Schrottfahrräder in DeutschlandStudie zeigt: Fahrradleichen sind ein wachsendes Problem

Maik Schröder

 · 23.06.2024

Schrottfahrräder in Deutschland: Studie zeigt: Fahrradleichen sind ein wachsendes ProblemFoto: Tom Bierl
Vernachlässigte, verwahrlost und verstaubt: Schrottfahrräder sind ein wachsendes Problem in Deutschland. Doch es gibt Perspektiven für verwahrloste Räder. Vor allem für solche Perlen!
Laut Buycycle sind Schrottfahrräder ein wachsendes Problem in deutschen Städten. Das hat die Online-Plattform für gebrauchte Fahrräder jüngst in einer Studie herausgefunden. Was steckt dahinter, wie sehen die Ergebnisse der Studie aus, und was bedeutet das für die Städte?

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In den Städten ist es ein bekanntes Bild: Aufgegebene, verrostete Fahrräder stehen überall herum, viele schon seit Monaten oder Jahren - und es werden immer mehr. Viele Städte kämpfen mit der Problematik von Schrottfahrrädern, die keinen Besitzer mehr haben. Diese Fahrräder verursachen Ärger auf den Gehwegen, beeinträchtigen das Stadtbild und blockieren die ohnehin knappen Stellplätze. Für die Ordnungsämter bedeutet die Erfassung und Beseitigung dieser Räder einen erheblichen personellen und finanziellen Aufwand. Es ist ein wachsendes Problem, das auf der Hand liegt. Die Online-Plattform Buycycle hat in einer Studie jetzt die Anzahl an Schrottfahrrädern und die damit verbundenen Kosten hochgerechnet.

Was ist überhaupt ein Schrottfahrrad?

Doch wie wird ein gewöhnliches Fahrrad eigentlich zu einem solchen Schrottfahrrad? Behörden unterscheiden zwischen aufgegebenen Rädern und Schrottfahrrädern, denn: Während ein aufgegebenes Fahrrad ohne Besitzer generell noch fahrtüchtig erscheint und nur kleinere Reparaturen nötig sind, um es wieder in Betrieb zu nehmen, sind “echte” Schrottfahrräder solche, an denen Teile wie beispielsweise Lenker, Sattel oder Felgen bzw. Reifen fehlen, oder Fahrräder, wo die Reparatur die Kosten einer Entsorgung übersteigt. Schrottfahrräder seien demnach häufig geklaute Räder, oder Fahrräder, die aufgrund des schlechten Zustandes vom vorherigen Besitzer zurückgelassen wurden.

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Studie zu Schrottfahrrädern: Hochrechnungen zeigen drastisches Ausmaß

Die Studie von Buycycle beinhaltet allerdings keine genauen Zahlen, sondern soll basierend auf Hochrechnungen und umfassenden Recherchen die Anzahl von Schrottfahrrädern auf deutschen Straßen und die Kosten für die Städte und die Behörden aufzeigen. Dazu soll die Studie zeigen, welche Alternativen es für ausgediente Fahrräder gibt.

Da nicht alle Behörden genaue Zahlen nennen konnten, wurden für die Hochrechnung auch Daten aus der medialen Berichterstattung der letzten Jahre herangezogen. So wurde für 19 deutsche Städte die durchschnittliche Anzahl von Schrotträdern ermittelt. In Großstädten wie München, Hamburg oder Köln werden jedes Jahr über 4.000 Schrottfahrräder entfernt.

Aus dem Mittelwert aller 19 Städte wurde hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung eine Gesamtanzahl von Schrottfahrrädern ermittelt. Das Ergebnis: mehr als 162.000 aufgegebene Fahrräder pro Jahr! Hier sind die Top 10 der Städte mit den meisten Schrottfahrrädern pro Jahr:

  1. Hamburg: 4671 Schrottbikes
  2. Köln: 4642 Schrottbikes
  3. München: 4400 Schrottbikes
  4. Berlin: 4395 Schrottbikes
  5. Düsseldorf: 2400 Schrottbikes
  6. Hannover: 1789 Schrottbikes
  7. Kassel: 1500 Schrottbikes
  8. Frankfurt: 510 Schrottbikes
  9. Bremen: 500 Schrottbikes
  10. Freiburg: 415 Schrottbikes
Das Profil ist noch gut... Wegschmeißen oder fitmachen?Foto: Henri LesewitzDas Profil ist noch gut... Wegschmeißen oder fitmachen?

Die Beseitigung von Schrottfahrrädern kostet Millionen

Schrottfahrräder zu entfernen, ist teuer: Personalkosten, Ausgaben für Reinigungsaktionen und die Entsorgung schlägt zu Buche. Oft müssen Fahrräder zwischengelagert werden, was zusätzliche Kosten mit sich bringt. Nach Angaben beispielsweise des Bezirksamts Berlin-Steglitz wurden 2022 von 1920 markierten Fahrrädern nur 876 entfernt, hauptsächlich aufgrund finanzieller Beschränkungen. Allein für diese knapp 900 Fahrräder entstanden bereits Kosten in Höhe von 20.000 Euro.

In Bremen kostet das Entfernen eines Schrottrades etwa 100 Euro, in Dresden schon 150 Euro pro Rad. Auf Basis der Hochrechnung ergibt sich eine Kostenspanne zwischen 16 und 25 Millionen Euro jährlich. Woher kommt das Geld? Die Summen werden von Bürgerinnen und Bürgern indirekt bezahlt, da die Erfassung und Entfernung durch Steuergelder finanziert wird.

Die Gründe für die Entsorgung von Fahrrädern

Wieso werden eigentlich so viele Fahrräder auf offener Straße entsorgt? Wolfgang Großmann, Geschäftsführer der P+R Park&Ride GmbH, erklärt: “Schrotträder oder sogenannte aufgegebene Fahrräder verschandeln unsere Städte und blockieren Fahrradstellplätze. Damit behindern sie aber auch den dringend notwendigen Umstieg auf das Fahrrad, weil diejenigen, die aktiv mit dem Rad unterwegs sind, keine freien Stellplätze finden. Nach unseren Erfahrungen handelt es dabei nicht nur um gestohlene oder buchstäblich vergessene Räder, oftmals ist den Eigentümerinnen und Eigentümern auch der – meist nur geringe – Aufwand, das Rad wieder fahrtüchtig zu machen, einfach zu lästig. Wir freuen uns deshalb, wenn gemeinnützige Organisationen diese Räder wieder instand setzen und an Personen weitergeben, die sie dringend benötigen. Das ist Nachhaltigkeit im besten Sinne.“ Und genau ein solches Angebot gibt es...

Wenn ein Fahrrad verstaubt, oder wie hier von Spinnenweben überzogen irgendwo steht, ist das noch lange kein Grund zur Verwahrlosung! Oft helfen kleine Reparaturen, um es wieder fahrtüchtig zu machen.Foto: Henri LesewitzWenn ein Fahrrad verstaubt, oder wie hier von Spinnenweben überzogen irgendwo steht, ist das noch lange kein Grund zur Verwahrlosung! Oft helfen kleine Reparaturen, um es wieder fahrtüchtig zu machen.


Ein zweites Leben für Schrottfahrräder

Fahrräder sind teuer. Für ein gutes Fahrrad muss man mindestens 500 Euro einplanen - das kann sich nicht jeder leisten. Daher ist das Spenden alter Fahrräder eine gute Möglichkeit, etwas Gutes zu tun und Menschen Zugang zu einem Fahrrad zu ermöglichen. Denn manchmal bedarf es nur einer kleinen Reparatur, um ein im Keller verstaubtes Fahrrad wieder fahrtüchtig zu machen. Aber auch andere gemeinnützige Organisationen freuen sich über Spenden von alten Fahrrädern, zum Beispiel die Caritas oder das Rote Kreuz.

In München geht man mit gutem Beispiel voran, wenn es um den Umgang mit Schrottfahrrädern geht: Zusammen mit dem städtischen Tochterunternehmen P+R Park & Ride GmbH arbeitet man an dem Problem, vier Mitarbeiter sind hier das ganze Jahr über mit der Markierung und Entfernung von herrenlosen Fahrrädern beschäftigt. Man will diesen Rädern ein zweites Leben bescheren - dafür ist das Unternehmen mit 53 gemeinnützigen Organisationen im Austausch.

Fazit: Für das Problem Schrottfahrräder gibt es auch Lösungen

Die Hochrechnungen zeigen, dass Schrottfahrräder ein verbreitetes Problem in deutschen Städten sind. Damit Fahrräder gar nicht erst gestohlen werden, und somit der Weg zum verwahrlosten Fahrrad geebnet sein kann, ist es sinnvoll, sich ein gutes Schloss zuzulegen. Des Weiteren können alte Bikes in der Regel gespendet werden. Durch Spenden oder sachgerechte Entsorgung verbessern wir die Sauberkeit und Optik der Städte, schaffen Platz zum Abstellen verkehrstüchtiger Räder und unterstützen Menschen, die sich kein neues Fahrrad leisten können. Essenz der Studie ist deshalb auch: Wir leisten einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz und zur nachhaltigen Nutzung von Ressourcen, indem wir uns um unsere alten Fahrräder kümmern, und sie nicht einfach verwahrlosen lassen.

Maik Schröder

Maik Schröder

Redakteur

Maik Schröder ist gebürtiger Ostwestfale und fährt am liebsten auf seinem Gravelbike durch die Natur. Gerne darf die Tour auch einen kulinarischen Stopp enthalten, um sich für die nächsten Kilometer zu stärken. Auch wenn es im Flachland wenig Höhenmeter zu bewältigen gilt, hat er das ambitionierte Ziel, einmal eine Transalp zu absolvieren. Als Online-Redakteur ist er verantwortlich für die Erstellung von digitalen, redaktionellen Inhalten wie Newsmeldungen, Neuvorstellungen und Event-Berichterstattung.

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