Pumptracks, Dirtlines, Flowtrails und Trailparks - entlang des Rheins, genauer gesagt auf seinem 200 Kilometer langen Abschnitt zwischen Heidelberg und Koblenz, sprießen die Bikespots nur so aus dem Boden. Jeder für sich ist einen eigenen Besuch wert. Schon weil die Trails die Handschriften diverser Trail-Bauer tragen und die Geländeformen wechseln wie die Untergründe. Interessant sind auch die unterschiedlichen Communitys, die hinter diesen Projekten stehen. Die perfekten Zutaten also für einen Bikepacking-Trip im Sommer. Einfach den stets leicht abfallenden Rhein-Radweg hinunter cruisen und an den jeweiligen Spots abzweigen.
Südöstlich der Universitätsstadt Heidelberg ragt der Hausberg Königstuhl 567 Meter hoch aus der Oberrhein-Tiefebene. Trotz seiner Lage im Zwei-Meter-Regel-Land Baden-Württemberg konnten die Locals den Stadtrat von der Notwendigkeit offizieller Mountainbike-Strecken überzeugen. Das Ergebnis: drei Trails, die nun als Trainingsgelände des HD-Freeride e. V. geführt und gepflegt werden:
Achtung, es gibt auch ein paar Auflagen: Wer die Trails am Königstuhl fahren möchte, muss entweder Vereinsmitglied werden (Erwachsene: 80 Euro, Jugendliche: 60 Euro pro Jahr) oder eine Tageskarte von 7 Euro lösen (via Paypal). Dafür ist man aber in der Zeit versichert und kann sich sicher sein: 3 Euro davon fließen wieder in die Pflege der Trails zurück. Montags und donnerstags werden außerdem gemeinsame Feierabend-Rides organisiert, möglich auch mit Shuttle.
Info: hd-freeride.de
Blickt man vom Gipfel des Königstuhls gen Norden, wellt sich dort bereits der Odenwald in den Horizont. Darin: die mittlerweile unzähligen, ausgeschilderten und mit viel Engagement gepflegten Trail-Touren von Eberbach, Miltenberg, Amorbach, Hardheim, Dossenheim, Collenberg... und vieler anderer Orte. Einen Überblick aller Enduro-, All Mountain- und Marathon-Runden versucht der Geo Naturpark Bergstraße-Odenwald zu geben: mtb-geo-naturpark.de
Auch unser Autor Christian Penning war letzten Sommer dort, um sich die lohnendsten Runden mit den ikonischen Kürzel-Namen MIL1, AM1, HA1 etc. zeigen zu lassen. Dazu hat er die Locals befragt, wie sie dieses Vorzeigeprojekt in Deutschland durchgesetzt haben. Der ganze BIKE Trailguide “Odenwald-Syndikat”.
Auch auf den speziell für Biker angelegten Trails rund um die Stadt Eberbach waren wir bereits unterwegs. Zum Trailguide “Bikeländ Eberbach” mit der kompletten Riesenrunde inkl. GPS geht’s hier.
Zurück zum Rhein kann man die Strecke übrigens mit der S-Bahn verkürzen. Zum Beispiel nach Mannheim. Dort könnte man zum nächsten Bikespot wieder in den Zug steigen und in nur 40 Minuten Deidesheim auf der anderen Flussseite erreichen!
Westlich von Deidesheim baut sich mit der Haardt der erste Bergriegel des Pfälzerwaldes auf. Darin auch der 516 Meter hohe Gipfel Eckkopf mit seinem markanten Aussichtsturm - ein Spot, der vor allem bei Wanderern sehr beliebt ist. Doch auch für Mountainbiker gibt es seit 2024 den “Naturtrail Deidesheim” über diesen Berg. Eine große Runde von 18 Kilometern und 677 Höhenmetern durch Laubwald mit inzwischen vier langen Trail-Abschnitten:
Die Trails wurden erst kürzlich mit ein paar Features verfeinert, für die man auch Geschmeidigkeit und Reaktionsschnelligkeit gut gebrauchen kann. Vor allem, wenn es vorher geregnet hat. Dann verwandeln sich die Naturbauten aus Stein und Fels schnell in unberechenbare Schwunggeber. Oder wie ein User letztens auf Youtube kommentierte: “Pechstein in Verbindung mit 3 Eichen ist so geisteskrank gut!!!”
Den für dieses Projekt nötigen Behörden-Marathon hat der Verein RV Edelweiss 1924 Deidesheim auf sich genommen. Die Jungs und Mädels organisieren auch die Pflege der Trails und gemeinsame Ausritte. Wer sich hier tatkräftig oder finanziell engagieren möchte, findet hier offene Arme und alle Infos zu den Trails: edelweiss-deidesheim.de
Zwischen Mainz und Wiesbaden dreht der Rhein seine 90-Grad-Wende gen Westen und kurz danach zweigt man rechts in das hübsche Weinörtchen Kiedrich ab. Dort, wo erst kürzlich das Hotel Wald.Weit seine Pforten auf einem wild und einsam gelegenen Waldgipfel seine Pforten geöffnet hat.
Hier war es der bikebegeisterte Hotelier selbst, der von der Trailbau-Firma Natur-Projekte Flowlines in den zugehörigen Hahnwald-Garten schaufeln ließ.
5 Trails warten hier, von superflowig bis “Rheinfall”, der auch Experten begeistert mit seinen Steilrutschen und Überraschungseffekten. Alle Trails sind auch für Nicht-Hotelgäste frei zugänglich, es gibt Parkplätze und an Wochenenden auch einen Foodtruck. Fahrtechnik-Profi Max Mey bietet Kurse an, die Jungs und Mädels von “Wurzelwerke” auch Fahrtechnik mit Yoga.
Alle Infos mit Webcam und Öffnungszeiten der Trails: wald-weit.com
Radelt man weiter am Rhein entlang, erreicht man bald die nächste große Flusskehre bei Bingen und könnte hier gen Süden noch einen Abstecher nach Hargesheim auf den Wissberg und nach Bad Münster zu zwei sehr künstlerisch angelegten Pumptracks unternehmen. Zwei Kurse, die ebenfalls der Schaufel von Kim Christian von der Firma Natur-Projekte entsprungen sind.
Bilder dazu: natur-projekte.com
In St. Goarshausen könnte man vom Rheinufer auch noch rechts zum knapp 30 Kilometer entfernten Heidenrod/Laufenselden abbiegen: Hier hat die lokale Bike-Community im letzten Jahr einen Flowtrail in die Landschaft ziehen dürfen:
Schlingnatter, Heidenride, Fieberklee, Wurzelwerk und Wildcat heißen die verschiedenen Sektionen des neuen Flowtrails Heidenrod. Insgesamt 3,4 Kilometer Trails wurden vor den Toren des südhessischen Laufenselden ausgeschildert und bike-freundlich möbliert. In allen Abfahrten warten Anlieger und kleine Jumps zum möglichen Zünden des Flow-Turbos, nur die Wildcat und die Enduro-Sektion fahren ihre Krallen in Form von Drops und Wurzeln aus. Es gibt auch einen 450 Meter langen Uphill-Trail mit so sanfter Steigung, dass man auch ohne Motor und Akku Spaß beim Pedalieren hat.
Offiziell eröffnet wurden diese Trails im April 2025. Seither sprechen alle ganz begeistert nur noch vom “Heidenride”. Alle Infos, auch zu den Öffnungszeiten und sämtlichen Aktionen des Vereins: flowtrailheidenrod.de
Auf keinen Fall links liegen lassen darf man den Bikepark Boppard, den man auf dem weiteren Weg am Rhein entlang sowieso touchiert.
Nichts für Sonntagsfahrer, heißt es auf der Homepage schon recht selektiv. Der Mountainbikepark Bopparder Stadtpark wartet mit einer Freeride-Line samt professionell aufgeschaufelter Rampen, Wallrides und Nortshores auf. Rund 250 Tiefenmeter, die ein gutes Fahrwerk voraussetzen. Aber es gibt auch Umfahrungen für weniger Geübte. Außerdem kann man hier auf einer drei Meter hohen Startrampe Schwung für mehrere Dirtlines holen, die auch schon internationale Top-Fahrer begeistert haben. Das ganze mit Sessellift-Unterstützung!
Infos: boppard-tourismus.de
Und vom Bikepark Boppard ist es auch nicht mehr weit zum großen Verhandlungs-Erfolg der Koblenzer MTB-Initiative: Auch sie durften 2021 im Stadtwald endlich ein offizielles Trail-Netz anlegen. Und wer besonders lange verhandeln muss, der gibt sich beim Anlegen der Lines auch ganz besonders viel Mühe, könnte man meinen. Es gibt Biker die sagen: “Wahnsinn, richtig, richtig fett, was die da gebaut haben!”
Die Trails warten in 4 Korridoren, sind mehrheitlich natürlich angelegt und stehen allen Bikern in den Sommermonaten offen. 2023 kam auch eine Dirtline hinzu!
Infos zu den Trails: mtbkoblenz.de und eine Karte mit den 4 Korridoren: koblenz.de/umwelt-und-planung
Lust, den Rhein von seiner Quelle an zu erleben? Auf der zweitägigen Trans Surselva in Graubünden erlebt man die Trails über dem noch türkisfarbenen Wildfluss.

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