Laurin Lehner
· 13.07.2026
Bike-Konstrukteur Lutz Scheffer fordert eine radikale Regulierungswende: Statt Wattzahlen bei E-Motoren zu begrenzen, soll das Motorgewicht entscheiden. Die von Bosch geforderte 750-Watt-Grenze hält Lutz ohnehin für Unsinn. Im >> Interview mit Lutz Scheffer << wird auf diese Punkte genau eingegangen.
Nun meldet sich Ernst Brust zu Wort, Sachverständiger für Mikromobilität bei Velotech.de. Er sagt: Nicht die Wattzahl entscheidet – sondern das Fahrverhalten. Damit widerspricht er Lutz Scheffer erst mal nicht, schließlich ist er ja auch Gegner der genannten 750-Watt-Grenze.
Während Scheffer jedoch ein Maximalgewicht des Motors als Lösung darstellt, sieht Ernst Brust eine vielschichtigere Lösung als ideal an. Er sieht unter anderem die Beschleunigung und das Fahrverhalten als entscheidend an. Hier seine Ansicht.
Nicht die Leistung, sondern die Beschleunigung ist entscheidend, sagt Ernst Brust
Die Fahrdynamik eines Fahrzeugs wird nicht allein durch die Motorleistung bestimmt. Entscheidend sind vielmehr:
Ein 30 Kilogramm schweres Lastenrad kann sich sicherer fahren als ein deutlich leichteres Pedelec mit aggressiver Motorabstimmung. Das Gewicht allein ist daher kein geeignetes Kriterium.
Ernst Brust, Sachverständiger für Mikromobilität
Seit Jahrzehnten werden im Fahrzeugbereich Beschleunigungen gemessen – sowohl beim Anfahren als auch beim Bremsen. Diese Messungen lassen sich reproduzierbar auf Prüfständen und im Fahrversuch durchführen.
Eine Begrenzung der maximalen positiven Beschleunigung wäre wesentlich sinnvoller als eine starre Wattgrenze. Sie würde das tatsächliche Fahrverhalten erfassen und wäre unabhängig davon, welche Motorleistung oder welches Motorkonzept verwendet wird.
Tuning ist bereits heute ein erhebliches Problem. Eine höhere zulässige Motorleistung würde Manipulationen jedoch nicht verhindern. Entscheidend sind vielmehr:
Die Diskussion darf sich nicht ausschließlich auf den Motor konzentrieren. Ein sicheres Pedelec besteht aus einem Gesamtsystem:
müssen gemeinsam bewertet und geprüft werden. Nur die Prüfung des verwendungsfertigen Gesamtfahrzeugs bildet die tatsächlichen Belastungen im Straßenverkehr ab.
Eine Neuregelung sollte auf objektiven Messgrößen beruhen. Dazu gehören unter anderem:
Diese Parameter sind reproduzierbar messbar und erlauben eine technisch fundierte Bewertung.
Die Diskussion über die Zukunft des Pedelecs ist notwendig. Eine pauschale Anhebung der Leistungsgrenze auf 750 Watt löst jedoch weder die Probleme des Tunings noch verbessert sie automatisch die Verkehrssicherheit.
Statt einer höheren Wattzahl sollten objektiv messbare Kriterien wie Beschleunigung, Leistungsgewicht, Bremsleistung und die Prüfung des vollständigen Fahrzeugs im Mittelpunkt einer zukünftigen Regulierung stehen. Nur so lassen sich Innovation, Verkehrssicherheit und der Charakter des Pedelecs als Fahrrad dauerhaft miteinander vereinbaren.
Ernst Brust, Sachverständiger für Mikromobilität, Gründer der Velotech.de

Redakteur
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.