gliedert sich in drei Themenfelder:

Recht, Verwaltung und Umsetzung

Ein neuer Leitfaden zur Verkehrssicherungspflicht bei MTB-Trails soll mehr Rechtsklarheit schaffen und Genehmigungsprozesse erleichtern. Praxisberichte aus Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern zeigen, wie Mountainbike-Infrastruktur erfolgreich in die Forstpraxis integriert werden kann.

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Qualität, Finanzierung und Daten

Hier stehen Finanzierungsmodelle für Bike-Infrastruktur, der Datenbedarf von Kommunen sowie der MTB-Monitor 2026 im Fokus. Der Schwäbische Alb Tourismusverband stellt zudem sein Qualitätskonzept BIKE vor.

Community, Zielgruppen und Zukunftsbilder

Das dritte Themenfeld widmet sich der Gravel-Zielgruppe, digitalen Angeboten, internationalem Erfahrungsaustausch mit der Schweiz und Österreich sowie der gesellschaftlichen Wahrnehmung des Mountainbikens.

Destination Aalen als Praxisbeispiel

Der Schwäbische Alb Tourismus und die Stadt Aalen fungieren als Destinationspartner. Auf einer Fachexkursion zeigt Aalen, wie die Zusammenarbeit zwischen Kommune und lokaler MTB-Community konkret gelingt.

Premiere für die BIKE SPIRIT AWARDS

Erstmals verleiht das Mountainbike Forum Deutschland die BIKE SPIRIT AWARDS. Ausgezeichnet werden Projekte in den Kategorien Trailbau, Vielfalt und Bike-Erlebnis. Eine Fachjury und ein Community-Voting entscheiden gemeinsam bis zum 31. Mai über die Preisträger.

Austausch, Touren und neue Formate

Neben Panels und Vorträgen bietet der Kongress zahlreiche Vernetzungsformate: eine (E-)MTB-Fachexkursion, geführte MTB-, E-MTB- und Gravel-Touren sowie einen moderierten Netzwerkabend. Neu im Programm ist ein Women Ride Out, organisiert in Kooperation mit Women in Cycling Germany und Women in MTB.

Nico Graaff, Geschäftsführer des Mountainbike Forum Deutschland e. V., betont:
„Der Kongress ist eine zentrale Plattform, um die Zukunft des Bikens aktiv mitzugestalten. Neben fachlichem Know-how sind es vor allem die Begegnungen und der offene Dialog, die nachhaltige Impulse für eigene Projekte liefern.“

Das Mountainbike Forum Deutschland e. V. versteht sich als gemeinnützige Denkfabrik und Dialogplattform für die Professionalisierung des Mountainbike-Tourismus in Deutschland. Es vernetzt Tourismus, Kommunen, Forst, Verwaltung, Industrie und Zivilgesellschaft und entwickelt auf Basis von Forschung und Praxis Qualitätsstandards, Konzepte und politische Impulse.

Josh Welz

Josh Welz

Chefredakteur

Josh Welz ist studierter Sportjournalist und prägt als Chefredakteur die publizistische Ausrichtung der BIKE. 2016 griff Welz den E-Trend auf und entwickelte den Titel EMTB. Entsprechend bewegt er sich gerne zwischen den Welten. Da seine Begeisterung für knackige Trails aber größer ist als sein Trainingsfleiß, schlägt das Pendel häufig in Richtung „E“ aus.

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